Demonstranten erinnerten an die Opfer der Schlammlawinen-Katastrophe

Proteste gegen Baukonzern nach Dammbruch in Brasilien

Dienstag, 29. Januar 2019 | 15:36 Uhr

Mit einer morbiden Kunstperformance haben Demonstranten in Rio de Janeiro an die Opfer der Schlammlawinen-Katastrophe im brasilianischen Brumadinho erinnert und schwere Vorwürfe gegen den Bergbaukonzern Vale erhoben. Rotbraun beschmierte Menschen legten sich am Montag (Ortszeit) vor das Vale-Hauptquartier im Stadtteil Botafogo und hinterließen ihre Handabdrücke an einer Glaswand.

Eine schwarz verhüllte Frau trat als Tod auf, weitere nicht verkleidete Demonstranten enthüllten Plakate und beschrieben die Wände mit Slogans wie “Es war kein Unfall, es war ein Verbrechen”, “Mörder” und “Gerechtigkeit für Brumadinho”.

Der Ort im Bundesstaat Minas Gerais war am Freitag nach einem Dammbruch bei einer Vale-Eisenerzmine von einer Schlammlawine überrollt worden. Mindestens 65 Menschen starben, die Rettungskräfte bargen immer noch Leichen aus den Erdmassen. 279 Menschen wurden noch vermisst, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. Die Opferzahl dürfte deshalb noch steigen. “Leider ist es sehr unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden”, sagte Feuerwehrsprecher Pedro Aihara im Fernsehsender Globo News.

Unterstützt wurden die lokalen Rettungskräfte von rund 130 israelischen Soldaten, die an die Unglücksstelle gereist waren. Sie brachten unter anderem Geräte zur Ortung von Handysignalen im Schlamm mit. Während dieser langsam trocknete, kämpften sich die Einsatzkräfte an bisher unzugängliche Stellen vor. Mit Stäben sondierten sie den Untergrund und gruben nach Verschütteten.

Fünf Verdächtige, die für den Dammbruch verantwortlich sein sollen, wurden festgenommen. Bei den Festgenommenen handelt es sich um drei Angestellte des Konzerns und zwei Mitarbeiter des Münchner Unternehmens TÜV Süd. Die Staatsanwaltschaften in Sao Paulo und Minas Gerais teilten mit, zwei der Festgenommenen seien leitende Manager der Mine Corrego do Feijao. Nach weiteren sieben Beschuldigten werde gefahndet. Die Staatsanwaltschaften ermittelten wegen Mordverdachts, Dokumentenfälschung und Umweltverbrechen.

Die Dreikönigsaktion (DKA) der Katholischen Jungschar bat unterdessen um Spenden für die Opfer des Unglücks. Das Hilfswerk sei im ständigen Kontakt mit Projekt-Partnern an Ort und Stelle, so Kathpress am Dienstag. Die Menschen stünden vor dem Nichts, ihre Existenzen seien zerstört. Mit einem Soforthilfepaket will die Dreikönigsaktion den Betroffenen nun rasch und unbürokratisch helfen.

Von: APA/dpa