Vorwürfe in Filmindustrie sollen geklärt werden

Missbrauchs-Sonderermittler in Hollywood eingesetzt

Freitag, 10. November 2017 | 21:16 Uhr

Angesichts der Lawine an Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen in der US-Filmindustrie hat die Staatsanwaltschaft von Los Angeles ein Sonder-Ermittlungsteam eingesetzt. Die Einheit aus speziell ausgebildeten Staatsanwälten solle die Vorwürfe untersuchen, sagte Bezirksstaatsanwältin Jackie Lacey.

Es handle sich um Ermittler, die viel Erfahrung in Fällen von Sexualvergehen hätten. Auch gegen Schauspieler Steven Seagal und Komiker Louis C.K. wurden Vorwürfe laut. Seit Bekanntwerden des Falls Weinstein Anfang Oktober wurden Missbrauchsvorwürfe gegen zahlreiche weitere Mitarbeiter der US-Filmindustrie bekannt, darunter Oscar-Preisträger Kevin Spacey, Produzent Brett Ratner und Regisseur James Toback.

US-Actionfilmstar Seagal und der Comedian Louis C.K. sind die jüngsten Fälle in der Reihe schwerer Missbrauchsvorwürfe. Die Schauspielerin Portia de Rossi beschuldigt Seagal, sie während eines Vorsprechens für einen Film belästigt zu haben. Der 65-Jährige reagierte zunächst nicht auf den Vorwurf. De Rossi schrieb am Mittwoch auf Twitter, Seagal habe ihr während des Vorsprechens gesagt, dass ihm die persönliche Chemie mit seinen Kollegen jenseits der Leinwand wichtig sei. Dann habe er vor ihr den Reißverschluss seiner Hose heruntergezogen.

Sie sei daraufhin aus dem Raum gerannt und habe ihre Agentin angerufen, berichtete die aus Australien stammende Schauspielerin. Diese habe ungerührt reagiert und gesagt: “Nun, ich wusste nicht, ob er Dein Typ ist.” De Rossi spielte unter anderem in der international erfolgreichen US-Fernsehserie “Ally McBeal”. Die 44-Jährige ist mit der populären US-Talkmasterin Ellen DeGeneres verheiratet. DeGeneres erklärte auf Twitter, sie sei “stolz” auf ihre Frau dafür, dass sie sich mit ihrem Belästigungsvorwurf nun an die Öffentlichkeit gewandt habe.

Vorwürfe gegen Seagal wurden bereits 1998 laut, als die Schauspielerin Jenny McCarthy dem Actionstar einen sexuellen Übergriff vorhielt. Am Donnerstag erinnerte sie erneut an den Vorfall von 1995, als sie bei einem Vorsprechen für den Streifen “Alarmstufe Rot 2” von Seagal aufgefordert worden sei, ihr Kleid auszuziehen. Auf ihren Einwand hin, im Drehbuch stehe nichts von Nacktszenen, habe Seagal geantwortet: “Es gibt Nacktheit abseits der Kamera.” Daraufhin sei sie zu ihrem Auto gelaufen, Seagal habe sie verfolgt und gewarnt, niemandem von dem Vorfall zu erzählen.

Die “New York Times” berichtete unterdessen, Louis C.K. werde von fünf Frauen sexueller Übergriffe beschuldigt. Der Komiker und Regisseur habe bei den Vorfällen im Zeitraum von Ende der 90er-Jahre bis 2005 vor den Frauen masturbiert oder diese dazu aufgefordert. “Diese Geschichten stimmen”, teilte der US-Komiker am Freitag per Mitteilung mit. Es tue ihm leid, sagte der 50-Jährige. “Es gibt nichts daran, für das ich mir vergebe.”

Der Streamingdienst Netflix sagte daraufhin ein geplantes Comedy-Special mit dem Komiker ab. Die Vorwürfe seien “verstörend”, teilte der Streamingdienst mit. Auch die bevorstehende Veröffentlichung seines Filmes “I Love You, Daddy” wurde abgesagt. In dem Comedy-Drama mit den Darstellern Chloe Grace Moretz und John Malkovich spielt Louis C.K. eine Hauptrolle und führt auch Regie.

Indes entschuldigten sich nach Berichten über die Zusammenarbeit einer israelischen Sicherheitsfirma mit Weinstein die Privatermittler. “Als wir den Job angenommen haben, hatten wir keine Ahnung, dass es darum ging”, sagte Ascher Tischler, Vorstandsmitglied der Firma Black Cube in Tel Aviv, einem israelischen Fernsehsender.

“Wir entschuldigen uns bei allen, die dabei verletzt wurden.” Eine Mitarbeiterin von Black Cube soll sich unter falschem Namen mit der Schauspielerin Rose McGowan getroffen haben. Die Privatermittlerin habe sich als Frauenrechtlerin ausgegeben und mindestens vier Treffen mit McGowan verdeckt mitgeschnitten, hieß es in einem Bericht der Wochenzeitung “The New Yorker”. McGowan, die unter anderem in “Death Proof – Todsicher” mitgespielt hat, wirft Weinstein vor, sie vergewaltigt zu haben.

Black Cube werde die umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro Honorar von Weinstein an Frauenrechtsorganisationen spenden, sagte Tischler in dem Interview am Donnerstagabend. Weinstein hatte die Kontaktdaten von Black Cube vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak erhalten. Weinstein sei auf Barak zugekommen, weil er von einer israelischen Sicherheitsfirma gehört habe, die ihm bei “Geschäftsangelegenheiten” helfen könne, teilte eine Sprecherin des Ex-Regierungschefs mit.

Von: APA/ag.

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