Prozess findet im Landesgericht Klagenfurt statt

Mordprozess: Gewaltbeziehung im Suchtgiftmilieu

Montag, 05. September 2016 | 18:31 Uhr

Am Landesgericht Klagenfurt hat am Montag ein Mordprozess gegen einen 33-jährigen Kärntner begonnen. Laut Anklage hat er vor einem Jahr seine Freundin in der Badewanne ertränkt. Er stritt dies ab und bekannte sich zu einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Er habe die durch Drogen weggetretene Frau lediglich abgebraust, um ihr zu helfen, und habe sie dann auf der Couch allein gelassen.

In der gut ein halbes Jahr dauernden Beziehung spielten Alkohol- und Drogenmissbrauch eine wesentliche Rolle. “Er hat sie von Anfang an bedroht, misshandelt und zu sexuellen Handlungen gezwungen”, sagte Staatsanwältin Daniela Zupanc. Der Angeklagte meinte, er habe sie nur ein Mal geschlagen, wohl aber habe ein rauer Umgangston in der Beziehung geherrscht.

Am Tag des Todes der Frau Anfang September 2015 waren der Angeklagte und ein Bekannter der Frau in ihrer Wohnung. Sie fanden sie in schlechtem Zustand vor, das sagten beide aus. Der 31-jährige Bekannte sagte, er wollte die Rettung rufen, der 33-Jährige hätte das aber nicht für nötig erachtet. Der Angeklagte meinte, es sei ihm nicht in den Sinn gekommen, die Rettung zu rufen. Gemeinsam schafften sie die Frau in die Badewanne, zogen sie aus und duschten sie ab.

Der Bekannte verlies dann jedoch die Wohnung. Der 31-Jährige war lange ebenfalls ein Verdächtiger in dem Fall. Er saß mehr als ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, er muss ich nun aber nur wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.

Laut Anklage packte dann der angeklagte 33-Jährige die Frau erneut, schleppte sie in die Wanne und ertränkte sie. Ein mögliches Motiv sei Eifersucht, sagte die Staatsanwältin. Er habe gerade erst erfahren, dass sie Sex mit einem anderen Mann gehabt hätte, außerdem hatte sie ihn verlassen wollen. Als weiteres Motiv komme eine anstehende Befragung der Polizei infrage, so Zupanc. Die Frau war einen Monat zuvor Opfer einer Vergewaltigung geworden, bei der Befragung wollte sie angeblich eine Mitschuld ihres Freundes zur Sprache bringen.

Der Angeklagte sagte, sie habe noch gelebt, als er die Wohnung verließ. Er sei dann Bier kaufen gegangen und habe die Nacht mit zwei anderen Frauen in verschiedenen Lokalen verbracht. Denen und auch dem 31-jährigen Bekannten, den er deswegen extra anrief, erzählte er noch am Abend, dass er versucht hätte, zurück in die Wohnung des Opfers zu gelangen, dass die Tür aber versperrt gewesen sei. Warum er dies erzählt habe, obwohl es laut seiner Aussage nicht so gewesen sei, konnte er nicht erklären. Die Staatsanwältin sieht darin einen Versuch, sich ein falsches Alibi zu verschaffen.

Verteidiger Philipp Tschernitz verwies auf zahlreiche offene Fragen und erklärte: “Einen geplanten Mord oder ein Inkaufnehmen, dass hier ein Mord passiert – das hat es nicht gegeben.” Richter Manfred Herrnhofer verdeutlichte dem Angeklagten, dass man einen Mord auch durch Unterlassung begehen könne.

Die Fortsetzung der Verhandlung war für den (morgigen) Dienstag vorgesehen. Dann sollten auch die Gutachter zu Wort kommen.

Von: apa

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