Langfristige Wirkung von Umweltveränderungen wird erforscht

Projekt zum Langzeit-Monitoring im Nationalpark Hohe Tauern gestartet

Freitag, 03. November 2017 | 07:40 Uhr

Ein im vergangenen Sommer begonnenes Forschungsprojekt im Nationalpark Hohe Tauern möchte die langfristige Wirkung von Umweltveränderungen auf die belebte Natur aufzeigen. Während beim Klima langfristige, standardisierte Beobachtungen selbstverständlich sind, ist das bei Naturräumen nicht der Fall.

“Langfristigkeit und Standardisierung kommt in der Biologie zu kurz”, sagte Christian Körner, Mit-Initiator des Projekts und emeritierter Professor an der Universität Basel. Das soll nun das aktuelle Projekt leisten, das im Rahmen des sechsten internationalen Symposiums für Forschung in Schutzgebieten in Salzburg vorgestellt wurde.

Dafür haben die Forscher an fünf Orten im Alpenraum biologische Beobachtungsstationen eingerichtet. Drei Stationen liegen im Nationalpark Hohe Tauern, jeweils eine in Salzburg, Kärnten und Osttirol. Die übrigen Stationen befinden sich in Südtirol und der Schweiz. In rund 2.500 Metern Seehöhe sind jeweils mehrere ein Meter breite und rund zehn Meter lange Gradienten eingerichtet, an denen die Entwicklung der Naturräume genau und standardisiert beobachtet wird.

Der Forschungsansatz ist interdisziplinär und umfasst Zoologie, Botanik, Mikrobiologie, Gewässer- und Bodenkunde. Sehr wichtig sei, dass ein Nationalpark Träger dieses langfristigen Projekts sei, erklärte Körner. “Universitäten ändern sich. Die Interessen fluktuieren mit Professoren und politischen Strömungen. Nationalparks bleiben langfristig da”, sagte Körner.

Der Nationalpark Hohe Tauern biete aus mehreren Gründen gute Voraussetzungen für ein derartiges Projekt, meinte der Wissenschafter. So ist das Forschungsgebiet langfristig vor direkten menschlichen Eingriffen geschützt. “Wir gehen in den alpinen Raum nicht, weil er so wichtig ist, sondern weil wir dort Ungestörtheit haben und auf kleinem Raum viel mehr Pflanzen- und Tierarten als woanders haben. Derartige Bedingungen finde ich nirgendwo anders vor”, sagte Körner. Hier werde ein Fundament für jahrzehntelange Forschung gelegt, so der Botaniker.

Das Projekt ist in das internationale LTER-Programm (Long-Term Ecological Research) eingebettet. In der ersten Etappe soll bis 2019 die Methodik entwickelt werden, die in einem Handbuch festgehalten werden soll. Das Budget für die erste Etappe beträgt 540.000 Euro und wird je zur Hälfte aus EU- und Bundesmitteln finanziert.

Von: apa

Bezirk: Pustertal

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