Viele Todesopfer sind zu beklagen

Mindestens 13 Todesopfer bei Anschlag in Barcelona

Donnerstag, 17. August 2017 | 23:46 Uhr
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Terror in Barcelona: Auf dem Prachtboulevard La Rambla im Zentrum der spanischen Metropole ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast – mindestens 13 Menschen wurden nach Behördenangaben getötet und über 100 weitere verletzt. Der Täter war am späten Donnerstagabend noch auf der Flucht. Zu der Tat bekannte sich die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS). Es gab zwei Festnahmen.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Verhafteten aber nicht um den Fahrer des Wagens. Festgenommen worden seien ein Marokkaner und ein Mann aus der spanischen Exklave Melilla. Einer der beiden Männer wurde als Driss Oukabir identifiziert, wie ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte. Nach Medienberichten soll der gebürtige Marokkaner 28 Jahre alt sein und legal in Spanien leben.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich unterdessen bei einer Polizeikontrolle in Barcelona: “Im Zuge der Abriegelung der Stadt Barcelona ist ein Auto gewaltsam durch eine Polizeikontrolle gefahren und hat zwei Beamte umgefahren”, sagte eine Polizeisprecherin. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Es seien Schüsse abgefeuert worden, um das Auto zu stoppen. Das Fahrzeug wurde laut Polizei später in Sant Just Desvern nahe Barcelona gestoppt, der Fahrer wurde erschossen. Es war unklar, ob diese Attacke etwas mit dem Anschlag auf der La Rambla zu tun hatte.

Die Polizei sprach nach der Tat auf der La Rambla von einem “massiven Zusammenstoß”, der absichtlich durch den Fahrer des Lieferwagens herbeigeführt worden sei. Zu den mindestens 13 Toten zählte nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders auch eine Belgierin. Das katalanische Innenministerium befürchtet allerdings weitere Todesopfer. Es war zunächst unklar, welcher Nationalität die anderen Toten waren bzw. ob sich auch Österreicher darunter befanden. Der deutsche Sender ZDF meldete am Abend unter Berufung auf Sicherheitskreise drei getötete Deutsche. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

“Die Demokratie wird den Terrorismus und die Barbarei überall dort besiegen, wo diese stattfinden”, sagte der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont. “Katalonien ist immer ein Land des Friedens und der Aufnahme gewesen, und wir werden uns nicht kleinkriegen lassen”, ergänzte er.

Fotos aus Barcelona zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo auf die Promenade im Zentrum der Stadt gefahren. Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, “um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen”. Berichten zufolge liefen Menschen panisch über die Straßen. Viele Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen wie Geschäften in Sicherheit gebracht, berichteten Augenzeugen. Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf der Flaniermeile hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung “El Periodico de Catalunya” berichtete. Ob es sich bei einem der von der Polizei festgenommenen Männern um den Fahrer des Lieferwagens gehandelt habe, blieb zunächst offen.

La Rambla zählt zu den geschäftigsten Straßen in der katalanischen Metropole. In der Regel wird der Boulevard mit seinen vielen Geschäften und Restaurants bis spät in die Nacht von Touristen besucht, viele Straßenkünstler treten dort auf.

Spanien wurde in den vergangenen Jahren von islamistischer Gewalt eher verschont, wie sie jüngst in anderen europäischen Ländern verübt wurde. Allerdings gab es 2004 in Madrid den europaweit bisher tödlichsten Terroranschlag. Im März 2004 wurden 191 Menschen getötet, als dort in Pendlerzügen Bomben explodierten. Zu der Tat bekannten sich damals Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Spanien ist das drittgrößte Touristenziel weltweit. Die spanischen Behörden halten sich hinsichtlich der Bedrohung durch den Terrorismus weitgehend bedeckt. Die Terrorwarnstufe wurde 2015 allerdings auf Stufe vier von fünf erhöht. Überdies geben die Behörden regelmäßig Festnahmen mutmaßlicher Jihadisten bekannt.

Von: APA/ag.