Protokolle deuten auf Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit hin

Missglückte Herztransplantation: “Wir waren schockiert”

Sonntag, 01. März 2026 | 18:05 Uhr

Von: luk

Bozen – Nach der missglückten Herztransplantation am Krankenhaus Monaldi in Neapel kommen durch Zeugenaussagen immer mehr schwere Vorwürfe ans Licht.

Laut den von den NAS Carabinieri in Trient gesammelten Protokollen soll es bei der Entnahme des Organs am 23. Dezember im Krankenhaus Bozen zu organisatorischen Mängeln, Sprachproblemen und folgenschweren Fehlern gekommen sein. Aber auch gravierende Nachlässigkeit und oberflächliche Vorbereitung und Arbeit vonseiten der süditalienischen Ärzte sollen festgestellt worden sein.

Das Spenderherz war von einem Team des Krankenhauses Monaldi aus Neapel entnommen worden. Die Chirurgen waren dazu, wie in solchen Fällen üblich, zum Entnahmeort – in diesem Fall Bozen – angereist. Dabei ist es nach bisherigem Erkenntnisstand zu einer Reihe von Fehlern und Nachlässigkeiten gekommen. So wurde ungeeignetes Trockeneis zur Kühlung verwendet, wodurch das für den zweijährigen Domenico bestimmte Organ irreparabel geschädigt wurde. Das Kind starb in der Folge.

Unterschiedliche Ausstattung der Teams

Zeitgleich mit den süditalienischen Ärzten war ein Team aus Innsbruck in Bozen im Einsatz, um Leber und Nieren zu entnehmen. Laut Aussagen der österreichischen Ärzte waren sie mit modernen Transportboxen ausgestattet und verfügten über ausreichend geeignetes Eis für den Organtransport. “Wir hatten reichlich Eis zur Verfügung, aber niemand hat uns danach gefragt”, heißt es in den Protokollen.

Das Team aus Neapel soll hingegen lediglich eine einfache Picknick-Kühlbox ohne Thermostat verwendet haben. Schließlich wurde Trockeneis mit einer Temperatur von minus 78 Grad verwendet – laut Zeugenaussagen mit dem Segen der verantwortlichen Ärztin aus Neapel. Auf dem Ausgabe-Behälter sei deutlich “Trockeneis” sowie der Hinweis auf mögliche Kälteschäden vermerkt gewesen. Dennoch soll die Ärztin dem Bozner Sanitätsmitarbeiter gesagt haben, er solle es ausgeben, das stelle kein Problem dar.

Spannungen im Operationssaal

Auch während der Organentnahme soll es zu Problemen gekommen sein. Laut Aussagen der Innsbrucker Ärzte sei der Entlastungsschnitt an der unteren Hohlvene zunächst zu klein gewesen, was zu einer Schwellung der Leber geführt habe. “Wir waren schockiert.” Mehrfach habe man die zuständige Herzchirurgin aus Neapel aufgefordert, den Schnitt zu erweitern – schließlich habe das österreichische Team selbst eingegriffen, um die Organe zu retten.

Zudem berichten Beteiligte von erheblichen Verständigungsproblemen zwischen den Teams. Die leitende Chirurgin aus Neapel habe kaum Englisch gesprochen, während der österreichische Kollege kein Italienisch beherrschte. Die Kommunikation sei teilweise über einen zweiten Chirurgen aus Neapel gelaufen, der Englisch verstand und übersetzte.

Mögliche Läsion am linken Ventrikel

Aus den Protokollen geht laut der Zeitung Alto Adige eine Anomalie hervor: Eine Ärztin des Krankenhauses Bozen berichtete, ein österreichischer Kollege habe angedeutet, am linken Ventrikel des Herzens einen Schnitt bemerkt zu haben. Der betreffende Arzt bestreitet jedoch, eine solche Beobachtung geäußert zu haben.

Der Widerspruch sorgt für zusätzliche Fragen – auch deshalb, weil die Bozner Ärztin deutscher Muttersprache ist und Missverständnisse aufgrund sprachlicher Barrieren in diesem Fall als weniger wahrscheinlich gelten. Zudem sollen andere Teile des Gesprächs über Schwierigkeiten bei der Durchblutung detailliert bestätigt worden sein. Ob es tatsächlich eine Verletzung am Herzen gab, ist derzeit offen.

Wusste man in Neapel von Problemen?

Die Staatsanwaltschaft in Neapel prüft unterdessen die Mobiltelefone der sieben beschuldigten Mediziner. Dabei soll geklärt werden, ob die beiden Chirurgen, die in Bozen die Entnahme des Herzens durchführten, ihre Klinik – das Monaldi-Krankenhaus – über Schwierigkeiten während des Eingriffs informierten oder ob mögliche Komplikationen intern nicht weitergegeben wurden.

Ärztin wollte eher mit Ambulanz fahren statt fliegen

Auch der geplante Rücktransport des Herzens sorgt für Fragezeichen. Nach Angaben aus Bozen habe die verantwortliche Herzchirurgin aus Neapel zunächst vorgeschlagen, das Organ per Krankenwagen zum Flughafen Verona zu bringen. Die Bozner Ärzte hätten jedoch aufgrund ihrer Erfahrung auf die Dringlichkeit hingewiesen: Die Zeitspanne bis zur Transplantation müsse möglichst kurz gehalten werden.

Da die Fahrt nach Verona – dort wartete ein Flugzeug – mindestens zwei Stunden gedauert hätte, sei in Bozen ein Hubschrauber zur Verfügung gestellt worden.

Beobachtern zufolge wirkte die Ärztin aus Neapel angespannt. Zudem soll sie während der Anreise gegenüber dem Rettungsteam geäußert haben, dass derartige Eingriffe seit vielen Jahren nicht mehr durchgeführt worden seien.

Ermittlungen laufen

Die Ermittlungen zu den Abläufen und möglichen Verantwortlichkeiten dauern an.

Bezirk: Bozen

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