Aus rund 30 Ländern außerhalb Chinas sind Infektionen gemeldet worden

Mehr neue Coronavirus-Fälle außerhalb als innerhalb Chinas

Mittwoch, 26. Februar 2020 | 22:56 Uhr

Erstmals seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr neu gemeldete Fälle außerhalb Chinas als in der Volksrepublik selbst. Am Dienstag wurden aus China 411 neue Infektionen gemeldet, außerhalb Chinas wurden am selben Tag 427 neue Fälle gemeldet, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf berichtete.

Das am stärksten betroffene Land außerhalb Chinas ist Südkorea. Das Virus hatte im Dezember in China seinen Ausgang genommen und breitet sich seither in immer mehr Länder aus. Derzeit sind weltweit rund 40 Länder betroffen.

In der Volksrepublik sind nach offiziellen Angaben mehr als 78.000 Menschen mit dem Virus infiziert, dort gibt es bisher mehr als 2.700 Todesfälle. In Europa ist Italien am stärksten betroffen, dort infizierten sich nach Behördenangaben vom Mittwoch bisher mindestens 374 Menschen, zwölf Menschen starben. Bei allen Todesopfern in Italien handelt es sich demnach um ältere Menschen mit Vorerkrankungen.

Die Bilanz der Todesopfer der Coronavirus-Epidemie in Norditalien stieg am Mittwoch auf zwölf. Die Zahl der Infektionen stieg auf 400. Laut Zivilschutz Angelo Borrelli wurden 258 Fälle in der Lombardei gemeldet, wo der Infektionsherd lokalisiert wurden. 71 Fälle gab es in Venetien und 47 in der Emilia Romagna. In insgesamt neun italienischen Regionen, darunter auch Südtirol, gab es Infektionsfälle.

Die Staatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Lodi leitete nun eine Untersuchung zur Verbreitung des Virus in der Provinz ein. Carabinieri-Einheiten inspizierten die Krankenhäuser von Codogno, Casalpusterlengo und Lodi, in denen sich einige Personen angeblich infiziert haben sollen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Der italienische Premier Giuseppe Conte hatte am Dienstag einem lombardischen Krankenhaus vorgeworfen, sich nicht an die Vorschriften zur Vorbeugung einer Coronavirus-Epidemie gehalten zu haben. Conte beschuldigte das Spital von Codogno in der Provinz Lodi, in dem sich mehrere Menschen am Coronavirus angesteckt haben sollen.

In Frankreich gibt es inzwischen auch ein zweites Todesopfer: Ein 60-jähriger Franzose starb in der Nacht auf Mittwoch in Paris, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Bereits Mitte Februar war ein 80-jähriger Tourist aus China in einem Pariser Krankenhaus den Folgen der Viruserkrankung erlegen. Bei ihm handelte es sich um den ersten Todesfall in Europa.

Der nun gestorbene Mann sei “in einem äußerst schlechten Zustand” in die Pariser Klinik La Pitie-Salpetriere eingeliefert und positiv auf das Coronavirus getestet worden, sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums. Der 60-Jährige habe sich zuvor nicht in einem Risikogebiet aufgehalten. Bei dem Mann handelte es sich um einen Lehrer aus Nordfrankreich, wie die französischen Behörden am Mittwoch mitteilten. Auch ein mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierter 55-jähriger Franzose war nicht in einem Risikogebiet, sein Zustand sei schlecht. Beide waren zunächst nicht als Verdachtsfälle eingestuft worden. Damit gibt es in dem Land derzeit vier Coronavirus-Fälle. Elf zuvor Infizierte sind bereits wieder gesund.

Ein wegen des Virus unter Quarantäne gestelltes Hotel auf Teneriffa blieb weiterhin durch die Polizei abgeriegelt. Auch vier Österreicher sind unter den Gästen. Auslöser der Isolierung des Hotels am Dienstag im Südwesten der Insel war ein positiver Test auf den Covid-19-Erreger bei einem Touristen aus Norditalien. Neben seiner Frau wurden mittlerweile zwei weitere Italiener aus seiner Reisegruppe positiv getestet, wie die Gesundheitsbehörden der Kanarischen Inseln mitteilten. Sie werden im Krankenhaus behandelt.

Insgesamt sollen sich mehr als 1.000 Menschen in dem Hotel aufhalten. Unter den Urlaubern befinden sich auch vier Österreicher. Dem Paar aus Wien und zwei weiteren Österreichern geht es laut österreichischem Außenministerium gut. Neben den vier Österreichern könnten es noch einige wenige mehr werden.

In Deutschland wurden am Dienstagabend zwei neue Coronavirus-Erkrankungen publik. Erstmals sind auch Patienten in den Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nachweislich daran erkrankt. Der Betroffene in Nordrhein-Westfalen befindet sich in einem kritischen Zustand, wie das Landes-Gesundheitsministerium mitteilte.

Brasilien bestätigte zudem den ersten Fall einer Infektion in Lateinamerika. Das Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch mit, das Virus sei bei einem Bewohner der Metropole Sao Paulo festgestellt worden. Der 61-Jährige sei am 21. Februar von einer Reise in die italienische Region Lombardei zurückgekehrt, sagte Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta. Der Infizierte sei isoliert worden, es gehe ihm gut. Italien hat sich binnen kurzer Zeit zum größten Herd des neuartigen Virus in Europa entwickelt.

Die Zahl der gemeldeten Todesopfer stieg auch im Iran von 15 auf 19. Das gab der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Kianusch Dschahanpur, am Mittwoch bekannt. Laut Dschahanpur wurden binnen 24 Stunden weitere 135 Menschen – 40 mehr als tags zuvor – aus verschiedenen Teilen des Landes positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet.

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides rief am Mittwoch alle Mitgliedsländer auf, ihre Pandemiepläne mit Blick auf das neue Virus zu überarbeiten. Sie betonte am Mittwoch in Rom vor der Presse: “Die Europäischen Union ist noch in der Eindämmungsphase, es ist wichtig, das zu unterstreichen.” Es gehe also weiter um den Schutz vor einer ganz großen Ausweitung. Aber die Lage bei der neuen Lungenkrankheit könne sich schnell ändern. Dies sehe man auch an dem jüngsten Ausbruch in Italien.

Katars Herrscher Emir Sheikh Tamim bin Hamad al-Thani ordnete die Evakuierung von katarischen und kuwaitischen Bürgern aus dem Iran an. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur auf Twitter. Durch das Virus starben in der Islamischen Republik bisher 19 Menschen, 139 infizierten sich, teilte das Gesundheitsministerium in Teheran mit.

Von: APA/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Mehr neue Coronavirus-Fälle außerhalb als innerhalb Chinas"


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Marisa
Marisa
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Damit ist das Virus weltweit ausgebrochen. Es war aber zu erwarten weil die Leute ja rund um die Welt fliegen oder auch mit dem Auto überall hinfahren. Aber das ist in der heutigen Zeit einfach so, entweder sind Leute beruflich unterwegs oder machen irgendwo Urlaub. Meine Angst hält sich nach wie vor in Grenzen, es muß ja weitergehen und Panik bringt einem auch nicht weiter.

Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Panik nützt auch nichts.
Wie leicht der Virus aber übertragen ist und wie sehr die Lombardei infiziert ist, zeigen die ganzen Fälle im Ausland, wo der Ursprung immer die Lombardei ist.
Bei einem Fußballspiel sind ca. 50.000 im Stadion, dass da nur der arme Kroate infiziert wurde, widerspricht jeder Logik.

ma che
ma che
Superredner
1 Monat 7 Tage
@Eppendorf Klar ist der Ursörung im Ausland mittlerweile nur die Lombardei. Aber fragst du dich auch wieso? Weil ja nur die getestet werden, welche dort waren, oder mit denen Kontakt hatten. Hätte der 38 Jährige sogenannte Patient 1 keinen Kontakt zu nem Heimkehrer aus China gehabt (der übrigends negativ getestet wurde), würde heute noch keiner wissen, dass das Virus in der Lombardei kursiert. Die 12 Toten hätte nie jemand getestet, da es in diesem Alter sehr oft zu Lungenentzündungen mit Todesfolge kommt. Da ja der Patient 0 nicht gefunden wurde, lief schon mindestens 1 Person rum die nicht identifiziert wurde,… Weiterlesen »
Surfer
Surfer
Superredner
1 Monat 7 Tage

@ma che bin genau deiner Meinung aber viele welln lieber die Horror Paranoia Version kimp mir bold 4 😉 – 🤜🤛

Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

@ma che
Ich habe zwar nicht wirklich verstanden, was du mir sagen willst, aber du hast es wenigstens ausführlich versucht.

In der Lombardei sieht man, wie schnell der Virus übertragen wird und das Problem ist nun mal, dass schon geschwächte Personen eine extrem hohe Todesrate haben. Und deshalb sind diese durch jede Maßnahme, auch wenn sie rigoros ist, zu schützen.

Wer, wann, wenn testet, ist diesbezüglich nicht wirklich relevant. Der Virus ist da und seine Ausbreitung gilt es einzudämmen.

ma che
ma che
Superredner
1 Monat 7 Tage

@Eppendorf
Na dann musst du ganz Europa unter Quarantäne nehmen, denn Patient 0 kann überall sein, die Lombardei abzuriegeln ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die positive Person in Frankreich (nicht der Chinese), war nie in der Lombardei und hatte keine Kontakte von dort. Woher hatte er dann das Virus? 🤔
Ach ja, Patient 0 ist immer noch nicht identifiziert…
Ist aber mittlerweile egal, sogar Deutschland spricht jetzt offiziell von ner Pandemie. Deren Zahl der positiven steigt grad ziemlich schnell an

Krissy
Krissy
Superredner
1 Monat 7 Tage

Und wieviele Menschen sind in dieser Zeit an einer normalen Grippe, an Masern (war vor nicht allzulanger Zeit das “Risiko Nr. 1”) durch einen Verkehrsunfall, verursacht durch eine Schnapsdrossel/Haschbeutel, durch Folgen einer Essstörung (angeblich häufigste Todesursache bei unter 25jährigen gestorben, haben sich das Leben genommen, wurden ermordet, wieviele Kinder wurden aus nichtigen Gründen abgetrieben?

Faktenchecker
Faktenchecker
Superredner
1 Monat 7 Tage

Wie viele sind auf einer Bananenschale ausgerutscht?

m vergangenen Jahr sind laut Statistischem Bundesamt 43.312 Menschen durch achtlos weggeworfene Bananenschalen zu Tode gekommen – rund 4000 mehr als noch 2014. Damit bleibt die Banane hierzulande weiter das mit Abstand tödlichste Obst.

https://www.der-postillon.com/2016/03/Bananenschalen.html

Storch24
Storch24
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Carneval in Rio lässt grüßen, mit all seinen Menschenmassen

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

das war wohl logisch, oder glaubt ihr in einer stark globalisierten Welt ist man immun von das was auf der anderen Erdhälfte passiert??

Spiegel
Spiegel
Superredner
1 Monat 7 Tage

In Griechenland sind grosse Flüchtlingslager die sehr gefährdet sind. Ebenso in Brasilien in den Ghettos der grossen brasilianischen Städten.

knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

die bescht isch in onmarsch🙊

Parteikartl
Parteikartl
Tratscher
1 Monat 7 Tage

@ Marisa,

warum wohl?
Weil die Chinesen nur die halbe Wahrheit sagen, sehr vieles verschweigen um die Welt zu täuschen.
Würden sie bei der “Volksdichte” jeden Fall wie in Italien melden, kämen sie mit zählen nicht nach.
Ich würde sogar sagen Xi Xi müsste abdanken, der Kommunismus wäre tot!

Gescheide
Gescheide
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Wie viele erkranken an „normaler“ Grippe? Oder wie siehts mit den Menschen aus die Tag täglich an Hunger sterben?! Darüber regt sich niemand auf…

george
george
Superredner
1 Monat 7 Tage

entweder haben die Chinesen aufgehört zu zählen oder es ist ab jetzt sicherer NACH China zu reisen.!

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