Zahlreiche Küstengebiete wurden evakuiert

Millionen US-Bürger flohen vor Hurrikan “Matthew”

Donnerstag, 06. Oktober 2016 | 22:11 Uhr

Nach einer Spur der Zerstörung durch die Karibik mit mindestens 140 Toten haben sich Millionen Menschen im Südosten der USA vor dem Hurrikan “Matthew” in Sicherheit gebracht. In Florida, North und South Carolina sowie in Georgia wurden umfangreiche Evakuierungen angeordnet und der Notstand ausgerufen. Insgesamt sind zwölf Millionen Menschen von der Sturmwarnung betroffen.

In Florida wurde der Hurrikan am Donnerstagabend (Ortszeit) erwartet. Mit Windgeschwindigkeiten von rund 220 Kilometern pro Stunde fegte der stärkste Wirbelsturm seit fast einem Jahrzehnt zunächst über Haiti und Kuba hinweg und erreichte dann die Bahamas. Mehr als 130 Menschen kamen allein in Haiti ums Leben, wo der Wirbelsturm auch besonders große Schäden hinterließ. Sintflutartige Regenfälle und Windböen zerstörten Gebäude, Straßen und Anbauflächen. Da viele der am stärksten betroffenen Gebiete nicht mehr erreichbar waren, ist das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht abschätzbar.

In dem völlig verarmten Karibikstaat leben sechs Jahre nach dem verheerenden Erdbeben mit mehr als 200.000 Toten immer noch Zehntausende in Zelten und Notunterkünften. 300 US-Marinesoldaten machten sich auf den Weg, um vor Ort Hilfe zu leisten.

Im Osten Kubas zerstörte “Matthew” die historische Stadt Baracoa mit ihren schönen Häusern aus der Kolonialzeit. Zuvor waren in dem Inselstaat 1,3 Millionen Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

In South Carolina rief Gouverneurin Nikki Haley die Bevölkerung dazu auf, sich von den Küsten mindestens 160 Kilometer weit ins Inland zu begeben. Die Behörden erwarteten, dass der Hurrikan auf seinem weiteren Weg in Richtung USA weiter an Kraft gewinnt und stuften “Matthew” um eine Stufe hoch in die vierte von insgesamt fünf möglichen Kategorien.

In Florida, Georgia sowie North und South Carolina verstopften die Flüchtenden die Straßen von den Küsten ins Inland. “Jeder in unserem Bundesstaat muss sich jetzt auf einen direkten Einschlag gefasst machen”, sagte Floridas Gouverneur Rick Scott. Wenn “Matthew” Florida voll treffe, könnten die Zerstörungen katastrophal sein. Er forderte die Bewohner der Küstengebiete dringend auf, sich in Sicherheit zu bringen. “Geht nicht surfen, geht nicht an den Strand. Ihr werdet sterben”, sagte Scott.

Die vier Staaten, die “Matthew” voraussichtlich treffen wird, riefen den Notstand aus. Dies ermöglicht zum Beispiel den Einsatz der Nationalgarde. Für Florida ordnete US-Präsident Barack Obama an, dass dort das Washingtoner Heimatschutzministerium die Organisation der Hilfseinsätze koordinieret. Auch er rief die Bürger auf, sich an sichere Orte zu begeben; überall wurden Schutzräume geöffnet. Schulen und Flughäfen in der Region wurden geschlossen, zudem wurden nach Berichten lokaler Medien einige Krankenhäuser evakuiert. Vergnügungsparks in Orlando wie Disney World, Universal Studios und SeaWorld stellten ihren Betrieb bis einschließlich Freitag ein.

Hunderte Flüge nach und aus Miami, Fort Lauderdale und Orlando wurden gestrichen. An etlichen Tankstellen ging das Benzin aus. Wer den Sturm zu Hause aussitzen wollte, versorgte sich mit Proviant und vernagelte seine Fenster. Eine Bewohnerin in West Palm Beach in Florida twitterte zum Beispiel: “Alles ist bereit, um nun in Deckung zu gehen. Möge Gott uns beistehen.”

Das nationale Hurrikan-Zentrum erklärte, es sei noch zu früh um vorherzusagen, wo in den USA “Matthew” wohl den größten Schaden anrichten werde. Der Sturm ist der stärkste seit 2007, als “Felix” Zentralamerika getroffen hatte.

In der Karibik braute sich unterdessen ein weiterer Hurrikan zusammen. Der Tropensturm “Nicole”, der sich östlich von “Matthew” in der Nähe der Bermudas befand, habe inzwischen die Stärke eines Hurrikans erreicht, teilte das US-Warnzentrum mit.

“Nicole” habe Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern und könne innerhalb der kommenden 24 Stunden noch etwas an Stärke zunehmen. “Nicole” ist den Angaben des Hurrikanzentrums zufolge aber deutlich schwächer als “Matthew”.

Von: APA/ag.