Die Zweitangeklagte bekannte sich nicht schuldig

Prozess um getötete Friseurin ohne Hauptangeklagten

Donnerstag, 01. September 2016 | 15:16 Uhr

In Eisenstadt hat am Donnerstag der Prozess um den gewaltsamen Tod einer Friseurin in Potzneusiedl (Bezirk Neusiedl am See) begonnen. Da der an Krebs erkrankte Hauptangeklagte nicht erschien, wurde vorerst nur gegen die 53-jährige Mitangeklagte verhandelt. Der Frau, die mit dem Mann befreundet war, wurde Beitragstäterschaft zum Mord und Hehlerei zur Last gelegt. Sie bekannte sich nicht schuldig.

Der Hauptangeklagte soll im September des Vorjahres der 57-Jährigen in ihrem Haus in Potzneusiedl ein Messer in die Brust gerammt und ihr dann mit einem Stahlrohr sechs wuchtige Schläge auf den Kopf versetzt haben, schilderte Staatsanwalt Roland Koch die Tat, die zum Tod der Friseurin geführt hatte. Der Zweitangeklagten werde nicht zur Last gelegt, “dass sie selbst das Messer geführt hat oder das Stahlrohr”. Jedoch habe sie dazu beigetragen, dass der Angeklagte die Tat begehen konnte, erläuterte Koch. Die 53-Jährige habe gewusst, dass der Hauptangeklagte die 57-Jährige umbringen wolle. Sie habe ihm die Schlüssel für ihr Auto überlassen, mit dem beide in der Tatnacht nach Potzneusiedl gefahren seien.

Die 53-Jährige bekannte sich vor Gericht “nicht schuldig”. Zuvor hatte ihr Anwalt Werner Tomanek erläutert, dass sie zwar zugebe, dass sie in der Tatnacht mit dem Hauptangeklagten unterwegs gewesen sei, jedoch nicht um dessen Absicht, die Frau zu töten, gewusst habe. “Sie ist hier in etwas hineingeschlittert und nicht mehr herausgekommen”. Der Mann sei zu dieser Zeit “ein gewaltbereiter, sehr dominanter Mann” gewesen, führte Tomanek aus.

Am Nachmittag kamen die Sachverständigen zu Wort: Bei der Obduktion der getöteten 57-Jährigen sei ein 17 Zentimeter langer Stichkanal festgestellt worden, führte die Gerichtsmedizinerin aus. Die Wucht sei so groß gewesen, dass das Messer die zweite Rippe durchstoßen und auch den Brustkorb durchdrungen habe. Das Opfer hatte auch fünf Rissquetschwunden linksseitig am Kopf, die von den Schlägern mit dem Stahlrohr herrührten. “Drei dieser Schläge waren massivst”, erläuterte die Gutachterin. Sie führten jeweils zu Schädelbrüchen. Bezüglich des Todes der Friseurin sprach die Medizinerin von einer “Konkurrenz der Todesursachen”- sowohl der Stich als auch die Schläge seien letal gewesen.

Insgesamt wurden über 90 Proben begutachtet, erläuterte die mit der Untersuchung der DNA-Spuren beauftragte Sachverständige. DNA des Hauptangeklagten habe sich sowohl an etlichen Stellen am Körper als auch am Nachthemd des Opfers befunden. Am Pullover des 53-Jährigen wurde eine Spur vom Opfer sichergestellt.

Nach der Erörterung der Gutachten wurde der Prozess auf den 14. September vertagt. Dann könnte es zumindest im Fall der Zweitangeklagten ein Urteil geben.

Von: apa

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