Die Lage in Haiti nach der Wirbelsturm-Katastrophe ist verheerend

Patientenansturm wegen Cholera-Ausbruch in Haiti

Mittwoch, 12. Oktober 2016 | 15:30 Uhr

Auf Hurrikan “Matthew” ist in Haiti der befürchtete Ausbruch von Cholera gefolgt. Im Spital Port-a-Piment im Südwesten des Landes wurden Dutzende Cholerapatienten aufgenommen. Es gibt nicht genügend Personal, Desinfektionsmittel, Betten etc. um einen derartigen Ansturm an Patienten bewältigen zu können, berichtete das Hilfswerk Austria.

Bisher sind folgende Cholera-Fälle von der WHO bestätigt: Grand Anse (148), Sud (53), Nord-West (sechs), und Artibonite (28). Sonja Schilling, Hilfswerk-Mitarbeiterin im Katastrophengebiet, schätzte am Mittwoch die Gefahr einer Cholera-Epidemie als realistisch ein: “Im Süden gibt es kein sauberes Trinkwasser, geschweige denn Kochsalzlösungen oder Medikamente. Es gibt kaum Gesundheitsstationen, da ‘Matthew’ die gesamte Infrastruktur zerstört hat.”

Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Denn Cholera entzieht dem Körper innerhalb weniger Stunden so viel Flüssigkeit, dass die Patienten oft sterben, noch bevor sie ein Cholera Treatment Center (CTC) erreichen. Die Verbreitung erfolgt rasant – alle Personen, die mit dem Patienten in Kontakt waren, müssen umgehend desinfiziert werden. Die Infizierung passiert meistens durch verunreinigtes Trinkwasser.

“Ich habe die Menschen hier noch nie so bedürftig erlebt”, berichtete Schilling. “Sie haben Angst, und unsere Hilfspakete mit sauberem Wasser und Nahrung werden langsam knapp. Wir brauchen dringen Hilfe.”

Nach der Naturkatastrophe werden in Haiti noch Dutzende Menschen vermisst. Mindestens 75 Einwohner werden noch gesucht, wie der Zivilschutz des bitterarmen Karibikstaates am Dienstag (Ortszeit) mitteilte. Die offizielle Zahl der Toten stieg auf mindestens 473, zudem gibt es 339 Verletzte. Rund 175.500 Menschen fanden Schutz in Notunterkünften. Retter beklagten, die Hilfe laufe nur langsam an. Zudem sei es schwierig, die Hilfsgüter in die Krisengebiete zu bekommen. Das Verteilungsproblem betreffe auch die Cholera-Impfdosen, die die UNO bereits nach Haiti geschickt hätten.

Die Bewohner der Bermuda-Inseln im Atlantik wappneten sich unterdessen gegen Hurrikan “Nicole”, der am Mittwoch nach Angaben des Hurrikan-Zentrums in Miami Windstärken von bis zu 155 Kilometern pro Stunde erreichte. Das Auge des Sturms sollte sich in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit) der Inselgruppe östlich der US-Küste nähern. Experten warnten vor Überschwemmungen und Sturzfluten.

In den USA wurde wegen des neuen Wirbelsturms ein Versorgungsflug des privaten Raumfrachters “Cygnus” zur Internationalen Raumstation ISS verschoben. Der eigentlich für Donnerstag geplante Start werde nun frühestens am Sonntag erfolgen, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA in der Nacht auf Mittwoch mit. “Cygnus” hätte nach seinem Start in Virginia über die Bermuda-Inseln fliegen sollen, zudem gibt es dort eine Überwachungsstation für den Frachter.

(S E R V I C E – Spendenkonto Hilswerk Austria: IBAN: AT71 6000 0000 9000 1002, Kennwort: Haiti)

Von: apa

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