Er klärte die Selbstverdauung in der Zelle auf

Medizin-Nobelpreis für japanischen Zellforscher

Montag, 03. Oktober 2016 | 12:07 Uhr

Der Medizin-Nobelpreis 2016 geht an den japanischen Zellforscher Yoshinori Ohsumi. Der 1945 geborene Wissenschafter vom Tokyo Institute of Technology hat den Mechanismus der Autophagie – der “Selbstverdauung” – in Zellen entdeckt und ihn aufgeklärt, hieß es in der Begründung des Karolinska Instituts in Stockholm.

Ohsumi hat in den 1990er-Jahren bahnbrechende Experimente durchgeführt. Bereits in den 1960er-Jahren hatten Wissenschafter beobachtet, dass die Zellen eigene Bestandteile zerstören können. Aber wie das funktionierte, war lange nicht geklärt.

“Yoshinori Ohsumi benutzte die Bäckerhefe, um die Gene für diese Autophagie zu identifizieren. Er ging dann weiter, indem er die der ‘Selbstverdauung’ zugrunde liegenden Mechanismen in der Hefe aufklärte und zeigte, dass eine ähnliche Maschinerie dafür auch in unseren Zellen benutzt wird”, hieß es in der Begründung für die Zuerkennung des Nobelpreises für Physiologie und Medizin. Autophagie-Gene können auch Krankheiten verursachen und sind beteiligt an manchen Krebsleiden und neurologischen Erkrankungen.

Die Auszeichnung ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen, umgerechnet 831.000 Euro dotiert. Der Medizin-Nobelpreis des vergangenen Jahres – zur Hälfte an William C. Campbell (USA) und Satoshi Omura (Japan) sowie an Youyou Tu (China) – hatte wissenschaftliche Arbeiten belohnt, die mit der Entwicklung neuer Medikamente ganz wesentlich zur wirksamen Therapie gefährlicher Tropenerkrankungen beigetragen hatten.

Von: apa