Pangoline bei Wissenschaftern "unter Verdacht" des Virus-Schmuggels

Nach China geschmuggelte Schuppentiere mit SARS-CoV-2

Donnerstag, 26. März 2020 | 12:17 Uhr

Zu 99 Prozent stammt SARS-CoV-2 von sogenannten Schuppentieren (Pangoline). Die Säugetiere gelten in China als Delikatesse. Die Schuppen werden zu traditionellen Medizinprodukten verarbeitet. Chinesische Wissenschafter haben nach China eingeschmuggelte Pangoline untersucht: Möglicherweise ist auch der Schmuggel der Tiere ein Weg, über den SARS-CoV-2 sich verbreitete.

Der Stammbaum von SARS-CoV-2 ist ziemlich genau geklärt. Die Coronaviren wie SARS1 und SARS-CoV-2 sind genetisch zu 80 Prozent ident. Beide Viren sind jeweils näher mit Fledermausviren als untereinander verwandt, hat die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl (MedUni Wien) erklärt. Die Fledermäuse seien das wahrscheinlichste Reservoir, weil sie durch die Viren nicht krank werden.

Irgendwann gegen Ende vergangenen Jahres gab es dann einen Zwischenwirt, auf den SARS-CoV-2 zunächst übersprang. “Wahrscheinlich ist es das Pangolin. Und zwar mit einer Sicherheit von 99 Prozent”, schilderte die Virologin. Ein Seafood-Markt in Wuhan, auf dem auch mit Wildtieren gehandelt wurde, gilt als Ursprung von Covid-19. Die vom Aussterben bedrohten Tiere werden derzeit weiterhin geschmuggelt, um auf den illegalen chinesischen Markt zu kommen.

Yi Guan von der Universität Hongkong und seine Co-Autoren haben jetzt neue Ergebnisse zu ihren SARS-CoV-2-Forschungen in der britischen Fachzeitschrift “Nature” veröffentlicht. Sie haben Proben von 18 Pangolinen untersucht, die aus Malaysia nach Südchina eingeschmuggelt wurden. Das erfolgte bereits zwischen August 2017 und Jänner 2018.

Das Untersuchungsergebnis: Bei fünf der Tiere lag eine SARS-CoV-2-Infektion vor. Auch bei drei von zwölf Exemplaren von Pangolinen, die von der chinesischen Polizei in einer anderen chinesischen Provinz beschlagnahmt wurden, gab es einen SARS-CoV-2-positiven Befund. Das gleiche fand sich bei einem Tier, das 2019 sichergestellt wurde.

“Die Viren von diesen Proben waren zu etwa 85 bis 92 Prozent genetisch ident mit SARS-CoV-2. Ein Virus zeigte auch eine starke Ähnlichkeit mit der Bindungsstelle der SARS-CoV-2-Erreger, mit denen sie an Zellen andocken, und zwar beim sogenannten S-(Spike)Protein. Zwar waren sie genetisch nicht völlig ident mit den Virus-Varianten, welche derzeit beim Menschen Covid-19 verursachen, aber die Durchseuchung der geschmuggelten Tiere weist auf ein hohes Risikopotenzial durch den illegalen Wildtierhandel mit China hin.

“Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Pangoline neben den Fledermäusen die zweite Tierart sind, die als Wirtsorganismen für Coronaviren dienen. Ihr Verkauf auf Wildtiermärkten sollte strikt verboten werden, um die Übertragung auf den Menschen zu verhindern”, hieß es in “Nature”. Was schon mehrfach geschehen ist, das Überspringen von Artengrenzen durch Coronaviren, kann sich auch in Zukunft jederzeit wiederholen. Das war auch schon bei SARS1 (Zibetkatzen in China) und MERS-CoV (Dromedare) Jahre vor SARS-CoV-2 der Fall.

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Nach China geschmuggelte Schuppentiere mit SARS-CoV-2"


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Missx
Missx
Universalgelehrter
2 Tage 16 h

Die Ausbeutung von Tieren muss endlich aufhören. Nicht nur der Hokuspokus der traditionellen chinesischen Medizin mit ihren Potenzpülverchen. Sondern auch weltweit der extreme Fleischkonsum muss endlich aufhören.

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
2 Tage 15 h

Hoffendlich greift da der Xi mit aller Härte ein und verbietet diesen irrsinnigen Handel von Wildtieren!

faif
faif
Tratscher
2 Tage 14 h

…kann mir nicht vorstellen, dass bei über 1.6 milliarden menschen jemand imstand ist von heute auf morgen deren essgewohnheiten zu ändern???
…vielleicht offiziell…..aber dann blüht eben der schwartzmarkt und das eigentliche problem bleibt bestehen.

versteherin
versteherin
Neuling
2 Tage 16 h

Wenn man bedenkt, dass es durch Sars1 2002/03 schon hätte zu einer Pandemie kommen können, nun tausende Menschen gestorben sind, hunderttausende infiziert sind durch den Coronavirus und das, weil man in China am liebsten exotische, bedrohte Tierarten verspeist? Da läuft es einem kalt den Rücken hinunter. Die Wildtiermärkte schließen hätte wahrscheinlich auch nichts genutzt, dann kauft man die Tiere eben woanders. Einfach nur schlimm, wenn man an den momentanen Zustand der Welt denkt.

Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
2 Tage 17 h

Öha, das wird jetzt langsam unheimlich…!

fox
fox
Neuling
2 Tage 12 h

nur weiter so made in c

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