Untersuchungen am Unglücksort

Pipeline-Brand in Mexiko – Opferzahl auf 79 angestiegen

Sonntag, 20. Januar 2019 | 15:26 Uhr

Mindestens 79 Menschen sind durch eine Explosion an einer Benzinleitung am Freitagabend in Mexiko ums Leben gekommen. Die Zahl der Todesopfer nach der Explosion einer Benzinleitung in Mexiko ist auf 79 gestiegen. 66 Verletzte würden noch in verschiedenen Krankenhäusern behandelt, teilte der mexikanische Gesundheitsminister Jorge Alcocer am Sonntag mit.

Nahe der Pipeline hatten sich zum Zeitpunkt des Vorfalls am Freitag nach Medienberichten mehrere Hundert Menschen befunden. An der Leitung in der Stadt Tlahuelilpan war zuvor ein Leck entstanden, Anrainer näherten sich, um das Benzin in Eimern oder Kanistern mitzunehmen. Lokale Medien berichteten, die Flammen nach der Explosion seien bis zu 20 Meter hoch gewesen. Rund um die Pipeline bleib nur verkohlte Erde.

Videoaufnahmen zeigten das Chaos nach dem Unglück: Flammen schlagen meterhoch aus der Pipeline in den schwarzen Nachthimmel. Menschen rennen in Panik schreiend in alle Richtungen davon.

In der Nähe der Leitung befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion zwischen mehreren Hundert bis sogar 1.000 Menschen, wie lokale Medien berichteten. An der Kraftstoff-Pipeline in der Stadt Tlahuelilpan, rund 80 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt, hatte sich ein Leck gebildet, Anrainer näherten sich, um das Benzin in Kübeln oder Kanistern mitzunehmen.

Nach ersten Untersuchungen ist es möglich, dass die Explosion durch Reibung der Kleidung der Menschen, die sich um das Leck gesammelt hätten, und einer davon ausgelösten elektrischen Reaktion entstanden sei, berichtete Mexikos Generalstaatsanwalt Alejandro Gertz Manero. Aus der Leitung sei neben Benzin auch Gas ausgetreten. Festnahmen oder Anklagen gab es bisher nicht.

Bei den Ermittlungen würde nichts ausgeschlossen, sagte Präsident Andres Manuel Lopez Obrador. Die Wahrheit über die Hintergründe werde herausgefunden und die Verantwortlichen bestraft, so der Linkspolitiker. Die Strategie im Kampf gegen den Benzin-Dienstahl werde nicht geändert. “Wir werden nicht nachgeben.”

Viele der Verletzten hätten schwere bis sehr schwere Verletzungen erlitten, sagte Fayad. Einige Menschen seien von Angehörigen als vermisst gemeldet worden, berichtete ein Reporter des Fernsehsender “Milenio TV”. Es sei jedoch unklar, ob sie tot oder in einem Krankenhaus seien. Viele der Todesopfer seien zu stark verbrannt, um sie schnell identifizieren zu können. Im Tageslicht am Samstag zeigte sich das Ausmaß des Brandes – um die Pipeline ist die Erde meterweit schwarz verkohlt.

Am Freitagnachmittag war nach Angaben des Fernsehsenders “Milenio TV” eine Öffnung an der Leitung gemeldet worden. Der staatliche Mineralölkonzern Pemex erklärte, es habe sich um einen illegalen Anzapf-Versuch an der Pipeline zwischen den Städten Tuxpan und Tula gehandelt. Als sich die Nachricht herumsprach, eilten Menschen zu der Leitung, um dort Benzin abzufüllen.

Der Benzin-Diebstahl ist ein großes Problem in dem lateinamerikanischen Land. Nach Pemex-Angaben wurde im vergangenen Jahr alle 30 Minuten versucht, illegal eine der Pipelines anzuzapfen. Fayad rief nach dem Unfall die Bevölkerung auf, sich nicht am Benzin-Diebstahl zu beteiligen: Dies sei lebensgefährlich.

Ende Dezember begann die Regierung damit, das Verteilungssystem angesichts der massiv gestiegenen Zahl von Anzapf-Versuchen zu ändern. Einige Leitungen wurden geschlossen, der Sprit wird in bewachten Tanklastern transportiert. An vielen Tankstellen führte das in den vergangenen Wochen zu langen Warteschlangen und Panikkäufen. Ob wegen des Benzin-Engpasses so viele Menschen in Tlahuelilpan die vermeintliche Chance auf Benzin nutzen wollten, ließ sich zunächst nicht bestätigen. Lokale Medien berichteten, in der Region habe Sprit gefehlt.

In der Nacht nach dem Unglück versuchten Menschen zur der Unfallstelle zu gelangen, um nach Familienangehörigen zu suchen. Soldaten und Polizisten hielten sie zurück. Nun wird auch die Frage lauter, warum das Gebiet um das Leck in der Benzinleitung nicht schon vor der Explosion abgeriegelt wurde. Ein Video des Fernsehsenders “Milenio TV” zeigt bewaffnete Soldaten vor der Explosion bei der Pipeline – sie lassen die Menschen mit Kanistern seelenruhig in Richtung des Lecks gehen.

Von: APA/dpa