„Ko-Programmierung“ und „Ko-Projektierung“

Neue Kooperationsformen zwischen öffentlicher Hand und drittem Sektor

Donnerstag, 21. Juli 2022 | 10:36 Uhr

Bozen – Bei einem Treffen des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit mit dem Südtiroler Gemeindenverband wurden neue Ansätze für die Übertragung von Dienstleistungen im öffentlichen Interesse an Einrichtungen des Dritten Sektors besprochen. Dabei wurde die aktive Beteiligung des Gemeindenverbandes in einer entsprechenden Arbeitsgruppe zur „Ko-Programmierung“ und „Ko-Projektierung“ vereinbart. Diese soll klären, wie die neuen Rechtsgrundlagen als künftiges Kooperationsmodell zwischen öffentlicher Verwaltung und gemeinnützigen Organisationen zur Anwendung kommen.

Der Kodex für den dritten Sektor sieht neue Formen der Planung und Übertragung von Aufträgen durch die öffentlichen Körperschaften an gemeinnützige Dienstleistungsträger vor, die auf einer engen Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Verwaltung und gemeinnützigen Organisationen beruhen. Der Dachverband bemängelt hierzu, dass diese Zusammenarbeit in Südtirol bislang noch nicht in der vom Gesetz vorgesehenen Form stattfindet. Die Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich werden bei der Vergabe von Diensten bisher kaum in der Planungs- bzw. Umsetzungsphase
eingebunden, da die öffentlichen Vergabestellen in Südtirol vor allem bei umfangreicheren Aufträgen noch weitgehend am Instrument der öffentlichen Ausschreibung festhalten.

Dies wurde bei einem Treffen einer Delegation des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit mit der Führungsspitze des Südtiroler Gemeindenverbandes besprochen und nach Lösungen gesucht. Dabei machte der Präsident des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit Wolfgang Obwexer darauf aufmerksam, dass die Rechtsgrundlagen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit durch den Kodex des dritten Sektors und durch entsprechende Leitlinien schon seit Jahren gegeben sind. Gerade in den Bezirksgemeinschaften, die viele der essenziellen Sozialdienste führen oder auslagern, muss die
Zusammenarbeit mit den örtlichen Betroffenenorganisationen und gemeinnützigen Dienstleistern in diese Richtung weiterentwickelt werden.

„Die Erfahrungen anderer Regionen zeigen, dass eine Abstimmung im Sinne der Ko-Programmierung und Ko-Projektierung zwischen der öffentlichen Hand und den gemeinnützigen Organisationen die Qualität der Dienstleistungen deutlich steigert, ohne die Kosten zu erhöhen. Effektivität und Effizienz lassen sich für alle Beteiligten verbessern, wenn schon im Vorfeld der Vergabe die Rahmenbedingungen der künftigen Zusammenarbeit gemeinsam festgelegt werden“, so Obwexer.

Gemeindenverbandspräsident Andreas Schatzer begrüßt es, dass der Dachverband hier die Initiative ergreift. Er wird in den nächsten Wochen Personen namhaft machen, die sich dann in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der wichtigsten öffentlichen und gemeinnützigen Körperschaften einbringen werden. Diese hat das Ziel, die „Ko-Programmierung“ und „Ko-Projektierung“ als künftiges Kooperationsmodell zwischen öffentlicher Verwaltung und gemeinnützigen Organisationen zu verankern, etwa durch
Maßnahmen wie die Organisation von Bildungsprojekten und Tagungen, die Durchführung und Evaluierung von Pilotprojekten, sowie durch das Erarbeiten konkreter Handlungsempfehlungen.

„Die Zustimmung des Südtiroler Gemeindenverbandes zur verbindlichen Mitarbeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe ist ein wichtiger Schritt und hilft uns, die Aufgaben und Arbeiten für das Gemeinwesen noch besser auf die Zuständigkeiten, Bedürfnisse und Möglichkeiten aller Akteure abzustimmen“, zeigt sich Dachverband-Geschäftsführer Leimstädtner vom Treffen erfreut.

Von: lup

Bezirk: Bozen

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