Der Vorfall ereignete sich in einem Wohnhaus in Wien-Mariahilf

Mutter und Tochter in Wien getötet

Freitag, 05. August 2022 | 18:56 Uhr

Zwei Frauen sind am Donnerstag Opfer eines Tötungsdeliktes geworden. Eine 32-Jährige und ihre 15-jährige Tochter wurden tot in ihrer Wohnung in Wien-Mariahilf entdeckt. Am Freitagnachmittag wurde durch eine Obduktion Fremdverschulden festgestellt, sagte Polizeisprecherin Irina Steirer. Zur Todesursache gab es aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Information.

Nach einem Bericht auf “krone.at”, wonach die beiden Opfer erstickt oder erdrosselt wurden, bestätigte Steirer aber, dass der Tod durch Fremdeinwirkung gegen den Hals verursacht wurde. Die Ermittlungen liefen bereits vor dem Obduktionsergebnis auf Hochtouren, da die Auffindungssituation laut Polizei auf ein Verbrechen schließen ließ. Laut “krone.at” seien die Leichen im Schlafzimmer gelegen, das versperrt gewesen sei. Nun wird nach dem Lebensgefährten der Mutter gefahndet, bestätigte Polizeisprecher Markus Dittrich der APA.

Eine Ärztin hatte am Donnerstag gegen 17.15 Uhr die Polizei verständigt, da die anderen Kinder der Frau – zwei Buben im Alter von sieben und neun Jahren – alleine in ihre Ordination gekommen waren, teilte die Exekutive am Freitag mit. Zunächst hatte die Medizinerin versucht, die Mutter zu erreichen, was nicht gelang. Die Polizisten der Inspektion Taubstummengasse holten daraufhin die Kinder ab und fuhren sie nach Hause in die Mollardgasse.

Die Beamten entdeckten dort die offen stehende Wohnungstür. “Sie sind in die Wohnung hinein und haben vorerst niemanden entdeckt. In einem Zimmer, dessen Tür geschlossen war, haben sie dann die beiden Leichen gefunden”, schilderte Dittrich. Die Toten sind laut “krone.at”-Informationen aus Ermittlerkreisen in dem abgedunkelten Raum im Bett gelegen, leblos und am Bauch liegend. Der Notarzt hätte nur noch den Tod von Mutter, eine Ungarin, und Tochter feststellen können. Das Landeskriminalamt Wien übernahm die weiteren Ermittlungen. “Der Gerichtsmediziner war noch in der Nacht am Tatort”, so Dittrich.

Die beiden Buben seien zunächst zu einer Polizeiinspektion gebracht worden und werden nun von einem Kriseninterventionsteam betreut. Die näheren Umstände, insbesondere wer für den Tod der beiden Frauen verantwortlich ist, ist nun Gegenstand laufender Ermittlungen.

Bei dem Lebensgefährten soll es sich um einen 49-jährigen Tunesier handeln. Er sei noch am Vorabend zu Besuch gewesen, hieß es in dem Online-Artikel. Als die Buben in der Früh wach geworden seien, sei der Mann bereits weg gewesen. An seiner Wohnadresse hätten die Beamten den Mann nicht antreffen können – nun wird nach ihm gesucht.

Bei den beiden Frauen handelt es sich laut APA-Zählung in diesem Jahr um die 22 und 23. mutmaßliche Tötung einer Frau in Österreich. Zuvor kam es zu 13 vollendeten mutmaßlichen Femiziden, begangen durch (Ex-)Partner. Acht weitere Frauen wurden heuer getötet, zwei von ihren Söhnen, in einem weiteren Fall gilt der Sohn als tatverdächtig, nach diesem wird noch gefahndet. Zwei Frauen wurden von anderen Frauen, drei durch Personen ohne Naheverhältnis getötet. Außerdem starb ein sechsjähriges Mädchen durch seinen Vater, der anschließend Suizid beging.

“Es ist nur mehr zum Verzweifeln”, beklagte Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, in einer Aussendung. Die Organisation befürchtet, dass es auch nach diesen Taten “wieder keine politischen Konsequenzen geben wird”. Notwendig wären ein sofortiger und ständiger Krisenstab gegen Gewalt an Frauen – in Form von notwendigen und ausreichenden Mitteln zur vollständigen Umsetzung der Istanbul-Konvention. Konkret wären dies 228 Millionen Euro jährlich und 3.000 Arbeitsplätze in der Prävention. Das wäre eine gute Basis, um umfangreiche und ganzheitliche Maßnahmen setzen zu können, hieß es in einer Aussendung.

Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) verwies auf die Bemühungen zur Prävention von Männergewalt. “Wir haben in Österreich ein verheerendes, tödliches Problem mit Gewalt in der Partnerschaft. Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind. Es geht oft um ‘Besitzansprüche’, um Minderbewertungen der Männer gegenüber Frauen. Das muss endlich aufhören.” Man müsse direkt bei den potenziellen Tätern ansetzen, um Frauen und Kinder vor Männergewalt zu schützen. “Vor allem Männer sind aufgerufen, aktiv Verantwortung zu übernehmen und einzuschreiten, sobald sie Zeugen von Gewalt werden. Männer haben nicht das Recht über das Leben einer Frau zu entscheiden”, betonte der Ressortchef.

Von: apa

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