Israelische Armee reagierte nicht nur mit Tränengas

Neun Tote und viele Verletzte bei Protesten in Gaza

Samstag, 07. April 2018 | 15:44 Uhr

Bei den massiven Protesten an der Grenze des Gazastreifens zu Israel sind nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet und 1.354 weitere verletzt worden. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde in Gaza teilte am Samstag weiter mit, unter den Toten vom Vortag seien auch ein palästinensischer Journalist und ein 16-Jähriger. 491 Menschen hätten Schussverletzungen erlitten.

Unter großer Anteilnahme wurde am Samstag der palästinensische Journalist Jassir Murtaja in Gaza beigesetzt. Der 30-Jährige war am Freitag bei Filmaufnahmen der Proteste nahe der Grenze zu Israel erschossen worden. Der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) twitterte am Samstag, es sei schwer vorstellbar, wie ein palästinensischer Journalist, der die Gaza-Proteste gefilmt und eine Schutzweste mit der Aufschrift “Press” (Presse) getragen habe, eine drohende Lebensgefahr darstellt, die erfordert habe, dass israelische Scharfschützen ihn töten.

Nach Angaben der israelischen Armee beteiligten sich am Freitag rund 20.000 Palästinenser an den Protesten und Ausschreitungen entlang der Grenze. Sie zündeten an vielen Orten Autoreifen an, um eine “Rauchwand” zu schaffen. Es habe zahlreiche Versuche gegeben, im Schutz der Rauchschwaden den Grenzzaun zu beschädigen und Sprengsätze zu legen, teilte die Armee mit.

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas hatte vor einer Woche den “Marsch der Rückkehr” gestartet, insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen lang andauern. Anlass der massiven Palästinenser-Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen die Staatsgründung als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein “Recht auf Rückkehr”. Israel lehnt dies ab.

Israelische Soldaten schossen nach Angaben der Armee gezielt auf Palästinenser, die versuchten, den Grenzzaun zu beschädigen. Viele der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser. Israel will ein Vordringen von Menschenmassen auf sein Gebiet um jeden Preis verhindern, unter anderem, weil es Anschläge in Ortschaften an der Gaza-Grenze befürchtet.

Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, Scharfschützen seien angewiesen, im Notfall auf die Beine von Aktivisten zu schießen, die den Grenzzaun attackierten. Es habe auch Fälle gegeben, bei denen auf Aktivisten geschossen worden sei, die andere massiv zur Gewalt angestiftet hätten, sagte Jonathan Conricus. Es werde jedoch nicht gezielt geschossen, um zu töten, betonte er. “Jeder Tote dient den Zielen der Hamas.”

Wie die palästinensische Gesundheitsbehörde in Gaza weiter mitteilte, sind bei den Protesten am Freitag auch Frauen und Kinder verletzt worden. Viele Menschen klagten über die Folgen von Schussverletzungen sowie Beschwerden nach dem Einsatz von Tränengas. Auch unter den Verletzten sollen palästinensische Journalisten sein.

Insgesamt kamen seit Karfreitag beim schlimmsten Ausbruch der Gewalt seit 2014 mindestens 31 Palästinenser ums Leben. Mehr als 2.800 wurden verletzt, die meisten durch Tränengas. Die Hamas kündigte finanzielle Unterstützung für Hinterbliebene von Toten sowie Angehörige von Verletzten an.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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14 Kommentare auf "Neun Tote und viele Verletzte bei Protesten in Gaza"


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Mezcalito
Mezcalito
Neuling
13 Tage 15 h

und die Welt sieht einfach zu, was die Israeli treiben…

bon jour
bon jour
Superredner
13 Tage 1 h

die Palis wollen die Juden ins Meer treiben. von der Erdoberfläche eliminieren.
Die wehren sich. Gut so

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 21 h

@bon jour , besser sich erst mal seriös in die Geschichtsschreibung und die Realität vor Ort vertiefen, bevor man solche Kommentare schreibt und nicht einfach der Gehirnwäsche von ganz oben (solche Artikel werden anonym über die Hand voll Nachrichtenagenturen in die Welt gesetzt) folgen.

zockl
zockl
Superredner
13 Tage 1 h

Israel hat 6 Mio Tote im WWII und tausende seitdem – und jetzt wollen die palästinensischen Mitkämpfer des Groß-Mufti das Geschäft zu Ende bringen. Israel wehrt sich – prima

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 21 h

Einfach mal nach Palästina fahren und das Volk vor Ort kennen lernen, bevor du solche pauschalen Feindbilder in die Welt posaunst. Die Toten des Zweiten Weltkrieges haben nun wirklich nicht die Palästinenser zu verantworten.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 17 h
Und noch ein Zusatz: Deine Formulierung zeigt sehr deutlich deine Unwissenheit zu dem ganzen Thema. Den Staat Israel gab es zur Zeit des Zweiten Weltkrieges noch gar nicht (erst ab 1948). Du setzt hier die uralte, weltweit verbreitete Kultur des Judentums mit einem sehr jungen Staatsgebilde gleich. Der Staat Israel wurde damals auch von England “angeschoben”, weil sehr viele jüdische Flüchtlinge noch vor dem Krieg nach England auswanderten und sie sich ein wenig “überrannt” fühlten. So wurden die Juden mit der Lüge “Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land” dorthin weitergeschickt und ich weiß von persönlichen Kontakten, dass viele dieser Generation damals geschockt… Weiterlesen »
Pork
Pork
Tratscher
13 Tage 12 h

Und die EU unterstützt die Hamas und ihre Terroristen immer noch mit finanziellen Hilfsleistungen….
Beschämend.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 21 h

Bezeichnend, wie die meisten Kommentare hier gefärbt sind … fast schon beeindruckend, wie erfolgreich die subtile Propagandamaschinerie funktioniert.

lord schnee
lord schnee
Tratscher
12 Tage 19 h

wem ist die neue isralefreundlichkeit eigentlich zu verdanken? dem neuen feindbild islam/is-terroristen/arbabische halbinsel im allgemeinen? die juden aus europa und aller welt haben sich nach der katastrophe der shoa einen staat geschaffen. dafür haben sie die palästinenser getötet, beraubt, vertrieben und schleichend enteignet. wer auch immer frieden wollte, wurde von religiösen fundamentalisten auf beiden seiten boykottiert und untergraben. wieso sich auf eine der beiden seiten stellen?

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 14 h
Das Eigenartige daran ist ja, dass sich der IS nie zum Palästinenserthema geäußert hat – im Gegenteil. Israel kam der IS, der wahhabitisch ausgerichtet ist und dementsprechend von so Ländern wie Saudi-Arabien und damit (indirekt) auch von Israel unterstützt wird, sehr gelegen. Sie bekämpfen an der nördlichen Grenze die Hisbollah. Israel hat ja auch bekannterweise verletzte IS-Kämpfer von der Gegend dort nach Israel geholt, behandelt und dann wieder dorthin zurückgeschickt zum Weiterkämpfen. Aber ich kann an den Kommentaren hier immer herausspüren, dass die meisten mit dem vielschichtigen Thema überfordert sind und der Einfachheit halber nur in schwarz-weiß denken. Dass IS und Israel sich viel näher stehen als… Weiterlesen »
lord schnee
lord schnee
Tratscher
12 Tage 14 h

@Wolke das hab ich noch nie gehört. dass israel ein interesse daran hat, dass die arabischen länder mit sich selbst beschäftigt sind, kann ich mir vorstellen.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 11 h

@lord schnee , wer diesen Punkt sehr präzise ausführt ist beispielsweise, die Islam-Wissenschaftlerin Petra Frei, gut nachzuhören in diesen Interview ab Minute 1:45:34 : https://www.youtube.com/watch?v=U1SHpanfHu8

Wolke
Wolke
Grünschnabel
12 Tage 11 h

… sorry, sie heißt Petra Wild

Jodla
Jodla
Tratscher
13 Tage 1 h

Normal.

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