Mitarbeitermangel beheben – ein Kommentar

„Pakt für Arbeit und Chancen“

Donnerstag, 06. Oktober 2022 | 01:03 Uhr

Bozen – Die Nachricht, dass Unternehmen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern suchen, schreckt das Land auf. Die Unternehmen zeigen mit dem Finger gerne auf den ungeliebten „Reddito di Cittadinanza“, aber so sehr das Bürgergeld einer grundlegenden Reform bedarf, dürfen nicht die Augen davor verschlossen werden, dass die meisten Ursachen für diese Misere hausgemacht sind.

Natürlich sorgt die Vollbeschäftigung dafür, dass die Südtiroler Arbeitnehmer „verwöhnt“ und wählerisch sind. Gerade die, die über eine gute Ausbildung verfügen, wünschen sich neben einem entsprechenden Gehalt auch eine angemessene Work-Life-Balance. Zudem werden die jungen Leute immer weniger, was dazu führt, dass viele Berufseinsteiger zwischen verschiedenen Arbeitsangeboten frei wählen können.

Der Hauptgrund aber ist, dass die Südtiroler Lebenshaltungskosten den Gehältern längst entwischt sind. Besonders die Kosten für die Miete oder den Kauf einer Wohnung sind exorbitant hoch. Zu allem Unglück kommt hinzu, dass die massiv gestiegenen Energiekosten die Lage auf dem Wohnungs- und Mietmarkt weiter verschärfen.

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Diese Tatsache hat gleich zwei negative Folgen. Gut ausgebildete junge Südtiroler, die im Ausland studiert haben, schrecken durch die im Verhältnis zu den hohen Lebenshaltungskosten zu geringen Einstiegsgehälter davor zurück, in die Heimat zurückzukehren. Viele süditalienische Arbeitnehmer und Ausländer hingegen, die durchaus Interesse daran hätten, nach Südtirol zu ziehen und hierzulande eine Stelle anzunehmen, müssen die bittere Erkenntnis machen, dass nach Abzug der Miete und aller anderen Lebenshaltungskosten vom Gehalt kaum mehr etwas übrigbleibt.

Südtirols Arbeitsmarkt befindet sich in einer Falle, so der traurige Befund. Aber es gibt mögliche Lösungen. Abgesehen davon, dass Südtirols Wohnbauförderung einer grundlegenden Reform bedarf, könnte für Arbeitnehmer, die nach Südtirol ziehen, vergünstigter Wohnraum geschaffen werden. Analog dazu könnten auch Heimkehrer mit verschiedenen Vergünstigungen unterstützt werden. Zugleich geht an die Arbeitgeber der Rat, auch geringqualifizierten, aber arbeits- und lernwilligen Arbeitssuchenden eine faire Chance zu geben.

Kritiker werden nun sagen, dass dies nicht nur neue Ungerechtigkeiten schaffen, sondern auch viel Geld kosten würde, aber langfristig ist die fatale Kombination aus Südtirolern, die nicht heimkehren, und Auswärtigen, für die es sich nicht lohnt, bei uns zu arbeiten, für Südtirol bedrohlich. Südtirol braucht einen „Pakt für Arbeit und Chancen“, der dem einheimischen Arbeitsmarkt neuen Schwung verleiht.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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24 Kommentare auf "„Pakt für Arbeit und Chancen“"


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Savonarola
1 Monat 19 Tage

Wir brauchdn keinen Zuzug aus dem Süden und wir müssen auch einen Abzug in den Norden vermeiden. Aber wenn Baufirmen Wohnungen bereits in neu zu errichtenden Kondominien schon an zahlungskräftige Bundesdeutsche und andere Leute von auswärts vorverkaufen (man braucht sich das nur im Grundbuchsamt anzuschauen), dann wird die Wohnungsknappheit nie geringer. Aber dieser Lobby steigt die Politik ja nicht auf die Füsse, nein, sie steigt mit der HIS-Erhöhung hauptsächlich den fleissigen und sparsamen Einheimischen auf die E&#r. Ich freue mich auf die nächsten Landtagswahlen.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 19 Tage

Der Wohnungs und Mietmarkt spielen bei dem Bericht bzw. Kommentar ne absolut untergeordnete Rolle! Es geht allgemein um den Arbeitsmarkt und die zu wenig gewordenen Arbeitskräfte. Verbieten zu wollen, Austausch von Arbeitskräften, egal ob von Süd nach Nord oder sonst wie, ist, sorry, kompletter Nonsens! Weder durchführbar noch rechtlich jemals in Ordnung! Und wenn, dann müssten wir als reiche Regionen ohnehin finanziellen Ausgleich bezahlen, was wir jetzt schon tun und dann eventuell noch mehr tun müssten! Wir sind ein Italien und ein Europa!

Savonarola
1 Monat 18 Tage

@N. G.

habe ich etwas von “verbieten” gesagt? Nein. Und auch wenn ein Thema eine “untergeordnete Rolle” spielen sollte, haben Sie nicht das Recht, mir abzusprechen, dazu Stellung zu nehmen. Im Übrigen steht dazu im Artikel “Der Hauptgrund aber ist, dass die Südtiroler Lebenshaltungskosten den Gehältern längst entwischt sind. Besonders die Kosten für die Miete oder den Kauf einer Wohnung sind exorbitant hoch.”

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 17 Tage

@Savonarola Merkwürdig das man dann an alken Ecken und Enden Personal aus dem Ausland einstellt. Davon kenne ich unzählige. Du malst ein Bild das es in der extremen Form nicht gibt. Übrigens auch der Kommentator des Berichts.
Zugegeben, es ist bei uns teuer aber doch nicht unbezahlbar!

Superredner
1 Monat 17 Tage
@N. G. bitte erzähle mir nicht, was die Informatik erreicht hat als 2-fach diplomierter Informatiker, Ingenieur und auch noch bald CAS diplomierter Fachspezialist im Gebiet. Die Informatik ist kein lineares Gebiet, sondern die Erkenntnisse und Entwicklungen sind exponentiell, ich hoffe du kennst den mathematischen Ausdruck. Wir haben vom mechanischen Zuse Computer bis fast 2000 gebraucht, um den Computer für einfachste Arbeiten einzusetzen (Zeitraum 50 Jahre), innerhalb von 2010 bis heute, haben wir alles digitalisiert und sind dabei künstliche Intelligenz zu integrieren. Wo es früher zig Leute gebraucht hat, ein Werkstück zu fertigen, braucht es heute ein Ingenieur, der gibt die… Weiterlesen »
Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

@Savonarola….wem soll man jetzt eigentlich noch glauben ? Dir, die ständig auf die wohlhabenden Bundesdeutschen draufthaut, weil sie den SüdtirolerInnen ihre total überteuerten Neubauwohnungen abkaufen, oder Denjenigen, die sich über die “armen” Deutschen lustig machen, die nur Mietwohnungen haben und nur mittels Krediten in Urlaub reisen können ? Irgendwas passt da nicht zusammen…..

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Kingu Steht nur ein einziges Wort darüber in meinem Kommentar? NEIN!
Noch einmal, für den hoch dekorierten (grins) “wer weiss was er alles ist ” Mensch : Vor 25 Jahren gab es die Diskussionen ob Automatisierung Jobs kostet und nicht Wenige waren davon überzeugt. Nichts von alledem ist eingetroffen. Du hast behauptet, wie diese “Spezialisten” damals, es wird jetzt so kommen. Das ist Quatsch!
Kleiner Tipp am Rande, selbst Einstein, hoch dekoriert wie du, hat sich mal geirrt GRINS
Auserdem stört mich deine latente unterschwellig rechts gesinnte politische Denke!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Kingu Jedenfalls, hätte ich bei so viel Studium mehr an intellektuellen Möglichkeiten erwartet. Was eigentlich nur beweist, erlerntes Wissen macht nicht zwangsläufig schlau oder intelligent. Was 2 verschiedene Dinge sind , sofern DU das weißt!

Superredner
1 Monat 16 Tage
@N. G. bist du der deutschen Sprache mächtig, anscheinend nicht. Fortschritt ist stets ein exponentieller Prozess, es wäre auch so gekommen, nur kam es zur Globalisierung. Man hat entsprechend Dienstleistungsbereiche ins Land geholt und die Produktion komplett ausgelagert, hätte man eines mit dem anderen nicht kompensieren können, wäre es sehr schlecht gelaufen, natürlich ist auch der Exportüberschuss unser grosser Retter gewesen. Das MIT hatte mit seiner Prognose definitiv recht, der Faktor Globalisierung hat vieles aufgeschoben und uns Arbeit gebracht, andere Staaten wiederum sind deswegen ausgebeutet worden und arm geblieben. Zusätzlich gibt es einen weiteren Denkfehler, Automatisierung radiert handwerkliche Jobs weg… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 19 Tage

In spätestens 5 Jahren wird ganz Europa dazu gezwungen sein jeden der irgendwo zur Verfügung steht, auszubilden und in Arbeit zu bringen. Nicht, wie sie heute behaupten, diese Leute wollen nicht… sie werden arbeiten, weul sie auch dürfen und wollen. Die Überalterung wurde komplett verpennt! Jedem der nach Europa kommt, wird ein roter Teppich ausgerollt werden.
Muss gestehen, auf die Zeit freu ich mich, denn dann gehts wenigstens den Rechten mal an den Kragen denn “nein” können sie dann nicht mehr sagen!

Savonarola
1 Monat 18 Tage

@ N. G.

dann geht es auch allen Speckfressern und Weinsäufern an den Kragen, auch denen, die deswegen über den Brenner kommen.

Faktenchecker
1 Monat 18 Tage

Die Fachkräfte sind bereits unterwegs,

“Zehntausende gut ausgebildete Russen auf der Flucht”

https://www.n-tv.de/politik/Zehntausende-gut-ausgebildete-Russen-auf-der-Flucht-article23619328.html

Superredner
1 Monat 18 Tage
@N. G. wovon träumst du sonst noch so am Abend eigentlich? In Österreich allein gibt es mehr Arbeitslose als vorhandene Stellen und in andere Staaten schaut es nicht anders aus. Wer sich ein wenig in meinem Bereich der Informatik/Maschinenbau auskennt, weiss dass die Automatisierung Millionen Menschen den Job kosten wird. Folgende Bereiche könnten theoretisch fast komplett automatisiert werden, bewirtschaften von Feldern, Langstrecken LKW Transport, Hochbau (3D Druck), Autobau (EV haben ein Bruchteil der Komponenten von Verbrenner), Bäckerei, Fischerei und Schiffsverkehr, Luftverkehr, teil des Bildungssystems, Nahverkehr (Busse und Taxis). TÜV Süd geht davon aus, dass bis 2035 circa 20% aller LKW… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 18 Tage
@Kingu Zuallererst,das Argument der Automatisierung und den angeblichen Stellenabbau dadurch wurde vor 25 Jahren diskutiert und alle diesbezüglichen Sorgen von damals wurden heute als unbegründet bewiesen! Altbacken zu erklären, dass alle Jobs dadurch entfallen würden. 25 Jahre alte Thesen! Jemand programmiert die Teile, jemand bedient sie und jemand fertigt sie und das sund dann qualifizierte bis hich qualifizierte Jobs und nicht Fließband! Gerade un drm Bereich scheinst du due Entwicklungen komplett verpennt zu haben! Gerade ich sage, bildet die Leute endlich aus, wir habrn nicht Hilfsarbeiter Jobs ohne Ende! Du würdest sie lieber irgendwo sitzen lassen und vom Staat leben… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 18 Tage

@Kingu Tja, Jeder 3. Arbeitsplatz wird un den kommenden 5 Jahren dur zukünftige Rentner weg fallen. Jetzt kannst du davon träumen wie du diese Arbeitsplätze auffüllen willst. Europaweit!
Erklär es uns!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 17 Tage
Superredner
1 Monat 17 Tage
@N. G. darüber hinaus wird man mit der derzeitigen Einwanderung in eines der schwächsten G10 Staaten rein nichts auffangen. Wir haben eine hoch qualifizierte Auswanderungswelle und eine Einwanderungswelle von minderwertiger Bildungsqualität und dann noch geschlechtermässig extremst einseitig. Ich weiss ja nicht, ob bei dir Männer aus Afrika und dem Nahen Osten Kinder kriegen können, aber sei dir versichert, dem ist nicht so. Der demografische Wandel wurde durch Einwanderung der letzten Jahre stark verschlimmert und schaut man die Geschlechterpyramide an, dann wird sich das demografische Problem höchsten ein wenig nach hinten verschieben. Von qualifizierter Einwanderung, welche geschlechtlich durchmischt ist, sind wir… Weiterlesen »
info
info
Superredner
1 Monat 20 Tage

Es wird an allen Ecken und Enden des Landes ein Wohnblock nach dem anderen in die Landschaft geknallt und dennoch bleiben die Wohnungen unerschwinglich. Vielleicht sollte man, im Rahmen der Möglichkeit, den Verkauf an Provinzfremde untersagen und vor allem einmal der touristischen Nutzung von Privatwohnungen einen Riegel vorschieben.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

@info…ich als 🇨🇭🇩🇪, also doppelter, nämlich Nationalitäts- und Provinzfremder, warte schon seit geraumer Zeit auf eine Ehrung durch eure Südtirol “Sprecherin”. Habe ich doch auf den Kauf einer Wohnung in Südtirol “verzichtet”…..

info
info
Superredner
1 Monat 15 Tage

“provinzfremd” war im Sinne von “nicht ansässig” gemeint. Danke für den Hinweis.

Fuchsschwoaf
Fuchsschwoaf
Grünschnabel
1 Monat 19 Tage

Wenn es mit den Energiepreisen so weiter geht, werden bald sehr viele Mitarbeiter gefunden werden bzw. immer weniger Betriebe noch einen Mitarbeiter brauchen, weil sie zusperren müssen.

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

Ganz einfach, für ALLE Einheimischen Sozialwohnungen zur Verfügung stellen und es werden automatisch die Eigentumswohnungen günstiger. Wäre halt mal ein Anfang, dann sieht man ja, wie es sich entwickelt.

Superredner
1 Monat 18 Tage
Kann mir nicht vorstellen, dass sich hier in Südtirol in den nächsten 15 Jahre etwas ändern wird. Das Wohnbau-Institut hat hauptsächlich nur für Geringverdiener und Einwanderer Unterkünfte zur Verfügung gestellt, die für den heimischen Markt ebenfalls nicht mehr zur Verfügung stehen, daneben werden alle privaten Wohnungen zu Kurzzeitunterkünfte für Touristen. Der Obstbau hat zumindest im Burggrafenamt und dem Vinschgau fast die restlichen möglichen Baugründe verschlungen, da bekommt man kein Baugrund selbst, wenn man wollte. Die Wohnungen selbst werden zu Höchstpreisen verkauft und zu den lächerlichen Gehältern in Südtirol sagen wir lieber nichts. Würde persönlich nie mehr in Südtirol wohnen wollen,… Weiterlesen »
Summer
Summer
Superredner
1 Monat 16 Tage
Warum der Reddito di Cittadinanza reformiert gehört, bleibt der Verfasser schuldig. Deshalb frage ich mal: Wer hat in Südtirol einen Anreiz die Arbeit zu lassen und von 750€ im Monat zu leben, wenn zur Deckung der Lebenskosten nicht mal mehr ein Gehalt reicht. Natürlich kann man den Blödsinn eines Herrn Taubers nachplappern, weil der sich billige ArbeiterInnen in der Gastronomie erhofft. Die kriegt er in Südtirol auch nach Abschaffung des Reddito nicht. Der Reddito ist nur im Süden interessant, wo der Monatslohn unter dem Reddito liegt, weil die ArbeiterInnen dort für weit weniger schwarz arbeiten müssen. Um also unwürdige und… Weiterlesen »
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