Fernseher, Bekleidung, Computer und Werkzeug gestohlen – VIDEO

Nicht nur hungrig: Russische Soldaten schicken Plünderungsgut nach Hause

Freitag, 08. April 2022 | 08:08 Uhr

Kiew/Mazyr – Viele bisherige Videos, die plündernde Angehörige der russischen Streitkräfte zeigten, konnten damit erklärt werden, dass die Soldaten ohne eine effiziente Logistik und teilweise mit Nahrung für nur wenige Tage in den Krieg geschickt worden waren. In diesen Aufnahmen waren vor allem Soldaten zu sehen, die aus Supermärkten Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs entwendeten.

Mit dem Fortgang des Krieges häufen sich jedoch Berichte von russischen Soldaten, die aus ukrainischen Wohnungen und Kaufhäusern alles Mögliche – von Fernsehern über Bekleidung und Spielsachen bis hin zu Computern – stehlen.

Welche „Reise“ dieses Plünderungsgut nimmt, wurde von Hajun Project – einer Gruppe anonymer belarussischer Freiwilliger, die zur Opposition ihres Landes gehören – ermittelt. Hajun Project veröffentlichte auf ihrer Website ein Video, das eine ganze Reihe von russischen Soldaten dabei zeigt, wie sie vor den Büros der CDEK – eines russischen Paketlieferdienstes – in der belarussischen Stadt Mazyr stehen, um geplünderte Güter zu ihren Familien in ihren Heimatorten zu schicken. Am 2. April wurden allein von dieser Paketannahmestelle der CDEK aus mehr als zwei Tonnen Güter aller Art an fernste Orte der Russischen Föderation geschickt. Es darf angenommen werden, dass es sich dabei zum allergrößten Teil um gestohlene Güter handelt.

Entweder durch einen Hackerangriff oder durch ihnen zugespielte Daten gelang es den Aktivisten von Hajun Project nicht nur, an die Aufnahmen der Überwachungskamera der Paketannahmestelle, sondern auch an die Namen der Absender, das Gewicht ihrer Pakete sowie an die russischen Lieferadressen der Empfänger zu gelangen.

Zum Leidwesen der Plünderer veröffentlichte die Gruppe anonymer belarussischer Freiwilliger sowohl die Namen und Telefonnummern von 16 Absendern, das Gewicht und den Inhalt der Pakete als auch die Wohnorte ihrer Familien. Die meisten Soldaten scheinen aus Rubzowsk, eine Stadt in der Region Altai im südlichen Westsibirien, zu stammen.

Hajun Project/Screenshots with the faces of Russian soldiers at the CDEK office in Mazyr, 02.04.2022

Laut den Informationen des Oppositionsnetzwerks sendeten die russischen Soldaten ihren Familien vor allem Bekleidung und Werkzeug, aber auch Fernseher, Ersatzteile, Batterien und sogar eine Fischereiausrüstung fanden auf diese Weise ihren Weg bis in entfernteste Gegenden von Putins Reich. Die einzelnen Pakete wogen von 50 bis 450 Kilogramm.

Im Sinne der Initiatoren des Projekts sollen die Videoaufnahmen – Hajun Project stellte auch Screenshots, auf denen die Gesichter der russischen Soldaten gut zu erkennen sind, online – zusammen mit den veröffentlichen Namen der Soldaten später dazu dienen, Kriegsverbrecher zu identifizieren und vor ein Gericht zu stellen. Die Freiwilligen von Hajun Project vermuten, dass ein guter Teil des Plünderungsguts aus den nördlichen Vorstädten von Kiew wie Butscha und Irpin stammt und die ehemaligen Besitzer der gestohlenen Güter von den Plünderern möglicherweise ermordet wurden.

Twitter/olexander scherba

Viele Quellen weisen darauf hin, dass einige russische Soldaten ihre Lastkraftwagen und Panzerfahrzeuge dazu nutzen, die teilweise sperrigen Güter nach Weißrussland zu schaffen. Als ukrainische Soldaten bei Nova Basan, ein Dorf östlich von Kiew, von den russischen Streitkräften erbeutete gepanzerte Mannschaftstransportwagen untersuchten, kamen gestohlene Spielsachen, Küchengeräte sowie Besteck, Werkzeug, Koffer und anderes Raubgut zum Vorschein. Auch ein mit gestohlenen Waschmaschinen beladener Militär-Lkw, der in ukrainisches Artilleriefeuer geriet, schaffte es nicht über die Grenze nach Weißrussland.

Twitter/GeneralStaffUA

Berichten zufolge werden auch Smartphones, Uhren, Schmuck und Geld entwendet. Bei einigen festgenommenen russischen Soldaten wurde verschiedene entwendete Wertsachen sichergestellt. Besitzer von Apple iPhones und anderen Smartphones, denen ihre Geräte gestohlen wurden, geben an, dass bei einer Geolokalisation ihrer Smartphones Orte in Weißrussland – dorthin zogen sich die bei Kiew eingesetzten russischen Truppen zurück – aufscheinen.

Schockierend hingegen ist, dass bei einem Gefangenen neben Goldschmuck auch goldene Zahnkronen gefunden wurden.

Twitter/Necro Mancer

In Narovlya in Weißrussland befindet sich auch ein großer Schwarzmarkt, auf dem Soldaten Gestohlenes für Geld feilbieten oder mit anderen Plünderern Raubgut tauschen. Dabei sollen sie auch mit ihren Familien in Kontakt stehen, die ihnen mitteilen, welche Waren von ihren Angehörigen und Freunden dringend benötigt werden.

Twitter/Рустем Адагамов/CDEK office in Novozybkov, Bryansk

Das Bild hat sich längst gewandelt. Während hungrige Soldaten, die Lebensmittel stahlen, noch zumindest mit etwas Verständnis rechnen konnten, gelten Plünderer, die sich bereichern und ihre Opfer manchmal sogar töten, als Kriegsverbrecher.

 

Von: ka

Kommentare

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34 Kommentare auf "Nicht nur hungrig: Russische Soldaten schicken Plünderungsgut nach Hause"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 18 Tage

…das sind nicht nur Mörder und Vergewaltiger, darüber hinaus auch noch Räuber und Einbrecher…die wollen die Ukraine vor drogensüchtigen Nazis befreien…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 17 Tage

@Doolin 4 Bezeichnungen in einem Kommentar. Du steigerst dich.
Hast den Bericht echt kommentiert! So wie mans tun sollte. Grins
Oder dient das Ganze nur für dein Wohlbefinden? Die Luft muss raus?

Hustinettenbaer
1 Monat 18 Tage

“Während hungrige Soldaten, die Lebensmittel stahlen, noch zumindest mit etwas Verständnis rechnen konnten, gelten Plünderer, die sich bereichern und ihre Opfer manchmal sogar töten, als Kriegsverbrecher.”

Verbrecher sind auch diejenigen, die Raub-/Mordgut zu Hause annehmen. Nach 2 Weltkriegen kann man nicht mehr naiv sein.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

Hustio@

ich korrigiere dich ungern…. man kann! bzgl. naiv sein!!!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

Husti@

gilt das auch fuer das Zahngold (2. WK), das in schweizer Banken Jahrzehnte lang gebunkert wurde???

Ps. ich Frage fuer einen Freund! 😉

wenn ja, wie lange gilt diese Ur-Schuld? eine Generation , oder 2 Generationen, oder sogar 3 oder 4 oder gar 5 Generationen????

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Wie die Juden unter den Nazis. Den Drohnen und Hackern ein Lob, es wird helfen, alle diese vor Gericht zu stellen.

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

An Brutalität und Skrupel nicht zu übertreffen sowas kenne ich nur aus Filmen. Meine größte Verachtung

Staenkerer
1 Monat 18 Tage

mi wundert das mitten in den kriegsgebiet fe no so leicht zur post kemmen im dort paktlen noch russlond aufzugebn, oder wie funktioniert von dort des “hoamschokn sunscht? per panzerkuriere über de grenze zur post?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 18 Tage

…jo de haben auf Panzer Fernseher und Waschmaschinen geladen, wenn se net grod an Ukrainer ah no es Auto weggenommen haben…
😝

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 18 Tage

Die Meisten dieser mörderischen Kreaturen haben in Sibirien wohl noch nie einen Fernseher zu Gesicht bekommen! 😂

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Vielleicht sehen die Soldaten,das es den Ukrainern,zumindest teilweise,sehr viel besser geht als in Putins Reich.Und Vielleicht denken sie ein wenig nach warum es bei Putin nicht so ist wie in der Ukraine…..vielleicht hilft es wenigstens einen kleinen Anstoß zum denken zu geben…..vielleicht..

Staenkerer
1 Monat 17 Tage

des müßte sich dort eoll ummergsprochn hobn, es hobn woll viele ukrainer verwonte in russlond und es sein woll genua russische gostorbeiter in gonz europa unterwegs! de wern woll erzähln wie man außerhplb dem putinreich leb, oder?
ob des nit epper in neit instachelt und man nit sechn konn das de schlechtgrede demokratie “a” vorteile hot?
sem hoaßaz de devise nor, wennsir schlecht geat nor solls dir a schlecht gien, na no schlechter!

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

da könnte man doch ein explosives geschenk schicken wenn alle adressen bekannt sind….

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
1 Monat 18 Tage

Das war doch immer schon so: wer eine Stadt o.ä. erobert, der plündert danach.

magari
magari
Tratscher
1 Monat 17 Tage

“Es war doch immer schon so” ist keine Rechtfertigung. Plünderung ist eine Straftat und ein Verbrechen.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
1 Monat 17 Tage

Hoffentliche ist da nicht unsere “Poste” zuständig im Lande Weissrussland. Da kann man schon mal 3 Monate auf die Weihnachtskarte warten…

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Teurer Spass und wer zohlt des olls. Ober itz werdn de Tropfn nor wol fertig sein.

PuggaNagga
1 Monat 18 Tage

Wer zahlt?
Ja wer? Wir Europäer zahlen!
So wie immer.

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Sorry war für Schwazer Art. gedacht.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 18 Tage

Wer Bücher vom 2.WK gelesen hatt …..

Karl
Karl
Universalgelehrter
1 Monat 17 Tage

Auch die Hunnen kamen aus dieser Richtung. In all den Jahrhunderten hat sich dort nichts geändert. Wenn man bedenkt dass in den Händen dieser Typen 6000 Atomsprengköpfe sind überkommt mich das pure Grausen.

Unioner
Unioner
Tratscher
1 Monat 17 Tage

Die Russen haben 1945 schon von meiner Oma das Fahrrad geklaut. Aber die Amis vorher den Fotoapparat. Und mein Opa hat aus Frankreich auch Stoffe mitgebracht. Das ist leider normal im Krieg.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

Unioner@

danke fuer deinen Post!

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