Ob Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest

Lehrer sind bereit, für Gullotta auszusagen

Dienstag, 26. Juli 2022 | 11:36 Uhr

Bozen – Weil er interveniert hat, sollen die Noten seines Sohnes in zwei Fächern nach erneuter Einberufung des Klassenrats aufgebessert worden sein. Eine Lehrperson hat darauf eine Eingabe bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, seitdem steht der italienische Schulamtsleiter Vincenzo Gullotta im Zentrum der Ermittlungen. Mehrere Lehrpersonen sind nun offenbar bereit, zu seinen Gunsten auszusagen.

Dies teilten die Anwälte des Schulamtsleiters, Giancarlo Massari und Mauro De Pascalis, der Staatsanwaltschaft in einer Verteidigungsschrift mit. Sie wollen beweisen, dass die erneute Einberufung des Klassenrats zur Neubewertung eines Schülerurteils keine Ausnahme darstellt, sondern durchaus üblich ist.

Gullottas Sohn besuchte zum damaligen Zeitpunkt die Mittelschule. Nachdem die Staatsanwaltschaft den Abschluss der Ermittlungen bekanntgegeben hat, steht noch nicht fest, ob Anklage erhoben wird. Sollte es jedoch zu einem Prozess kommen, haben die Anwälte eine Reihe von Lehrpersonen aufgelistet, die bereit sind zugunsten des Schulamtsleiters als Zeugen auszusagen.

„Wir wollen beweisen, dass die Wiedereinberufung des Klassenrats auf Ansuchen eines Elternteils wegen eines mutmaßlichen Bewertungsfehlers durchaus Praxis und keinesfalls eine missbräuchliche Handlung ist“, erklären die Anwälte laut einem Bericht der Zeitung Alto Adige.

Verteidiger Mauro De Pascalis hat Unterlagen der Schule zusammengesucht, um zu belegen, dass es mehrfach ähnliche Fälle gegeben hat. „Es handelt sich um ein Recht, dass Eltern stets zugestanden wurde“, betont Massari. Vom Versuch, jemanden zu begünstigen, könne keine Rede sein.

Der Vorfall, um den es geht, hat sich bekanntlich vor zwei Jahren im Juni abgespielt. Den Vorwürfen zufolge habe Gullotta Druck auf einige Lehrpersonen ausgeübt, um eine bessere Bewertung seines Sohnes zu erreichen. Neben Gullota wurden noch der Schulamtsleiter und eine Lehrperson ins Ermittlungsregister eingetragen. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall noch nicht archiviert. Ob tatsächlich Anklage erhoben wird, entscheidet sich wegen der Gerichtsferien voraussichtlich erst im September.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Lehrer sind bereit, für Gullotta auszusagen"


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sixtus
sixtus
Tratscher
15 Tage 2 h

Man muss sich mir herausreden können. Habe noch nie gesehen/gehört, dass ein Zeugnis im Nachinein zu Gunsten oder Ungunsten eines Schülers geändert wurde.

Leonor
Leonor
Superredner
15 Tage 1 h

sixtus

Ich denke heutzutage bei den Helikopter Eltern ist alles möglich.

Kinig
15 Tage 1 h

Durchaus üblich ? Glaube ich sofort, sowie die Eltern heutzutage mit den Kindern umgehen.
Und weil das üblich ist, sollte das erlaubt sein ?

RS
RS
Grünschnabel
14 Tage 7 h

..da man in Italien nur gegen negative Bewertungen/nicht Versetzungen Rekurs einreichen kann klingt das Ganze ein wenig suspekt. Und bei einem Rekurs kommt es nicht zu einem Treffen des Klassenrates so wie hier beschrieben…

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