Innenstädte von Hallein und Kufstein unter Wasser

Lokale Überflutungen durch Starkregen über Österreich

Sonntag, 18. Juli 2021 | 17:36 Uhr

Starkregen über weiten Teilen Österreichs hat seit Samstag lokal für Überflutungen und Verwüstungen sorgt. In Hallein in Salzburg wurde die Altstadt überschwemmt, auch die Innenstadt von Kufstein in Tirol stand “unter Wasser, wie wir es noch nie erlebt haben”, berichtete Bürgermeister Martin Krumschnabel der APA. Stellenweise regnete es in wenigen Stunden ähnlich viel oder sogar mehr als in einem durchschnittlichen gesamten Juli. Verletzt wurde vorerst niemand.

Nachdem die Wassermassen aus dem Kothbach am Samstagabend die Stadt Hallein überflutet haben, waren am Sonntagvormittag die Einsatzkräfte sowie Bewohnerinnen und Bewohner mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Kothbach zog sich zwar in den Bachlauf zurück, doch in den Straßen der Keltenstadt hinterließ er Schlamm und Verwüstung. In den engen Gassen war das Wasser teils meterhoch gestanden. Feuerwehrleute und Freiwillige schaufelten Schlamm, Äste und Schwemmgut aus den Eingängen der Häuser in den betroffenen Straßen.

“Wir räumen die Verkehrswege frei, pumpen Keller aus und sind mit den Aufräumarbeiten in Hallein und Bad Dürrnberg beschäftigt”, sagte der Halleiner Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Josef Tschematschar zur APA. Die Situation war auch am Sonntagvormittag angespannt. Eine Siedlung im Ortsteil Gamp wurde evakuiert, weil eine Stützmauer einzustürzen drohte. 30 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) rief die Menschen dazu auf, die Aufräumarbeiten nicht zu behindern.

Auch in Tirol forderte der starke Regen am Sonntag die Einsatzkräfte weiterhin. Zahlreiche Murenabgänge, überflutete Keller und Tiefgaragen waren die Folge der heftigen Niederschläge. Besonders betroffen war Kufstein, der dortige Zivilschutzalarm wurde aber in der Früh aufgehoben. Vor allem in der Innenstadt staden Straßen, Keller und Garagen unter Wasser. Die Menschen wurden aufgerufen, nicht in die Stadt zu kommen.

Der Ort Kelchsau (Bezirk Kitzbühel) war in der Früh zudem wegen einer Mure abgeschnitten. Mehrere Bäche waren übergetreten. Weil in dem Ort am Abend ein Fest stattfand, waren somit rund 80 Menschen, die nicht in der Kelchsau wohnen, eingeschlossen. Im Laufe des Vormittages konnten sie aus der Ortschaft gebracht werden, berichtete die Polizei.

In Oberösterreich kam es ab Samstagnachmittag zu lokalen Überflutungen, Vermurungen, Hangrutschen und vollgelaufenen Kellern. Wegen ansteigender Pegelstände an Inn und Donau wurde der mobile Hochwasserschutz errichtet. In Schärding am Inn war er Sonntagmittag vollständig aufgebaut, in Grein an der Donau wurde ebenfalls daran gearbeitet. Zivilschutzwarnungen in Schärding und Steyr blieben aufrecht.

In Wien gab es vom frühen Samstagvormittag bis Sonntag um 13.00 Uhr “1.200 Einsätze in Zusammenhang mit dem Starkregenereignis”, berichtete Feuerwehrsprecher Jürgen Figerl. Das betraf vor allem Auspumparbeiten von Kellern, Tiefgaragen oder Unterführungen. Im Süden der Bundshauptstadt traten der Petersbach und der Liesingbach stellenweise über die Ufer. Laut Wiener Netze waren zudem insgesamt 6.650 Haushalte vorübergehend von Stromausfällen betroffen. In der Neuen Donau wurde von der Stadt ein Badeverbot erlassen.

In Niederösterreich hatte Starkregen zu zahlreichen Feuerwehreinsätze im Bezirk Amstetten geführt. In Ferschnitz und Neuhofen wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. Beide Gemeinden liegen an der Ybbs. Laut Landeswarnzentrale waren beide Orte vom Hochwasser umschlossen, Bäche und kleinere Flüsse über die Ufer getreten. Der Pegelstand der Donau erreichte am Sonntag im Bezirk Krems die Hochwasserwarnstufe.

Im Bezirk Krems erreichte der Pegel der Donau Sonntagnachmittag die Hochwasseralarmstufe. Am Vormittag hatte der Stand bei der Messstelle Kienstock laut den Wasserstandsnachrichten des Landes Niederösterreich 750 Zentimeter betragen. Bereits am Vormittag war die Warnstufe erreicht worden. Trotz der Alarmstufe bestehe derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung an der Donau, teilte die Feuerwehr Krems auf ihrer Internet-Seite mit.

Vorarlberg blieb von den Folgen der starken Regenfälle indes weitgehend verschont. In Dornbirn ging ein Bach aufgrund von Verklausungen über das Ufer und eine Häuserzeile wurde überschwemmt. In den Wohnanlagen mussten Keller und Tiefgaragen ausgepumpt werden. Im Vergleich zum Nordalpenbereich blieben die Niederschläge auch in der Obersteiermark moderat – wegen Starkregens waren von den Feuerwehren nur rund 16 Einsätze in den Bezirken Liezen und Bruck-Mürzzuschlag zu bewältigen. Laut Landesfeuerwehrverband traten Bäche über die Ufer, Keller wurden überflutet, Straßen waren freizuräumen.

Die Regenfront war von Norden her an den Alpen hängen geblieben und sorgte vor allem dort für extrem große Niederschlagsmengen. Stellenweise regnete es in wenigen Stunden ähnlich viel oder sogar mehr als in einem durchschnittlichen gesamten Juli, hieß es von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber der APA. Am Sonntag seien bis in den Abend hinein noch stellenweise kräftige Regenschauer möglich. Ab Montag verläuft das Wetter dann deutlich ruhiger. Es seien nur noch einzelne Schauer zu erwarten. Großflächiger Starkregen ist in der kommenden Woche laut ZAMG nicht in Sicht.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sagten den Geschädigte des Hochwassers Hilfe aus dem Katastrophenfonds zu. “Die Bilder aus Teilen Österreichs und besonders aus Hallein oder dem Tiroler Unterland machen betroffen und schockiert. Wir werden als Bundesregierung alles in unserer Macht stehende tun, um den Betroffenen vor Ort zu helfen”, so Kurz in einem Statement gegenüber der APA. “Die Unwetter haben schon jetzt große Schäden hinterlassen und wir als Bundesregierung werden gemeinsam mit den Bundesländern die betroffenen Gemeinden und geschädigten Haushalte beim Wiederaufbau unterstützen”, unterstrich Kogler.

Das Innenministerium bot indes die 18 Hubschrauber der Flugpolizei für den Katastropheneinsatz in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten an. Die Hubschrauber könnten für Transportflüge sowie für Erkundungsflüge eingesetzt, des Weiteren im Bedarfsfall auch für die Evakuierung von Menschen. “Die Situation erfordert einmal mehr das Zusammenwirken aller Blaulichtorganisationen. Diese Partnerschaft ist oftmals geübt und bereits vielfach praktiziert worden”, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer weiteren Stellungnahme gegenüber der APA.

Auch SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner bedankte sich bei den zahlreichen Einsatzkräften für ihren Einsatz: “Die Organisationen, sei es die Feuerwehr, das Bundesheer, Rettungs- und Katastrophenschutzorganisationen, aber auch vor allem die vielen Freiwilligen, wie die Freiwillige Feuerwehr, leisten – teilweise unter Einsatz ihres Lebens – unverzichtbare Arbeit. Ihnen gebührt immer, aber vor allem an Tagen wie diesen, unser besonderer Dank!”, so Rendi-Wagner.

Von: apa

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