Außenminister Alexander Schallenberg

Mehr als 3.500 Österreicher zurückgeholt

Samstag, 21. März 2020 | 20:47 Uhr

Mehr als 3.500 Österreicher sind seit Beginn der Coronakrise aus dem Ausland zurückgeholt worden. Das sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) dem “Kurier” (Sonntag-Ausgabe). “Insgesamt haben 14 österreichische Flüge – das heißt Flüge des Außenministeriums in Kooperation mit Austrian Airlines, Lauda Motion und Level – stattgefunden und einer in Kooperation mit der EU.”

Viele weitere österreichische Reisende würden “in den kommenden Tagen und Wochen” nach Hause gebracht werden, ergänzte Schallenberg. Erneut appellierte der Außenminister, dass sich alle registrieren. Und er mahnte zur Eile. “Jeden Tag werden Grenzen dichtgemacht, Flughäfen und Fluglinien stellen ihren Betrieb ein. Es ist kein Verlass, dass kommende Woche aus gewissen Destinationen noch Linienflüge in Europa ankommen.” Er habe “den Eindruck, dass sich nicht alle des Ernstes der Lage bewusst sind”, sagte Schallenberg. Es gebe Touristen, die “gar noch ein paar Tage am Strand bleiben oder eine Trekking-Tour machen” wollen.

“Der gesamte Planet wurde vom österreichischen Außenministerium bereits am 12.3. als hohes Sicherheitsrisiko eingestuft.” Wie lange die Reisewarnung gelten werde, könne er nicht beantworten. Schallenberg sagte: “So lange sie notwendig ist.” Trotzdem gebe es bei einer Rückholaktion “immer” einen Selbstbehalt. Schallenberg: “Das ist geltende Politik und selbstverständlich. Bei einem Marrakesch-Flug hat der Selbstbehalt 200 Euro betragen, bei Kapstadt 600 Euro.”

Schallenberg räumte außerdem Anlaufschwierigkeiten bei der Hotline des Außenministeriums ein. Aber jetzt funktioniere das System. “Wir haben 240 Personen, die rund um die Uhr an der Hotline arbeiten, 120 davon hat dankenswerterweise Verteidigungsministerin Klaudia Tanner zur Verfügung gestellt. Jeder, der im Außenministerium nicht mit der Rückholaktion beschäftigt ist oder zu einer Risikogruppe gehört, sitzt am Telefon. Alle gehen bis an ihre Belastungsgrenze”, berichtete Schallenberg. Sein Haus sei darüber hinaus in ständigem Austausch mit den Nachbarländern Österreichs, um den Güter- und Pendelverkehr weiter zu ermöglichen.

Zu den unterschiedlichen Ansätzen der verschiedenen Länder im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus sagte Schallenberg: Jeder Staat entscheide für sich selbst, zumal es keine vereinheitlichte Gesundheitspolitik auf EU-Ebene gebe. “Aber jedes Land, das davon ausgeht, dass das Gewitter vorüberzieht und es nicht vom Coronavirus betroffen ist, begeht einen tödlichen Fehler. Bei der internationalen Vernetztheit und Mobilität kann niemand glauben, als gallisches Dorf außen vor zu bleiben.” Die Verwendung von Begriffen wie Krieg, wie es etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron oder US-Präsident Donald Trump gemacht haben, findet Schallenberg allerdings “nicht passend”.

“Bei der besonderen Verfasstheit” von Österreich dürfe darüber hinaus nicht vergessen werden, dass es Staaten gebe, denen es noch schlechter gehe, sagte Schallenberg. “Österreich hat 250.000 Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds für den Iran zur Verfügung gestellt”, berichtete der Außenminister, der selbst Ende Februar in Teheran zu Besuch war. Sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Zarif habe ihm in der Zwischenzeit in mehreren Telefonaten versichert, dass er gesund sei, so Schallenberg.

Von: apa