Der Angeklagte am Landesgericht Klagenfurt

Prozess um Wörthersee-Bootsunfall in Klagenfurt

Dienstag, 17. April 2018 | 17:35 Uhr

Zu Beginn des Prozesses um den tödlichen Bootsunfall am Wörthersee im Juni 2017 hat sich der Angeklagte am Dienstag im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Klagenfurt nicht schuldig bekannt. Auch der Zweitangeklagte, ein 33-jähriger Klagenfurter, wies die Vorwürfe zurück. Die Befragung der beiden Angeklagten ergab in der Folge zwei stark divergierende Beschreibungen des Unfallhergangs.

Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen könne sich der Unfall nicht so ereignet haben, wie es im Strafantrag ausgeführt sei, bemängelte Alexander Todor-Kostic, der Anwalt des Erstangeklagten zu Prozessbeginn und fügte hinzu: “Eigentlich befinden wir uns jetzt gerade mitten im Ermittlungsverfahren.” Sein Mandant habe kein einziges sogenanntes “Eindrehmanöver” gefahren, das spätere Opfer aber sehr wohl. Dieses habe seinem Mandanten von hinten ins Steuer gegriffen, Opfer und Lenker seien dabei ins Wasser gefallen.

Daher könne sein Mandant auch nicht den Rückwärtsgang eingelegt haben. Die Alkoholisierung des Angeklagten sei unbestritten, sei aber nicht kausal, weil der Unfall auch in nüchternem Zustand durch das Ins-Lenkrad-Greifen nicht zu verhindern gewesen wäre. Auch Georg Schuchlenz, Anwalt des zweiten Angeklagten, wies die Darstellung des Staatsanwalts zurück. Er erklärte, der Strafantrag sei “aus der Hüfte geschossen” gekommen.

Richter Matthias Polak rekonstruierte in seiner Vernehmung zuerst den Ablauf jenes Tages und den Alkoholkonsum des Angeklagten, danach widmete er sich dem Unfallhergang. Der Erstangeklagte schilderte daraufhin seine Sicht der Dinge. “Ich hatte beide Hände von ihm vor mir im Lenkrad, dann hat es nicht einmal eine halbe Sekunde gedauert und ich flog ins Wasser”, sagte der Angeklagte. Er sei ziemlich hoch nach links hinten weggeflogen. “Ich bin durchaus weit vom Boot weggeschleudert worden, was für mich ein Glück war.” Als er aufgetaucht sei, habe er das Boot gesehen, etwa in zehn bis 15 Meter Entfernung. Einer der am Boot Verbliebenen habe ihn registriert, kurz darauf sei klar gewesen, dass das Opfer verschwunden war. Der Bootsführer habe dann angeordnet, nach dem Verschwundenen zu tauchen.

Die Befragung der Angeklagten ergab anschließend zwei stark divergierende Beschreibungen des Unfallhergangs. Staatsanwalt Christian Pirker wollte vom angeklagten Niederösterreicher wissen, ob das Opfer sich an ihm festgehalten habe, als dieser ins Lenkrad gegriffen hätte. Das verneinte der Angeklagte. Als der Eingriff erfolgt sei, habe er gerade in eine leichte Rechtskurve gelenkt, das Opfer habe daraus eine scharfe Rechtskurve gemacht. Der Sachverständige wollte dann wissen, warum es dem Angeklagten beim zweitem Griff des Opfers ins Lenkrad nicht mehr gelungen sei, das zu verhindern. Der Angeklagte meinte dazu, das Opfer habe da offenbar wesentlich kräftiger zugepackt.

Der Angeklagte sagte, das Boot sei “katapultartig” nach links gekippt, als er von Bord gegangen sei, zuvor sei es eine scharfe Rechtskurve gefahren. Richter Matthias Polak wies ihn darauf hin, dass er vorher ausgesagt habe, er sei unmittelbar nach dem Griff ins Lenkrad schon durch die Luft geflogen. Der Angeklagte meinte, es sei eine Ausnahmesituation gewesen, als sein bester Freund plötzlich nicht mehr da gewesen sei.

Der Bootsführer bekannte sich bei der Vernehmung durch Richter Polak ebenfalls nicht schuldig. Er sei für den Zustand des Bootes verantwortlich gewesen, habe auch vor der Abfahrt alles kontrolliert. Die erste Strecke sei er gefahren, er sei aber davon ausgegangen, dass der Angeklagte an diesem Tag das Boot noch lenken würde. Der Richter wollte dann wissen, ob er nicht bemerkt hätte, dass zum Essen mehrere Flaschen Wein bestellt worden seien, in Hinblick auf eine mögliche Alkoholisierung des Erstangeklagten. Das verneinte der 33-Jährige, er habe auch keine offensichtlichen Anzeichen von Trunkenheit bemerkt.

Einen Versuch des späteren Opfers, dem Angeklagten ins Lenkrad zu greifen, habe er nicht wahrgenommen, erklärte der 33-Jährige auf Nachfrage des Richters. Eine derartige Aktion wäre ihm aller Wahrscheinlichkeit nicht entgangen. Auch hätte er ihn angewiesen, Derartiges zu unterlassen, wenn es vorgekommen wäre. Er sagte auch, der Angeklagte sei “Eindrehmanöver” gefahren, was dieser in seiner Vernehmung bestritten hatte. Dabei habe er aber keinerlei Probleme gehabt, sich festzuhalten und sie daher auch nicht als gefährlich eingestuft.

Den Unfall schilderte der 33-Jährige dann so: “Es wurde dann sehr stark eingelenkt, viel stärker als bei den vorherigen Manövern.” Dabei sei der Erstangeklagte am Steuer gesessen, sagte er auf Nachfrage des Richters. Er habe sich zuerst noch festhalten können, sei dann aber aus dem Boot geschleudert worden. Er habe gemerkt, dass das Boot noch in Bewegung gewesen sei. Zuerst habe das Boot geschwankt, “da ist sehr viel Wasser über die Backbordseite eingedrungen”. Dann sei das Boot rückwärtsgefahren, und zwar mit hoher Motordrehzahl. “Dann habe ich den Rumpler gehört.” Er habe sofort gedacht, es sei etwas in die Schiffsschraube gekommen. Er sei aufgestanden und habe “sofort einen riesigen Blutfleck gesehen”. Das Boot sei zu diesem Zeitpunkt noch langsam rückwärtsgefahren, er habe dann den Gashebel sofort auf Null gestellt.

Zwischen dem Einlenkmanöver und dem “Rumpler” vergingen laut dem Klagenfurter nur wenige Sekunden. Als er den Gashebel abgestellt habe, hätte sich der Erstangeklagte im Wasser befunden, etwa zehn bis 15 Meter vom Boot entfernt. Dass er bei der Polizei gesagt habe, der Erstangeklagte hätte den Rückwärtsgang eingelegt, sei eine Annahme von ihm gewesen, gesehen habe er es nicht.

Der angeklagte Niederösterreicher wies die Aussagen des Bootsführers zurück. So habe er nicht einmal gewusst, wie man ein solches “Eindrehmanöver” durchführe und sich erst nachträglich darüber informiert.

Die ersten Zeugen, die im Prozess zu Wort kamen, waren die beiden Freunde des Angeklagten und des Opfers, die mit im Boot gewesen waren. Ihre Aussagen stützten im Wesentlichen die Version des angeklagten 45-jährigen Niederösterreichers. Wie es zu dem Unfall selbst gekommen war, konnten beide nicht sagen.

Auch ein Zeuge, der den Unfall vom Ufer aus zufällig beobachtet hatte, wurde gehört. Wesentlich neue Erkenntnisse brachte seine Vernehmung aber nicht. Als letzter Zeuge des Tages wurde jener Beamte vernommen, der an dem Abend im Einsatz gewesen war. Er schilderte, dass man sich als erstes um die Rettungsmaßnahmen gekümmert habe. Der Angeklagte habe erklärt, dass er das Boot gelenkt hätte, danach sei ein Alkotest vorgenommen worden. Das Boot habe im sichtbaren Bereich keine Auffälligkeiten gezeigt, außer dass Wasser im Boot gewesen sei. Er habe auch Fotos vom Boot angefertigt. Die weiteren Vernehmungen in der Causa habe er nicht geführt, da der Akt am nächsten Tag vom Landeskriminalamt übernommen worden sei.

Anschließend wurde das medizinische Gutachten erörtert. Der Experte erklärte ausführlich, wie die Alkoholisierung des Angeklagten berechnet worden war und welche Parameter dabei angewendet wurden. Todor-Kostic versuchte erneut unterzubringen, dass die Alkoholisierung für den Unfallhergang nicht relevant wäre und daher nicht berücksichtigt werden dürfte. Richter Polak sah das allerdings anders. Anschließend wurde das technische Gutachten diskutiert, im Mittelpunkt stand dabei die verbogene Schiffsschraube, die beschlagnahmt worden war. Die Verhandlung wurde in der Folge auf Donnerstag vertagt.

Von: apa

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