Eltern sollen Kind über das Internet dem Angeklagten angeboten haben

Missbrauchsfall in Freiburg – Beginn des ersten Prozesses

Donnerstag, 12. April 2018 | 15:56 Uhr

Im Fall eines jahrelang missbrauchten Buben aus dem Raum Freiburg im Breisgau hat sich erstmals ein Beschuldigter vor Gericht verantworten müssen. Vor der Jugendkammer des Landgerichts Freiburg begann am Donnerstag der Prozess gegen einen 41-jährigen, einschlägig vorbestraften Mann, dem die Mutter des Neunjährigen und ihr Lebensgefährte den Buben überlassen haben sollen.

Dem 41-jährigen Deutschen werden unter anderem schwere Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern sowie der Besitz von kinderpornografischem Material zur Last gelegt. Der Angeklagte habe über die Mutter des Buben und deren Lebensgefährten Kontakt zu dem Kind bekommen.

Das Paar soll das Kind im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen haben. Vor Gericht war der groß gewachsene Mann im Pulli erschienen. Sein Gesicht verdeckte er zum Prozessauftakt hinter einem großen Briefumschlag.

Der Mann habe sich in mindestens zwei Fällen an dem heute neun Jahre alten Buben aus dem südbadischen Staufen vergangen, sagte Staatsanwältin Nikola Novak am Donnerstag vor dem Landgericht. Sie wolle den Mann für Jahre weggesperrt sehen und eine Sicherungsverwahrung erreichen.

Für den Prozess wurden nur noch zwei weitere Verhandlungstage am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche angesetzt. Ein Urteil könnte kommende Woche fallen.

Die erste Tat soll im Juli 2017 auf einem Feldweg bei Staufen verübt worden sein, der Beschuldigte hätte zwischen 20 und 50 Euro gezahlt. Die zweite Tat habe sich im September 2017 in der Wohnung abgespielt, in der das Kind mit Mutter und Stiefvater lebte. Der Bub sei, so die Anklägerin, mit Handschellen und Fußfesseln an einen Sessel gebunden und vergewaltigt worden. Während der Tat habe sich die Mutter in Hörweite im Nebenraum befunden, der Stiefvater habe sich an dem Verbrechen beteiligt.

Nebenklagevertreterin Katja Ravat, die den Buben vor Gericht vertritt, bezeichnete den Prozess als “Teil des Verarbeitungsprozesses” für das Kind. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut. Ravat kündigte an, dass der Bub voraussichtlich nicht aussagen werde. Vormund und Ergänzungspflegerin hätten entschieden, dass er Nebenkläger wird.

“Es geht um den Schutz des Jungen, dass er einen halbwegs unbehelligten kindlichen Alltag leben kann”, sagte Ravat: “Es geht aber auch um Verarbeitung.” Es sei ein Statement des Buben, “dass ihm für die Taten, die allesamt gegen seinen Willen verübt wurden, an einer hohen Haftstrafe gelegen wäre”. Eine Therapie solle zudem helfen, dass er mit den Verbrechen abschließen könne.

Der 41-Jährige war bereits 2010 in Freiburg zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er nach Überzeugung des Gerichts 2009 ein zehnjähriges Mädchen in ein Maisfeld gelockt und sich an ihm vergangen hatte. Im Gefängnis lernte er laut Staatsanwältin Novak den ebenfalls wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraften späteren Stiefvater des Buben kennen. Wieder in Freiheit nahm er Kontakt auf. “Der Angeklagte fragte, ob er etwas im Angebot hätte”, zitierte Novak die Nachricht. Über Facebook habe er “Interesse an Fesselungen und Vergewaltigungen geäußert” und dafür zehn bis 20 Euro angeboten.

Mitte Jänner hatten Ermittler in Baden-Württemberg die Zerschlagung eines Pädophilenrings bekanntgegeben. Unter den Verdächtigen befanden sich auch die Mutter des Buben und ihr einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte, die das Kind selbst missbraucht und es außerdem für Missbrauchstaten anderen überlassen haben sollen. Der Prozess gegen die 47-Jährige und ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten soll am 11. Juni beginnen.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "Missbrauchsfall in Freiburg – Beginn des ersten Prozesses"


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i kenn mi nimmar aus
i kenn mi nimmar aus
Grünschnabel
8 Tage 6 h

In😨Vergewaltiger schützen???? Der soll sich vor dr gonzn Öffentlichkeit vrontwortn. Lei is Video net offn zogn um in Buebn zi schützn isch guet. Obr die Vrgewoltigar dei grausign hom ihmene Rechte in dem Moment vrspielt wo sie af den Hondl ingongin sein. Und des wod sie und die Eltrn für Strof vrdien, sell konn i net amoll schreibn….

Mitgequatscht
Mitgequatscht
Tratscher
7 Tage 18 h

Keine strafe die ein gericht hierfür verhängen kann ist angemessen. In so einem fall versteht nur ein mensch was gerechtigkeit bedeuten würde, kein richter

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