Es gab verstärkt Beschwerden an die Gleichbehandlungsanwaltschaft

#MeToo – Zahl der Beschwerden in Österreich angestiegen

Dienstag, 02. Oktober 2018 | 11:15 Uhr

Seit Beginn der internationalen #MeToo-Debatte hat sich auch bei österreichischen Beratungsstellen einiges geändert: So gab es verstärkt Beschwerden an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. “Wir haben im vergangenen Jahr auf jeden Fall Veränderungen bemerkt”, sagte Gleichbehandlungsanwältin Sabine Wagner-Steinrigl, “und diese halten auch an.”

“Im ersten Halbjahr 2017 wurden der Gleichbehandlungsanwaltschaft 104 Fälle sexueller Belästigung in der Arbeitswelt gemeldet. Im ersten Halbjahr 2018 waren es 172, wobei die Daten für 2018 noch nicht endgültig sind”, erklärte Wagner-Steinrigl im Gespräch mit der APA. Auch bei den von ihr angebotenen Veranstaltungen verzeichnete die Gleichbehandlungsanwaltschaft eine deutlich stärkere Nachfrage. “Das betrifft vor allem Schulungen und Workshops. Im ersten Halbjahr 2017 hatten wir drei zu sexueller Belästigung, im ersten Halbjahr 2018 waren es 22 Veranstaltungen.” Die Firmen schicken etwa Führungskräfte, um sie zu schulen, wie sexueller Diskriminierung vorgebeugt werden kann.

Häufiger komme es mittlerweile vor, dass mehrere Personen aus einem Unternehmen gemeinsam eine Beschwerde vorbringen. “Dabei geht es dann mehr um die vorhandenen Strukturen innerhalb der Firma als bei Einzelpersonen”, sagte Wagner-Steinrigl. Als eine neue Gruppe seien die Zivildiener hinzugekommen, von denen es zuvor kaum Meldungen gegeben habe. “Mit dem Bereich Kunst und Kultur gibt es jetzt sogar eine ganz neue Branche, wo Beschwerden gemeldet werden. Da ist offenbar etwas aufgebrochen, denn früher gab es da praktisch nichts”, schilderte die Anwältin.

Außerdem würden Unternehmen nun vermehrt eigene Stellen zum Umgang mit sexueller Belästigung einrichten und möchten diesbezügliche Beratung, sagte Wagner-Steinrigl. Dazu gehöre etwa die Akademie des Österreichischen Films. “Wir bieten hier beispielsweise Workshops zu rechtlichen Grundlagen an.”

Im Parlament nahm im September eine Anlaufstelle für Frauen und Männer bei sexueller Belästigung und Machtmissbrauch ihre Arbeit auf, die Betroffenen “mit Rat und Hilfe zur Seite stehen” und gegebenenfalls an andere Stellen wie etwa die Gleichbehandlungsanwaltschaft verweisen soll. Die Clearingstelle will auch Bewusstsein schaffen und Aufklärung zu den Themen betreiben, hieß es vonseiten des Parlaments. Ihre bis September provisorische Leiterin wurde gleichzeitig durch zwei andere Psychotherapeuten ersetzt. Diese war zuvor kritisiert worden, weil sie bei einer TV-Diskussion gemeint hatte, Frauen sollten sich bei sexueller Belästigung “elegant” wehren.

Bei der Arbeiterkammer (AK) habe es im vergangenen Jahr keine steigende Zahl an Beratungen oder Anfragen zu Sexismus am Arbeitsplatz gegeben, teilte Sprecherin Miriam Koch auf Anfrage mit. Es gebe allerdings noch keine konkreten Zahlen, hielt sie fest. Sehr wohl sei aber auffällig, dass “mehr darüber gesprochen wird”, meinte Bianca Schrittwieser vom Bereich Frauen und Familie in der AK. “Das ist extrem wichtig, denn mit dem Reden darüber findet eine Sensibilisierungsarbeit statt. Die Thematisierung am Arbeitsplatz stärkt die Menschen durch Vernetzung und Austausch. Die Unternehmen müssen Signale setzen, dass das nicht geht und für ein respektvolles Arbeitsumfeld sorgen.” Die Debatte müsse außerdem genutzt werden, um damit weiterzuarbeiten.

Von: apa