Auf der Anklagebank sitzt ein Algerier

Prozess: Zelle angezündet, weil keiner Arabisch sprach

Donnerstag, 13. April 2017 | 16:22 Uhr

Ein Häftling der Justizanstalt (JA) Wien-Josefstadt, der am 16. Oktober 2016 seine Zelle in Brand gesetzt hatte, hat sich am Donnerstag in Wien vor Gericht verantworten müssen. Nach der Einvernahme der verletzten Mitgefangenen und zahlreicher Justizwachebeamter wurde die Verhandlung aber auf den 12. Mai vertagt. Das Gericht will auch noch zwei Beamte hören, die keine Zeugenladung erhalten hatten.

Bei dem Feuer waren die drei Zellengenossen des Mannes schwer, einer sogar lebensgefährlich verletzt worden. Elf Justizwachebeamte erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten im Spital behandelt werden. Die angezündete Zelle wurde komplett zerstört. Sachschaden: 50.000 Euro.

Die Anklage legt dem 32-Jährigen Brandstiftung und absichtliche schwere Körperverletzung zur Last. Dazu bekannte sich der Mann auch schuldig. Seinen Angaben zufolge legte er Feuer, um seine Verlegung in einen anderen Haftraum zu erzwingen: “Die Insassen haben kein Wort Arabisch geredet. Ich wollte nicht dortbleiben.” Dass er damit auch das Leben anderer in Gefahr brachte, war ihm bewusst: “Wenn die Justizwache nicht eingegriffen hätte, wären wir tot. Alle.” Er habe “einen schlechten Tag erwischt. Ich war voller seelischer Unruhe”, sagte der Angeklagte.

Auf die Frage des Richters, ob die Situation lebensbedrohlich gewesen sei, meinte der 32-Jährige: “Stellen Sie die Frage so, dass ich antworten kann.” Richter Christian Noe legte mit einer “verbesserten” Fragestellung nach, worauf der Angeklagte antwortete: “Ich habe gewusst, dass das eine gefährliche Situation ist. Aber ich war mir sicher, dass die kommen werden. Die lassen uns nicht sterben.”

Der Nordafrikaner hält sich eigenen Angaben zufolge seit elf bis zwölf Jahren in Europa auf und war 2013 nach Österreich gekommen. Nach einem negativen Asylbescheid und drei Vorstrafen sollte er abgeschoben werden. Im Polizeianhaltezentrum (PAZ) fiel er durch aggressives Verhalten auf und sollte, nachdem er einen Putzkübel zertrümmert hatte, in eine besonders geschützte Zelle verlegt werden. Dagegen wehrte er sich, indem er um sich schlug und einen Polizisten zu Boden brachte. Danach schlug er auf den Beamten ein.

Daraufhin wurde der Algerier in die JA Josefstadt verlegt, wo am 15. Oktober 2016 über ihn die U-Haft wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung verhängt wurde. Die Zelle, in die er zunächst kam, passte ihm nicht. “Das Zimmer hat mir nicht gefallen. Die anderen haben gebetet in dem Zimmer”, erläuterte er dem Gericht. Die JA verlegte den 32-Jährigen am folgenden Tag in eine Vier-Mann-Zelle. Auch dort fühlte er sich nicht wohl: “Ich konnte mich mit ihnen nicht verständigen.” Dass die Zellengenossen des Mannes ihm Zigaretten schenkten und ihm Essen überließen, änderte nichts daran, dass er auf der Stelle in einen anderen Haftraum übersiedeln wollte. Um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, zertrümmerte er kurzerhand ein Fernseh- und ein Radiogerät.

Als ihm die Justizwache klar machte, dass es spät am Abend sei und er jedenfalls die Nacht über in der Zelle bleiben müsse, sei er “wie ein Verrückter herumgegangen. Ich wollte mit allen Mitteln verlegt werden”, erklärte der Angeklagte. Deswegen habe er seine Matratze mit einem Feuerzeug angezündet und die drei Mitgefangenen daran gehindert, die Flammen zu löschen, indem er sich mit zwei Speisemessern bewaffnete und die anderen Männern bedrohte. Die Flammen breiteten sich rasch aus. “Ein kleines Zimmer und ein Riesenfeuer. Ich wollte die Wachebeamten auf mich aufmerksam machen”, gab der Algerier zu Protokoll. Es sei “ein bisschen Rauch” in der Zelle gewesen, “aber ich wollte niemanden verletzen. Meine Absicht war, dass ich verlegt werde.”

Erst als sich derart dichter Rauch ausgebreitet hatte, dass man kaum mehr etwas sehen konnte, gelang es einem der Zellengenossen, den Alarmknopf zu drücken. Als sich ein Wachebeamter über die Sprechanlage meldete und fragte, was los sei, feixte der Algerier: “Was ist los, was ist los? Kartoffel mit Soße.” Das sei “der eine Satz, den ich hier in Österreich gelernt habe”, gab er dazu auf Befragen des Vorsitzenden an.

Schließlich rückte die Betriebsfeuerwehr an und dämmte die Flammen ein. Die drei Mitgefangenen des Algeriers wurden schwer verletzt. Einer erlitt ein massives Inhalationstrauma und Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Ein weiterer trug ein posttraumatisches Belastungssyndrom davon, das einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen ist. Der Algerier selbst blieb unverletzt – er hatte während des Brandes im Nassbereich der Zelle den Kopf immer wieder unter fließendes Wasser gehalten.

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Prozess: Zelle angezündet, weil keiner Arabisch sprach"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Staenkerer
14 Tage 18 h

de leid kennen lei unzufriedn heit,fordern u. sell werd mit gewollt untermauert! u. tien se a no im gfängnis u.nde solln ormut kennengelernt hobn?
sell glab woll niemand!
de hobn vor nix u. niemand respekt u. werns a nie lernen!
u. de solln integriert wern, jo wie? u. wo? u. von wem?
de welln ondre unterwerfn u. nit integriert wern!

ThunderAndr
ThunderAndr
Superredner
14 Tage 16 h

Also der stellt Forderungen… als ob er im Hotel wär! Das Leben ist kein Wunschkonzert

Alpenrepuplik
Alpenrepuplik
Universalgelehrter
14 Tage 5 h

Nun frage ich mich als erstes warum wurde er vor der Inhaftierung nicht gründlich durchsucht???? Feuerzeug dabei, Speisemesser???? Is ja wie im Hotel. Nun würde ich dich empfehlen denn netten freundlichen Herren SOFORT in en Flugzeug nach Algerien zu setzen…..ich bin überzeugt dort ist er besser aufgehoben…..dort sprechen alle arabisch.

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