In Peking werden wieder Massentestungen vorgenommen

Peking schottet sich nach Corona-Neuinfektionen zunehmend ab

Montag, 15. Juni 2020 | 19:29 Uhr

Aus Sorge vor einer neuen Corona-Welle schotten Pekings Behörden Chinas Hauptstadt zunehmend ab. Am Montag schlossen sie einen zweiten Großmarkt und stellten zehn weitere Wohngebiete in der Gegend unter Quarantäne, nachdem dort neue Fälle gemeldet wurden. Auch alle Veranstaltungsorte und Sportstätten wurden wieder geschlossen. Mehrere Städte warnten ihre Bewohner vor Reisen in die Hauptstadt.

In Peking wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 100 neue Infektionsfälle gemeldet. Der “Ursprung und das Ausmaß” dieses erneuten Ausbruchs in der chinesischen Hauptstadt würden untersucht, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Die chinesischen Behörden hätten vergangene Woche nach mehr als 50 Tagen ohne Neuinfektionen einen neuen Infektionsherd in Peking gemeldet.

Am Samstag war in der chinesischen Hauptstadt bereits den Bewohnern von elf Wohngebieten im südlichen Bezirk Fengtai das Verlassen ihrer Wohnungen untersagt worden, nachdem sich dort das Coronavirus ausgebreitet hatte. Diese Fälle verfolgten die Behörden zu einem Großmarkt für Fleisch, Fisch, Früchte und Gemüse in Fengtai zurück, der ebenfalls geschlossen wurde. Von den Maßnahmen sind inzwischen tausende Einwohner der Hauptstadt betroffen.

Die Stadt begann unterdessen, alle Arbeiter der beiden Märkte, Besucher und Anrainer auf das neuartige Coronavirus zu testen. In der ganzen Stadt wurden neue Test- sowie Quarantänezentren eingerichtet. Gleichzeitig soll in den Wohngebieten wieder bei allen Bewohnern die Temperatur gemessen werden.

Beamte des Bezirks Fentai hatten bereits am Wochenende eine Art Kriegszustand gegen das Coronavirus ausgerufen. Der Hauptmanager des dortigen Großmarkts wurde entlassen. Auch zwei ranghohe Bezirksvertreter mussten auf Anordnung der Pekinger Stadtregierung ihren Hut nehmen.

Die neuen Infektionsherde in Peking wirken sich inzwischen auch auf die Versorgung der Stadt mit frischen Lebensmitteln aus. In einem Supermarkt im Zentrum waren die Regale mit Früchten komplett leer geräumt – alles Obst aus dem Großmarkt in Fengtai war am Wochenende entfernt worden, den Rest kauften panische Kunden auf.

China gilt als Ausgangsland der Pandemie. In der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan waren Ende des vergangenen Jahres erste Fälle der Ansteckung von Menschen mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt worden. Durch dann seit Ende Jänner verhängte strikte Ausgangsbeschränkungen wurde die Ausbreitung des Virus laut offiziellen Angaben weitgehend unter Kontrolle gebracht.

Bei der Mehrzahl der Infektionsfälle, die danach noch in der Volksrepublik festgestellt wurden, handelte es sich nach Angaben der Behörden um Chinesen, die aus dem Ausland zurückgekehrt waren. Dies ist nun aber bei den in den vergangenen Tagen aufgetretenen Ansteckungsfällen anders: Bei ihnen wurde das Virus innerhalb des Landes übertragen und nicht “importiert”.

Am Montag registrierten die Behörden allerdings wieder zehn importierte Fälle. Insgesamt sind in China wieder 177 Menschen an Covid-19 erkrankt – so viele wie seit Anfang Mai nicht mehr.

Von: APA/ag.

Kommentare

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6 Kommentare auf "Peking schottet sich nach Corona-Neuinfektionen zunehmend ab"


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pusteblume
pusteblume
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

Tja, do kennan miar lai noch China schaugn… Wenn in China die 2. Welle kimmp, kimmp sie ba ins a. Die Chinesen sein do viel genauer gwesn als miar mit Masken usw. Ba ins isch iatz bold olls wieder sou, wias vor corona gewesen isch… Die Lait holtn sich uanfoch zu wenig an die Vorschriften. Und iatz kemman die Touristen…. Mol schaugn…

Obelix
Obelix
Neuling
1 Monat 22 Tage

I glab a dass des nit so schnell vorbei isch. Ober vielleicht hobmer Glück 😅

ma che
ma che
Superredner
1 Monat 22 Tage

Nur bei uns wird es keinen 2. Lockdown geben. Denn die Leute nehmen lieber für ihre “Freiheit” die Toten in Kauf. Solange die Intensivstationen nicht überfüllt sind interessiert das “gestorben im Altersheim, oder zuhause” niemanden. Es gilt ja einzig und allein die Überlastung der Spitäler zu vermeiden und das ist einfach, wenn sich niemnad aufregt, wenn die Kranken nicht mal mehr ins Krankenhaus gebracht werden 😉

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

@ma che
so brutal es klingt, aber ein 2. lockdown würde mehr Tote bringen als das Virus selbst! (Suizide, vermehrte Tumore und andere Krankheiten weil keine Vorsorgevisiten im Krankenhaus, Zusammenbruch der Wirtschaft mit soziale Aufstände, Armut, …).

ma che
ma che
Superredner
1 Monat 22 Tage

@Jiminy
Was die Visiten betrifft, da wirds jetzt witzig (eher traurig). Viele Abteilungen können nicht mal mehr vormerken, da dies das Programm nicht so weit im Voraus zulässt. Unsereins hat sich bereiterklärt auch bis 22:00 Uhr und auch das Wochenende in den Ambulatorien zu arbeiten, aber das ist dem … zu teuer. Offizielle Begründung: Personalmangel. Also macht euch auf was gefasst.
Aber wie war das noch gleich: wer im KH arbeitet darf sich nicht beschweren, da er ja von vornherein wusste auf was sich einlassen. Also gilt dies nun auch für den Patienten 😉

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 21 Tage

In Wuhan waren das anfangs auch nur (angeblich) Einzelfälle. Jetzt kommt es aus Peking. Ich fürchte, wir können uns auf einiges gefasst machen. Das Virus kennt keine Grenzen und findet unendlich viele Wege.

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