71 Menschen kamen ums Leben

Offenbar Tank-Zwischenstopp vor Unglücksflug ausgelassen

Donnerstag, 01. Dezember 2016 | 20:08 Uhr

Nach dem Flugzeugunglück in Kolumbien mit 71 Toten verdichten sich Hinweise auf Treibstoffmangel als Absturzursache. Kolumbianische Medien veröffentlichten am Mittwoch den Mitschnitt eines Funkspruchs, mit dem der Unglückspilot den Kontrollturm am Flughafen alarmierte. “Flug Lamia 2933 hat Totalversagen, totales elektronisches Versagen, kein Treibstoff”, sagte demnach Pilot Miguel Quiroga.

Bereits zuvor habe der Pilot den Kontrollturm darum gebeten, wegen “Treibstoffproblemen” bei der Erteilung der Landegenehmigung bevorzugt zu werden, geht aus dem Mitschnitt weiter hervor. Eingangs des Funkverkehrs bat die Lotsin den Piloten, wegen einer anderen Maschine im Landeanflug noch sieben Minuten zu warten. “Ich habe eine Maschine unter Ihnen im Anflug… Wie viel Zeit können Sie in Ihrem Anflug bleiben, Lima-Mike-India?”, fragte die Fluglotsin.

“Wir haben einen Treibstoff-Notfall”, antwortete der Pilot laut Mitschnitt. Nur kurz schickte der Kapitän drängend hinterher: “Ich bitte um sofortige Landeerlaubnis Lima-Mike-India.” Darauf folgte der alarmierende Funkspruch: “Flug Lamia 2933 hat Totalversagen, totales elektronisches Versagen, kein Treibstoff”.

Als Antwort erhielt er, dass die Landebahn “frei” sei sowie die Warnung vor Nässe auf der Piste wegen Regens. “Feuerwehr alarmiert.” Dann folget noch ein kurzer Wortwechsel, in dem der Pilot nach Koordinaten für die Landung fragte und seine Flughöhe durchgab – in diesem Moment noch rund 2.700 Meter. Dann brach der Funkkontakt ab.

Bolivianische Medien hatten zuvor unter Berufung auf den Vertreter der Fluggesellschaft Lamia, Gustavo Vargas, berichtet, das Flugzeug hätte zwischen dem Start im bolivianischen Santa Cruz und der Landung im kolumbianischen Medellin noch einmal in Bogota zwischenlanden und tanken müssen. Der Pilot sei aber der Meinung gewesen, dass der Treibstoff reiche.

Die Blackbox mit Flugdatenschreiber und Stimmrekorder sei in “perfektem Zustand”, sagte der Chef der Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Es könne aber mindestens sechs Monate dauern, bis es gesicherte Erkenntnisse über die Absturzursache gebe.

Die Chartermaschine vom Typ British Aerospace 146 war in der Nacht auf Dienstag in den Bergen im Nordwesten Kolumbiens abgestürzt. An Bord der Maschine war fast die gesamte Mannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense. Die Sportler waren auf dem Weg zum Hinspiel des Finales um den Südamerika-Cup gegen den kolumbianischen Rivalen Atletico Nacional. Nur sechs Menschen überlebten das Unglück, darunter drei brasilianische Fußballspieler.

Die bolivianische Regierung entzog der Fluggesellschaft LaMia nach dem Absturz in Kolumbien die Lizenz. Das teilte der zuständige Minister Milton Claros am Donnerstag in einer Pressekonferenz in La Paz mit. Zudem werde geprüft, warum der Charterfluggesellschaft überhaupt die Lizenz erteilt worden sei. Zudem wurde die Spitze der nationalen Luftfahrtbehörde entlassen. “Wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir eine lückenlose, Untersuchung einleiten, auf die die Führungskräfte keinen Einfluss nehmen sollen”, sagte Minister Claros zur Begründung.

In der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Chapeco versammelten sich am Mittwochabend (Ortszeit) Zehntausende Fans im Stadion des Clubs Chapecoense Real, gleichzeitig fand eine Trauerfeier im Stadion von Atletico Nacional statt. Zur selben Stunde hätte am Mittwochabend das Hinspiel des Finales stattgefunden. Wo eigentlich ausgelassenes Public Viewing stattfinden sollte, flossen nun Tränen. Beide Sportstätten waren bis auf den letzten Platz mit weiß gekleideten Trauernden gefüllt.

“Chapeco ist keine große Stadt”, sagte Lehrerin Aline Fonseca. Die Spieler seien bekannte Gesichter gewesen, die auf der Straße zu treffen gewesen seien. “Die Stadt ist am Boden zerstört”, sagte die 21-Jährige. Am Wochenende werden die ersten überführten Toten in Chapeco erwartet.

Von: APA/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Offenbar Tank-Zwischenstopp vor Unglücksflug ausgelassen"


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enkedu
Tratscher
4 Tage 22 h

es wird wohl zeit die sparzwaenge der fluggesellschaften einzugrenzen. man muss sie zwingen reserven mitzunehmen.

eisocktoler
Grünschnabel
4 Tage 14 h

“Der Jet hat eine Reichweite von 2600 Kilometern. Medellín ist rund 2450 Kilometer Luftlinie entfernt.” laut DPA. Nichts sporen. De Maschine vor voll mit Kerosin. Lei di Flugibowochung hot wiederamol an Fehler gemocht (Siehe Flug Avianca-Flug_052)

oli.
Superredner
4 Tage 13 h

soviel ich weiss müssen die Piloten sich um die Menge plus kl. Reserve an Flugbenzin selber errechnen , natürlich nicht mit vollen Tank für eine Kurzstrecke , aber keine Linie zwingt fliegt mit weniger als Ihr braucht , beim Absturz ist der Schaden grosser als das Ersparnis.
Die Irische Billig Flug Kette R……
ist vor Jahren immer mit viel zuwenig unterwegs gewesen und hatte z.b. in Spanien etc öfters darum gebeten bei der Landung vortritt zu bekommen , nach einer Strafe kam nix mehr vor.

franzsimmer
Neuling
4 Tage 1 h

@eisocktoler 
Ma 2600 km Maximum? Semm derf auf 2450 km (6% weniger als das Maximum) nimmer viel der Wind gian. Sell konnsch vll. mitn Auto probiern, wenn nit auf der Autobohn unterwegs bisch. Ober nit mit an Flieger, der oerkimmb wie a Stuan, wenn der Leps ferti isch. 

eisocktoler
Grünschnabel
4 Tage 14 h

Leider nicht der erste Absturz verursacht durch einen Fehler der Luftraumüberwachung. 😔

Tabernakel
Universalgelehrter
4 Tage 43 Min

Mathematik ist in der Schule doch nicht so unnütz wie man unschwer erkennt.

oli.
Superredner
4 Tage 10 Min

1 + 1 = 3 🤔🤔🤔

traurig , leicht verrechnet und dann sind 2 Flieger vor Ihm dran kommen , da war die Schleife zu lang und mit dem Flieger einen Gleitflug über ca 18 km sehr schwer.

Alpenrepuplik
Superredner
4 Tage 59 Min

Menschliches Versagen. Tragisch!!! Soviele Menschen müssten deswegen sterben. Und was auch immer genau nach den Untersuchungen rauskommt, nicht Chats macht diese Menschen wieder lebendig, nichts nimmt den Angehörigen den Schmerz und lindert ihr Leid…Ruhet in Frieden

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