Die Ursache der Feuerkatastrophe ist noch unklar

Nach Großbrand in Wien-Simmering brauchen Hunderte Hilfe

Montag, 13. Mai 2019 | 15:37 Uhr

370 Menschen können nach einem Großbrand in einer Wohnhausanlage in Wien-Simmering vorläufig nicht in ihre Wohnungen zurück. Am Montag wurden weitere umfangreiche Sicherungsmaßnahmen in Angriff genommen, damit die Bewohner nach und nach wenigstens ihre wichtigsten Habseligkeiten holen können. Was die Feuerkatastrophe ausgelöst hat, ist noch unklar: Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen.

Das Feuer dürfte im Bereich der Stiege 4 in einem der oberen Bereiche des mehrstöckigen Gebäudes – Erdgeschoß, erster bis vierter Stock und Dachgeschoß – in der Simmeringer Hauptstraße/Ecke Enkplatz ausgebrochen sein. Das aus zehn Stiegen bestehende ältere Haus war erst vor einigen Jahren rundum saniert worden.

Den Betroffenen stellt Wien Notquartiere zur Verfügung. Wie Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen, im APA-Gespräch erläuterte, sind die entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen voll angelaufen. Einige Menschen werden wohl bis zu einem Jahr in einer Übergangsunterkunft bleiben müssen.

Es handle sich dabei um jene Personen, die im Dachgeschoß des Mehrparteienwohnhauses gelebt haben. Dieser Teil des Gebäudes wurde völlig zerstört. Ihnen werden in Kooperation mit der Gemeindebauverwaltung Wiener Wohnen sogenannte Prekariumswohnungen zur Verfügung gestellt – also Objekte mit einem vorübergehenden Mietverhältnis.

Weitere Betroffene wurden in benachbarte Hotels, Pensionen oder auch in ein städtisches Notquartier gebracht, das für solche Fälle bereitgehalten wird. Den Betrieb dort könne man sehr rasch hochfahren, wurde betont. Bis zu 200 Leute können laut Hillerer in dem ansonsten leer stehenden Gebäude aufgenommen werden. Für Familien gibt es zudem eigene Notfallapartements.

Die zentrale Brandermittlungsgruppe des Landeskriminalamts arbeitet seit Montag ihre “Checkliste” ab, von der Sichtung des potenziellen Tatorts und der Prüfung, ob womöglich eine Vorsatztat vorliegen könnte, über die Spurensicherung bis zur Begutachtung baulicher Maßnahmen, die eine Rolle für die Brandentstehung gespielt haben könnten. Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs sei nach ersten Erkenntnissen jedenfalls keine größere Baustelle in dem Gebäude eingerichtet gewesen, sagte Polizeisprecher Harald Sörös auf APA-Anfrage. “Ob es in einer Wohnung Bauarbeiten gab, ist derzeit nicht bekannt.”

Seit dem “Brand aus” in der Nacht auf Sonntag, knapp zwölf Stunden nach der Alarmierung der Feuerwehr am Samstagvormittag, lag der Schwerpunkt auf der Sicherung des Gebäudes, dessen Dach großteils in Flammen aufgegangen und teilweise eingestürzt ist. Zahlreiche Arbeiter einer Brandsanierungsfirma bauten rundherum ein Stützgerüst auf, weitere einsturzgefährdete Teile des Daches mussten gesichert oder entfernt werden.

“Einige Hausbewohner konnten seither in Begleitung von Feuerwehr oder Polizei kurzzeitig in einige Wohnungen zurück, in denen ein sicherer Zustand für das Betreten hergestellt werden konnte”, berichtete Feuerwehrsprecher Lukas Schauer. Sie durften Wichtiges wie Ausweise, Medikamente und Geld holen. Weiteren Betroffenen soll dies am Montag und in den nächsten Tagen laufend ermöglicht werden. Vorerst war aber nur ein Teil des Gebäudes für solche Unternehmungen sicher genug.

150 Betroffene kamen nach dem Brand in einem Notquartier auf der Triester Straße unter. Viele hatten sich selbst um eine vorläufige Bleibe gekümmert, meist bei Verwandten oder Freunden, für einige weitere waren Hotelzimmer gefunden worden. Eine 87-Jährige sowie eine vierköpfige Familie waren verletzt ins Spital gekommen.

Die Menschen aus den 190 Wohnungen in dem Komplex Simmeringer Hauptstraße 68-74 mussten über das verrauchte Stiegenhaus fliehen, viele hatten nur Handy und Geldtasche bei sich. Die meisten haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Caritas startete mit dem Verein “Leiwandes Simmering” eine Hilfsaktion. “Wer die Bilder der Brandkatastrophe gesehen und wer die Verzweiflung der Menschen gehört hat, weiß: Wir müssen hier rasch helfen”, sagte Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien, die zudem 10.000 Euro aus ihrem Inlandskatastrophenfonds zur Verfügung stellt.

“Wir haben darüber hinaus ein Krisenteam eingerichtet, das rasch prüfen soll, welche besonders tragischen Schicksale auch über einen längeren Zeitraum Hilfe benötigen werden – mit Beratung, mit Möbeln, mit finanzieller Hilfe”, sagte Schwertner. “Unser Verein ist nicht nur in guten Zeiten da. Gerade jetzt brauchen uns diese Menschen und wir wollen ihnen zur Seite stehen”, sagte Katharina Krammer, Obfrau des Vereins “Leiwandes Simmering”.

Wie lange die Sicherungsmaßnahmen andauern werden, ließ sich vorerst nicht abschätzen. Diese Arbeiten seien sehr aufwendig, der Verlauf auch von Umständen wie Wind und Regen abhängig, sagte Feuerwehrsprecher Schauer. Zeit- und personalintensiv sind für die Feuerwehr ebenfalls die Kontrollen der Wohnungen unmittelbar nach Einsatzbeginn gewesen: Für alle 190 Einheiten musste sichergestellt werden, dass die Bewohner in Sicherheit waren. Bei ihrem Eintreffen hatten die Einsatzkräfte “bereits einen ausgedehnten Brandherd” vorgefunden, schilderte Schauer. Anders als bei einem vorangegangenen Großbrand heuer in Wien, dem Feuer im Donauzentrum, das vor dem Aufsperren der Geschäfte ausgebrochen war, hatten sich am Samstagvormittag viele Bewohner im Gebäude befunden.

Einige Bewohner des von einem Brand zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogenen Hauses in Wien-Simmering könnten heute, Montag, Abend zumindest kurzfristig zurückkehren. Wie die städtische Gruppe für Sofortmaßnahmen der APA mitteilte, ist eine Begehung geplant. Bewohner von vier Stiegen dürfen dabei sein und persönliche Sachen aus ihren Wohnungen holen.

Ende der Woche könnte dann – sofern es keine Sicherheitsbedenken gibt – eine Stiege bereits wieder für die Bewohner freigegeben werden, wurde betont. Auch für den Straßenbahnverkehr gibt es bereits Pläne. Dieser könnte morgen, Dienstag, wieder aufgenommen werden, hieß es.

Unterdessen hat die türkisch-islamische Union in Österreich – ATIB – die Betroffenen eingeladen, gratis in der Moschee in der Gudrunstraße zu essen, wie “heute.at” berichtete. Auf der Facebook-Seite der Union heißt es: “Wir möchten unser Mitgefühl ausdrücken und laden alle betroffenen Simmeringerinnen und Simmeringer ein, die nächste Tage ihr Abendmahl kostenlos in unserer Moschee einzunehmen.”

Von: apa

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