Die Razzia richtet sich u.a. gegen Zwangsprostitution

Mehr als 100 Festnahmen im deutschen Rotlichtmilieu

Mittwoch, 18. April 2018 | 14:34 Uhr

Mit einer Großrazzia hat die deutsche Bundespolizei ein Netzwerk im Schlepper- und Rotlichtmilieu zerschlagen. Mehr als 1.500 Beamte durchsuchten Mittwochfrüh zeitgleich 62 Bordelle, Büros und Wohnungen in zwölf Bundesländern, berichtete die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Dabei vollstreckten die Beamten sieben Haftbefehle, mehr als 100 Menschen wurden vorläufig festgenommen.

Zunächst war unklar, um wen es sich bei den vorläufig Festgenommenen handelte und ob es gegen alle Betroffenen Verdachtsmomente im Zusammenhang mit dem Großeinsatz gab, der sich gegen Schlepperei, Zwangsprostitution, Vorenthalten von Löhnen sowie Steuerhinterziehung richtete. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich bei der Razzia um die “größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei”.

Hauptbeschuldigte in dem Verfahren sind laut Generalstaatsanwaltschaft eine 59-jährige Thailänderin und ihr 62-jähriger deutscher Lebensgefährte. Beide wurden in der Stadt Siegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen verhaftet. Sie sollen mit weiteren Mittätern ein bundesweites Netzwerk aufgebaut haben, das thailändische Frauen und Transsexuelle per Flugzeug nach Deutschland brachte, damit sie sich hier prostituieren.

Zum Kern der Gruppierung gehören nach Behördenangaben 17 Beschuldigte. Die 59-jährige mutmaßliche Drahtzieherin soll in Thailand mit unbekannten Komplizen gezielt Frauen und Transsexuelle angeworben und mit Touristenvisa nach Deutschland gebracht haben. Hier arbeiteten die Betroffenen demnach zunächst überwiegend in drei Bordellen der beiden Hauptbeschuldigten in Siegen.

Die Eingeschleusten sollten nach Erkenntnissen der Behörden auf diese Weise vermeintliche Schulden für die Schleppung in Höhe von 16.000 bis 36.000 Euro sowie die Kosten für “Miete” und Verpflegung abarbeiten. Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Betroffenen dann “in einer Art Rotationsprinzip” in Bordelle in andere Städte gebracht worden sein.

Die Polizei ermittelte im Vorfeld der Razzia 32 betroffene Frauen und Transsexuelle. Die sieben Haftbefehle vollstreckten die Beamten in Siegen, Eschborn, Maintal, Rastatt und Saarbrücken. Insgesamt richten sich die Ermittlungen wegen bandenmäßiger Schlepperei, Zwangsprostitution, Zuhälterei, Ausbeutung und Steuervergehen gegen 56 Beschuldigte – 41 Frauen und 15 Männer im Alter zwischen 26 und 66 Jahren.

Schwerpunkte der Großrazzia waren Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. An dem Einsatz war auch die Spezialeinheit GSG9 beteiligt. Laut Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gab es bei den Durchsuchungen “keine größeren Widerstandshandlungen”. Innenminister Horst Seehofer erklärte, der Bundespolizei sei “ein harter und in seinem Ausmaß beispielloser Schlag gegen ein bundesweit verzweigtes Netzwerk der Organisierten Kriminalität gelungen”.

Von: APA/dpa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Mehr als 100 Festnahmen im deutschen Rotlichtmilieu"


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wellen
wellen
Superredner
1 Monat 2 Tage

Und da behaupten einige noch, man solle Borfdelle einführen, um die Zwangsprostitution zu vermeiden.Freier strafen ist das einzige Mittel gegen die Versklavung und Ausbeutung dieser armen Mädchen.

Paul
Paul
Superredner
1 Monat 2 Tage

GROKO…

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