Selbstjustiz in der Türkei keine Seltenheit

Mann in Istanbul wegen versuchter Kindesentführung gelyncht

Freitag, 27. Juli 2018 | 12:19 Uhr

Ein aufgebrachter Mob hat in Istanbul einen Mann getötet. Augenzeugen zufolge soll der Mann versucht haben, am späten Donnerstagabend im Stadtteil Maltepe auf offener Straße ein sechsjähriges Mädchen zu entführen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur DHA am Freitag. Daraufhin habe sich eine ganze Gruppe von Anrainern auf ihn gestürzt und “lange Zeit” auf ihn eingeprügelt.

Polizisten befreiten den Mann zwar, er starb auf dem Weg in ein Krankenhaus der türkischen Großstadt. Auf Videoaufnahmen vom Abend ist zu sehen, wie wütende Männer versuchen, den angeblichen Täter noch aus den Händen der Polizisten zu reißen.

Selbstjustiz ist in der Türkei keine Seltenheit. Viele Menschen in der Türkei sind derzeit besonders sensibel, was möglichen Kindesmissbrauch oder Entführungen angeht, denn seit Monaten laufen in den Medien besonders viele große Berichte über verschwundene und ermordete Kinder. Es ist allerdings nicht klar, ob die Zahl der Fälle gestiegen ist oder ob sich nur die Berichterstattung geändert hat.

In einer Analyse der Online-Plattform Al-Monitor zum Thema aus dem Juli heißt es, dass in der Türkei “Nachrichten über soziale Probleme” mehr Gewicht bekämen, weil sie politisch wenig riskant seien. Die Regierung hat türkische Medien nach dem Putschversuch von 2016 weitgehend auf Linie gebracht. Kritische Stimmen werden verfolgt, wie Menschenrechtsaktivisten kritisieren. Die jüngsten Missbrauchs- und Entführungs-Fälle haben in der Bevölkerung Rufe nach der Todesstrafe wieder laut werden lassen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Mann in Istanbul wegen versuchter Kindesentführung gelyncht"


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Lana77
Lana77
Tratscher
19 Tage 4 h

Hon in den Foll kuan Mitleid mit den Typ.

gwin
gwin
Tratscher
18 Tage 23 h

lana 1. wer sagt, dass die geschichte wahr ist. 2. wer sagt, dass die medien nicht versuchen lynchjustiz zu erzeugen? wie du an deinem kommentar siehst, eignen sich kinder besonders dazu. einmal etabliert lässt es sich fast beliebig erweitern. 3. wer lynchjustiz zustimmt, stimmt der diktatur zu.

Waltraud
Waltraud
Superredner
19 Tage 1 h

Man möchte fast sagen, gut so. Aber ob das weitere solcher Taten verhindert?

gwin
gwin
Tratscher
18 Tage 22 h

nein würden sie nicht und du weißt das auch: die einen bringen menschen um, die kinder missbrauchen, die anderen vergewaltiger, die anderen homosexuelle, die nächsten andersgläubige oder andersfarbige. die liste lässt sich bei guter hetze beliebig verlängern.

gapra
gapra
Superredner
18 Tage 9 h

Bitte was heißt denn: man möchte fast sagen….. Entweder man sagt es oder man lässt es bleiben. Um sich mit dem Wort “fast” einen “Fluchtweg” zu schaffen, grenzt an Scheinheiligkeit.

gwin
gwin
Tratscher
18 Tage 22 h

ard doku: rufmord, wenn gerüchte zum alptraum werden. schau sie dir an, dort siehst du wie die dynamik lynchjustiz entsteht. nicht umsonst wird die gruppe der angreifer mob (aufgewiegelte, reizbare volksmenge) genannt.

gwin
gwin
Tratscher
18 Tage 22 h

na gut leute, ich versteh euch einfach nicht: jesus hat in unserer religion die selbstjustiz mit einer einzigen geschichte beendet. das müsste doch genügen.

gwin
gwin
Tratscher
18 Tage 10 h

nicht gut leute, was ist die größte leerstelle im artikel? er beschreibt nicht, ob die menschen, die geprügelt gaben, angezeigt worden sind. das was sie getan haben ist mord.

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