Massive Zerstörungen auf dem Inselstaat Haiti

Nach Hurrikan “Matthew” zittert Haiti vor der Cholera

Dienstag, 11. Oktober 2016 | 21:21 Uhr

Nach dem Durchzug des Hurrikans “Matthew” wird in Haiti eine Cholera-Epidemie befürchtet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickt eine Million Impfdosen in das Katastrophengebiet. Sie reichen aus, um 500.000 Menschen lebenslang vor der Durchfallerkrankung zu schützen oder eine Million Menschen für ein halbes Jahr.

Allerdings müssten noch weitere Schritte gegen die Ausbreitung der Seuche unternommen werden, betonte die WHO am Dienstag mit. “Das Wichtigste ist, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Abwasserentsorgung zu verbessern”, sagte WHO-Cholera-Experte Dominique Legros. “Das Wasser ist hochgradig kontaminiert, weil Latrinen zerstört und sogar ganze Friedhöfe überschwemmt wurden. Es besteht die Gefahr, dass Seuchen wie die Cholera ausbrechen”, sagte der Leiter von Caritas International, Oliver Müller.

Für die Caritas ist in Haiti auch der Vorarlberger Robert Moosbrugger im Einsatz. Er und sein Team machten sich am Dienstag von Port-au-Prince aus mit Hilfsgütern für 1.000 Menschen auf den Weg in die Stadt Les Cayes im Südwesten des Landes. “Gestern wurde ein anderer Hilfs-Lkw geplündert. Wir werden nun von einem UN-Konvoi begleitet, dann kann nichts passieren”, sagte Moosbrugger der APA. “Der Zugang zu den entlegenen Dörfern ist weiterhin schwierig, die Straßen sind in einem schlechten Zustand, es wurden Brücken weggespült. Ein Durchkommen ist nur mit starken Lkw möglich.”

Die Caritas hat bereits mit der Verteilung von Hilfsgütern in den besonders betroffenen Städten Les Cayes und Jeremie begonnen. In Les Cayes befanden sich laut dem Caritas-Helfer etwa 60.000 und in Jeremie rund 100.000 Menschen in Massenunterkünften.

“In unseren Lebensmittelpaketen befinden sich jeweils knapp zwei Kilo Bohnen, Reis, gemahlener Mais, Mehl und Zucker, dazu vier geräucherte Fische, eine Flasche Öl und vier Packungen Milch. Ein Hygienepaket besteht aus Seife, Waschpulver, Zahnbürsten, Damenbinden und Toilettenpapier”, erläuterte Moosbrugger. “Wir müssen dann vor Ort entscheiden, wo wir die Hilfspakete am Besten verteilen. Dort werden dann in den nächsten Wochen immer wieder Verteilungen durch die Caritas stattfinden.”

Der Wirbelsturm hatte Haiti vor einer Woche mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Straßen und Felder überschwemmt. Mindestens 473 Menschen kamen nach offiziellen Informationen in dem Hurrikan ums Leben. 75 Personen wurden noch vermisst und 339 verletzt, wie der Zivilschutz am Dienstag mitteilte. 175.500 Menschen suchten demnach Schutz in Notunterkünften. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen mindestens 1,4 Millionen Menschen Hilfe.

Die Durchfallerkrankung Cholera wird vor allem durch verschmutztes Trinkwasser ausgelöst. Zwar verlaufen rund 80 Prozent der Infektionen milde, aber die Menschen im armen Haiti sind nach dem Wirbelsturm körperlich häufig geschwächt und damit besonders anfällig. In schweren Fällen kann der Flüssigkeitsverlust zu Kreislaufkollaps und bis zum Tod führen.

Bei einer Cholera-Epidemie nach dem schweren Erdbeben 2010 waren mehr als 8.500 Menschen an der Seuche gestorben. Wahrscheinlich hatten nepalesische UN-Blauhelmsoldaten die Krankheit nach Haiti eingeschleppt.

Unterdessen hat US-Präsident Barack Obama den von Hurrikan “Matthew” heimgesuchten Bundesstaat North Carolina zum Notstandsgebiet erklärt. Dadurch können Bundesgelder zur Unterstützung der in zehn Landkreisen betroffenen Menschen freigegeben werden, wie das Präsidialamt mitteilte.

“Matthew” war am Wochenende über North Carolina hinweggefegt. Starkregen ließ die Flüsse anschwellen. Am Montag klarte der Himmel auf, doch Behörden warnten, dass wegen Überschwemmungen noch tagelang Lebensgefahr bestehe. Viele Bewohner mussten auf Dächern ihrer Häuser ausharren, bevor sie mit Hubschraubern oder Booten gerettet wurden. Etwa 1,1 Millionen Menschen hatten in North Carolina sowie vier anderen Bundesstaaten nach wie vor keinen Strom.

Von: APA/ag./dpa

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