Die Opiumproduktion in Afghanistan stieg erneut an

Mehr Opium aus Afghanistan – Opiat-Krise in Nordamerika

Dienstag, 26. Juni 2018 | 17:05 Uhr

Nie vorhandene, zerfallene oder zerfallende staatliche Strukturen in vielen Regionen der Erde und lokale Probleme, zum Beispiel das US-Gesundheitswesen, geben den Hintergrund für den aktuellen Welt-Drogen-Bericht des in Wien ansässigen UNO-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC) ab. Der Bericht warnt vor einer Opioid-Krise, Opium- und Kokainproduktion auf höchstem Niveau.

Am Dienstag wurde der Bericht wie jedes Jahr zum Internationalen Tag gegen den Drogenmissbrauch veröffentlicht. Dazu werden die von den Mitgliedsländern erhobenen Daten zusammengefasst. Bei allen Alarmrufen stellt das UNO-Büro aber auch fest, dass mit rund 275 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, die im Jahr 2016 zumindest einmal eine illegale Droge eingenommen haben, deren Zahl gleich geblieben ist.

Das akut dringendste Problem in den entwickelten Staaten betrifft vor allem die USA. “Fentanyl (hoch wirksames synthetisches Opioid-Analgetikum; Anm.) bleibt ein Problem in Nordamerika während Tramadol – ein Opioid, das zur Behandlung von moderaten bis schweren Schmerzen dient – für wachsende Bedenken in Afrika und Asien sorgt”, hieß es in einer Presseaussendung.

Insgesamt würde der nichtmedizinische Gebrauch von rezeptpflichtigen Opioiden zu einem zunehmenden Gesundheits- und Kriminalproblem werden. “Der Zugang zu Fentanyl und Tramadol für medizinische Zwecke ist für die Schmerzbehandlung von zentraler Bedeutung, aber Drogenhändler erzeugen sie illegal und vermarkten sie ….”, schrieb das UNODC. In den USA waren die Werbung der Pharmaindustrie und die “lockere” Verschreibung von Fentanyl & Co. der Ausgangspunkt für die Probleme.

2016 starben in den USA mehr als 42.000 Menschen an Opioiden – mehr als je zuvor. In mehr als 40 Prozent dieser Todesfälle hat es laut den Gesundheitsbehörden einen Zusammenhang mit einem verschreibungspflichtigen Opioid gegeben. Viele Abhängige in den USA sind über verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Oxycodon in die Opiatsucht gerutscht. Seit den 1990er-Jahren wurden die Medikamente in den USA sehr freizügig verschrieben.

Fentanyl und Fentanyl-Abkömmlinge werden aber auch von illegalen Drogenproduzenten weltweit hergestellt, weil sie hoch potent sind und geringste Mengen leichter transportiert und verkauft werden können. 2016 wurden gemäß dem UNO-Büro weltweit 87 Tonnen an Opioiden aus pharmazeutischer Produktion beschlagnahmt, was in etwa der Menge an beschlagnahmtem Heroin entsprach.

Der zweite Krisenpunkt ist laut dem UNODC – wieder einmal – das seit Jahrzehnten von Krieg und Terror heimgesuchte Afghanistan. “Von 2016 bis 2017 sprang die weltweite Opiumproduktin um 65 Prozent auf 10.500 Tonnen (…). Ein starker Anstieg der Schlafmohn-Kultivierung und bessere Ernten in Afghanistan ließen die Opiumproduktion dort vergangenes Jahr auf 9.000 Tonnen wachsen”, schrieb das UNODC.

Auch beim Kokain sei die bisher höchste Produktionsmenge erzielt worden. 2016 waren es geschätzte 1.410 Tonnen. Das meiste davon kommt weiterhin aus Kolumbien. Afrika und Asien steigen als Brennpunkte für den Handel und den Konsum in den Markt ein. Zwischen dem Jahr 2000 und 2015 stieg die Zahl der Drogentoten um 60 Prozent.

Was das in Wien in der UNO-City ansässige Büro aus seiner weltweiten Sicht beklagt, ist in Europa und Österreich deutlich anders gewichtet. “Betrachtet man die drei am häufigsten injizierten Drogen (Heroin, Kokain und Amphetamin; Anm.) zusammen, so ist bei den Erstklienten in Europa ein Rückgang des injizierenden Konsums als vorwiegender Art der Einnahme von 28 Prozent im Jahr 2006 auf 17 Prozent im Jahr 2016 festzustellen”, hieß es vor wenigen Wochen im aktuellen Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA/Lissabon).

Probleme mit Opioiden aus pharmazeutischer Produktion gibt es in Europa wenige, weil die Ärzte diese Medikamente restriktiver als in den USA verschrieben haben. Heroinabhängige sind in Europa mittlerweile zu rund 50 Prozent in oraler Substitutionstherapie auf Krankenkassenrezept oder in anderer Erstattungsform und benötigen damit keinen Schwarzmarkt mit Fentanyl etc.

Von: apa