Rund 300 Teilnehmer online dabei

Onlinedebüt für Medizinkongress in Tiroler Hand

Sonntag, 08. November 2020 | 10:00 Uhr

Der 55. Europäische Kongress für Chirurgische Forschung (ESSR) hätte 2020 das erste Mal in Innsbruck stattgefunden. Corona-bedingt wählen sich nun Mitte Dezember rund 300 Teilnehmer aus fünf Kontinenten erstmals komplett online ein. Prof. Manuel Maglione von der Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Med-Uni Innsbruck wurde mit der Organisation betraut. Er sah dies als Chance, neue Maßstäbe für die Zukunft zu setzen, wie er im APA-Gespräch sagte.

Ziel sei es, auch “im virtuellen Raum alles zu bieten, was sonst in der realen Welt geplant gewesen wäre”, sagte Maglione. Zwischen 5. und 20. Dezember soll demnach eine virtuelle Plattform für Experten aus der ganzen Welt geschaffen werden, der Kongress an sich findet am 10. und 11. Dezember statt, sowohl in Form von Live-Paneldiskussionen als auch über bereits im Vorhinein aufgezeichnete Beiträge, die jederzeit auf der virtuellen Plattform abgerufen (on-demand) werden können. So wird Teilnehmern aus unterschiedlichen Zeitzonen die Teilnahme ermöglicht, erklärte Maglione die Entscheidung. Während des Kongresses werden insgesamt sieben Auszeichnungen an Wissenschafter verliehen, darunter der prestigeträchtige Walter-Brendel Preis oder der “Young Investigative Award” für junge Forscher unter 35.

Im Vorfeld seien insgesamt 253 wissenschaftliche Abstracts eingereicht worden, die unterschiedlichste Aspekte der chirurgischen Forschung behandelten, berichtete der Südtiroler Chirurg. “Die preisverdächtigen Einsendungen werden in den Live-Sessions besprochen, andere ausgewählte Ergebnisse in Vorträgen präsentiert. Eine Besonderheit des Kongresses sind auch die zahlreichen Impulsvorträge eingeladener, ausgewiesener Experten, um den Wissensaustausch zu intensivieren. Der Kongress lebe jedenfalls von der Interdisziplinarität und Vielfalt.

“Wir wollen die Teilnehmer einladen, über den eigenen Tellerrand zu blicken”, meinte Maglione, der selbst in der onkologischen Leber- und Pankreaschirurgie und in der Transplantationschirurgie seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte hat: “Deshalb legen wir in der Organisation auch größten Wert auf Interaktion.” Der virtuelle Raum biete viele, neuartige Möglichkeiten dazu. Engagement wolle man durch exzellente inhaltliche und technische Qualität der Vorträge erreichen. Experten stünden in Diskussionsforen zu bestimmten Schwerpunktthemen zum Austausch zur Verfügung. Um Networking auch virtuell zu ermöglichen, werde derzeit an unterschiedlichen Konzepten gearbeitet, mit Hilfe derer die Teilnehmer sich kennenlernen und austauschen können”. Ferner bestehe online die Möglichkeit, rund um die Uhr Fragen zu stellen.

Schwerpunkte habe man in diesem Jahr in der plastischen Chirurgie, der Transplantationschirurgie sowie der chirurgischen Onkologie gesetzt. So werde, erklärte Maglione, etwa darüber nachgedacht, wie Spinnenseide dabei helfen könnte, Nervenregeneration zu erleichtern. Gesprochen werde auch über Uterus- oder Penis-Transplantationen oder die Geweberegeneration nach einer tumorindizierten Leberoperation.

Austauschen könnten sich die Teilnehmer auch über technische Aspekte, wie robotische Chirurgie, oder zur Frage, wie man Erkenntnisse idealerweise aus der Forschung in die Praxis überführen kann. “Der Kongress behandelt aktuelle Themen von der Zelle bis zum Patienten selbst”, erläuterte der Mediziner und verwies darauf, dass sich dadurch die Möglichkeit biete, sich seinem Forschungsthema aus einer anderen Perspektive zu widmen und etwa die Konsequenzen akademischer Forschung für die Praxis besser nachzuvollziehen.

“Es ist eine Chance, die Zukunft mitzugestalten”, war sich Maglione jedenfalls sicher: “Online- oder Hybridkongress stellen in dieser Hinsicht die neue Realität und Zukunft dar. Da muss man sich anpassen, besser noch, aktiv mitgestalten.” Onlinekongresse und -konferenzen hätten den Vorteil, dass sie Zeit und Kosten sparen würden, zudem seien sie eine ressourcen- und umweltschonende Alternative zu großen Präsenztreffen: “Wir hätten sowieso geplant, diesen Kongress in Innsbruck als ‘Green Meeting’ abzuhalten”, meinte der Mediziner.

Er freue sich auf die Veranstaltung, und sehe sich und sein Team “was die Technik angeht, in guten Händen”. Ungewiss sei allerdings, inwiefern die neuartigen Möglichkeiten der Interaktion von den Teilnehmern angenommen werden. Sie hätten sich entschlossen “so viel wie möglich anzubieten”, sagte Maglione. Sie erhofften sich so “wertvolle Vorarbeit für künftige Medizinkongresse” zu leisten.

Von: apa

Bezirk: Bozen

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