Die gestartete Petition wird vom Club prinzipiell unterstützt

ÖAMTC demonstrierte Kamerasystem als Abbiegeassistenten

Donnerstag, 14. Februar 2019 | 15:45 Uhr

In der nach dem Unfalltod eines Neunjährigen in Wien ausgelösten Debatte über Lkw-Abbiegeassistenten hat der ÖAMTC am Donnerstag ein entsprechendes Kamerasystem demonstriert. Die von Eltern gestartete Petition wird vom Club prinzipiell unterstützt, ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold sprach sich aber gegen eine verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten aus.

Der ÖAMTC setze vielmehr auf Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer und Weiterbildung von Lkw-Lenkern. “Wir wollen den toten Winkel sichtbar machen”, sagte Schmerold. In der Pflicht sieht er jedenfalls nicht die Lenker allein, sondern “auch die übrigen Verkehrsteilnehmer”. Gerade das Aufeinandertreffen von Lkw und Bussen mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgänger oder Radfahrer in urbanen Kreuzungsbereichen führt immer wieder zu gefährlichen Situationen, sagte Schmerold.

Obwohl der tote Winkel das Sichtfeld der Fahrer extrem einschränkt, sind sich andere Verkehrsteilnehmer dessen oft gar nicht bewusst. Diesbezüglich müssen Radfahrer und Fußgänger sensibilisiert werden, forderte der ÖAMTC.

Die von Eltern gestartete Petition für ein verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten wurde bis Donnerstagmittag bereits von mehr als 53.000 Personen unterzeichnet. Der ÖAMTC unterstütze nicht “jeden Punkt der Petition”. Für eine verpflichtende Nachrüstung seien etwa “die Systeme noch zu unterschiedlich”.

Schmerold forderte eine rasche Regelung auf EU-Ebene, “wir wollen keinen Alleingang Österreichs”. Vielmehr müssen Abbiegesysteme zunächst technisch spezifiziert und dann über die Typengenehmigung vorgeschrieben werden. Jetzt gehe es primär um Aufklärung, auch die Weiterbildung von Lkw-Fahrern müsse bezüglich des toten Winkels forciert werden.

Finanzielle Anreize für Frächter, damit diese ihre Lkw mit Abbiegeassistenten nachrüsten, sind für Schmerold nicht erforderlich. Derartige Systeme kosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro, umgerechnet auf die durchschnittlich fünfjährige Verwendung von Fahrzeugen könnten diese Beträge von den Unternehmen selbst finanziert werden.

Nachdem sich der ÖAMTC zunächst noch gegen eine nationale Lösung zu verpflichtenden Abbiegeassistenten ausgesprochen hat, erfolgte am Nachmittag eine Klarstellung. “Der ÖAMTC unterstützt die Forderung nach verpflichtenden Lkw-Abbiegeassistenten zum frühestmöglichen Zeitpunkt – auch auf nationaler Ebene”, hieß es gegenüber der APA.

Lkws sind mit sechs Außenspiegel ausgerüstet, zwei auf der linken Seite, vier rechts. Viele Lenker seien mit “nicht optimalen Spiegelsystemen” unterwegs, sagte Schmerold. Trotz der sechs Spiegel lässt sich der tote Winkel nicht völlig vermeiden. Lkw-Experte Gerhard Blümel schilderte, dass Lenker insbesondere in kritischen Situationen nicht so sorgfältig in die vorhandenen Spiegel schauen würden. Problematisch sei auch, wenn sich Personen rund um das Fahrzeug weiterbewegen und somit für den Lenker von einem Spiegel in den anderen wechseln.

Blümel demonstrierte ein bereits vorhandenes Abbiegesystem. Dieses ist mit einer Kamera unter dem rechten Außenspiegel ausgestattet. Wird der Blinker gesetzt, wird sie aktiviert. Befindet sich eine Person im toten Winkel, ertönt in der Fahrerkabine ein akustischer Alarm, außerdem wird ein Bildschirm aktiviert, der die Bilder der Kamera zeigt.

Die Wiener Wirtschaftskammer fordert, dass der Einbau von Lkw-Abbiegeassistenten zumindest zu 80 Prozent durch die öffentliche Hand finanziert wird. Das sagte Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, bei der er gemeinsam mit Helge Fahrnberger, dem Initiator einer entsprechenden Petition, auf den verpflichtenden Einbau solcher Systeme pochte.

Von: apa