Die Frau überlebte nur dank Notoperation

Mordversuchs-Prozess: Angeklagter bekannte sich teilschuldig

Freitag, 21. September 2018 | 16:28 Uhr

Ein 36-Jähriger, der seine Frau nach jahrelanger Gewaltausübung und erzwungenem Sex mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben soll, hat sich am Freitag u.a. wegen Mordversuchs und vierfacher Vergewaltigung vor dem Landesgericht Linz als “teilschuldig” bekannt. Die Vergewaltigungen und Drohungen gab er ebenso wenig zu wie, dass er versucht habe, in die Wohnung des Opfers einzudringen.

Dass er die Frau mit einer Schreckschusspistole sowie einem Messer attackiert habe, gestand er zwar ein, stellte sich aber selbst als Opfer seiner Gattin hin, gegen die er schwere Vorwürfe erhob. Die vorsitzende Richterin Margit Kreuzer ging mit dem Mann zu Beginn seiner Einvernahme einige seiner früheren Verurteilungen durch. So soll er u.a. eine Ex-Freundin mit einem Gürtel geschlagen, eine andere Ex-Partnerin sowie einen Türsteher bedroht haben. Der Angeklagte leugnete aber all das, es habe sich um lauter “Fehlurteile” gehandelt, zudem habe er sich in den vergangenen Jahren geändert.

Am Tattag habe er mit seiner Frau vor Zeugen über die anstehende Scheidung reden wollen, behauptete der Angeklagte, der nach eigenen Angaben rund 300 bis 400 Euro täglich für Kokain ausgegeben habe. “Ich wollte sie dazu bringen, dass sie aufhört mit den Bedrohungen. Sie hat mich jahrelang psychisch misshandelt”, erhob er schwere Vorwürfe gegen seine Noch-Ehefrau. Diese habe ihn fälschlicherweise allerlei Straftaten bezichtigt, ihn betrogen, Drogen genommen und die Tochter geschlagen – deren Vaterschaft er übrigens anzweifelt. Kreuzer wiederum zweifelte die Erklärung des Angeklagten, er habe über die Scheidung reden wollen, an: Denn kurz zuvor habe er im Scheidungsverfahren gesagt, er sei noch nicht bereit dazu.

Dann beschrieb die Richterin die Verletzungen des Opfers: Laut Gutachten hatte die Frau potenziell lebensgefährliche Stichverletzungen am Hals, im Brustbereich und im Bauch. “In der Brust dürfte sie überhaupt keinen Stich haben”, meinte der Angeklagte, höchstens Kratzer. “Im Gutachten steht drinnen, dass die Stiche keine Kratzer waren”, sagte Kreuzer, “hat ihr die jemand anderer zugefügt?”. Es werde wohl an den Geschworenen liegen, die Diskrepanz zwischen seiner Behauptung und der Ansicht des medizinischen Gutachters zu werten, so die Richterin.

Das verwendete Messer habe er nicht mit Absicht mitgenommen, das sei “ein Arbeitsmesser” gewesen, das er zufällig in der Jacke gehabt habe. Was die verwendete Schreckschusspistole angeht, die er wegen eines Waffenverbotes gar nicht hätte haben dürfen, so habe die Frau gewusst, dass es sich um keine echte Waffe handelt, meinte der Angeklagte. Das hatte die Frau auch selbst bei der Polizei ausgesagt. Sie habe von der Tochter gewusst, dass ihr Mann eine Pistole mit grüner Munition besitze und recherchiert, dass es sich dabei um eine Schreckschusswaffe handeln müsse. Detail am Rande: Bei einer Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten wurde Munition dafür im Kindersitz versteckt gefunden.

Anklagevertreter Alfred Schaumüller hatte zu Beginn die Beziehung des Paares geschildert: Diese sei geprägt gewesen von Problemen durch seinen Drogenkonsum und die unterschiedliche Konfession – der staatenlose gebürtige Kosovare ist Muslim, sie Christin. Die Folgen laut Anklage: Jahrelange verbale und körperliche Gewalt und zuletzt vier Vergewaltigungen. Binnen drei Jahren kassierte der Angeklagte sechs Betretungsverbote sowie mehrere Aufenthaltsverbote, die er aber allesamt ignoriert habe. Die Frau habe den bereits achtmal – auch wegen Körperverletzung an ihr – verurteilten Mann vor der Polizei und vor Gericht lange Zeit immer wieder geschützt, um nicht noch stärker seinen Zorn auf sich zu ziehen und wohl auch aus Angst um die beiden gemeinsamen Kinder. Zwischenzeitlich lebte sie mit diesen im Frauenhaus. Zuletzt hatte der Angeklagte eine eigene Wohnung in Enns, soll sich aber regelmäßig Zutritt zu der seiner Frau verschafft haben.

Zwischen Ende 2016 und Ende 2017 soll er die Frau viermal mit Gewalt zum Sex gezwungen haben. Um sie gefügig zu machen, habe er sie geschlagen, mit einem Messer bedroht bzw. ihr das Kabel eines Bügeleisens um den Hals gelegt, bis die kleine Tochter dazwischen ging.

Am 7. Dezember 2017 eskalierte die Situation: Der Mann tauchte plötzlich am Arbeitsplatz der 34-jährigen Kroatin auf. Dort soll er zuerst mit einer Schreckschusspistole auf sie geschossen und dann mit einem Klappmesser solange auf sie eingestochen haben, bis die Klinge abbrach. Dann flüchtete er. Für die Polizei war die Lage besonders heikel, weil die beiden Kinder zu diesem Zeitpunkt im Kindergarten bzw. in der Volksschule nahe des Tatorts waren und man befürchtete, dass er ihnen etwas antun könnte.

Die Frau überlebte dank einer Notoperation, die Kinder wurden in Sicherheit gebracht und der Mann verschwand. Er dürfte sich ins Ausland abgesetzt haben und wurde gefasst, als er im Jänner mit einem Bus aus Prag nach Linz kam.

Am Freitag standen noch Zeugeneinvernahmen am Programm. Ein Urteil ist erst am 8. Oktober geplant.

Von: apa

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