Im September wurden schon 1.000 neue Brände gezählt

Regenwälder im Amazonasgebiet stehen in Flammen

Samstag, 05. September 2020 | 13:31 Uhr

Kein Tag zum Feiern: Trotz eines Verbots von Brandrodungen und eines massiven Militäreinsatzes steht der Regenwald im Amazonasgebiet weiter in Flammen. Allein in den ersten Septembertagen wurden im brasilianischen Amazonasgebiet rund 1.000 Feuer registriert, wie aus den Daten des Weltrauminstituts Inpe hervorgeht. Präsident Jair Bolsonaro bezeichnete indes Umweltschutzorganisationen als “Krebs”.

Im August waren es fast 30.000 Brände gewesen. Am Samstag begeht Brasilien den Tag des Amazonas und erinnert damit an die Gründung der Provinz Amazonas durch Prinz Pedro II. im Jahr 1850.

“Brandrodungen sind zwar derzeit offiziell verboten, doch es geht ungebremst weiter. Die Umweltbehörden wurden entmachtet, Polizeibehörden kontrollieren kaum und Verstöße haben keine Konsequenzen”, sagt Juliana Miyazaki von der Gesellschaft für bedrohte Völker. “Auslöser der Waldbrände sind meist illegale Rodungen. Es wird entwaldet, das Holz trocknet, dann wird Feuer gelegt. So werde neue Flächen für wirtschaftliche Aktivitäten wie das Agrobusiness frei.”

“Ihr wisst, dass die NGOs mir nichts zu sagen haben”, sagte der rechtsextreme Präsident Bolsonaro in seiner wöchentlichen Facebookübertragung. “Ich bin streng mit diesen Leuten, aber ich schaffe es nicht, diesen Krebs zu töten, den die meisten NGOs darstellen.”

Bolsonaros Zorn wurde insbesondere durch die Kampagne “Defundbolsonaro.org” (etwa: Entzieht Bolsonaro die Gelder) geweckt, die eine Umweltgruppe diese Woche gestartet hatte. Potenzielle Investoren werden damit aufgerufen, ihr Engagement in Brasilien von der Verpflichtung zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes abhängig zu machen. Im Juni hatten bereits internationale Investmentfonds mit einem Gesamtvolumen von vier Billionen Dollar (3,38 Billionen Euro) von der brasilianischen Regierung einen Kurswechsel in der Umweltpolitik gefordert.

Mitte Juli hatte die brasilianische Regierung das Abbrennen von Flächen im Amazonas-Gebiet eigentlich für 120 Tage untersagt. Zur Überwachung des Verbots wurden Soldaten in die Region geschickt. Dass Bolsonaro die Abholzung und Brandrodung allerdings tatsächlich eindämmen will, darf bezweifelt werden. Der Ex-Militär hat immer wieder betont, die Region künftig noch stärker wirtschaftlich nutzen zu wollen.

An der starren Haltung in Brasilien könnte sogar die größte Freihandelszone der Welt zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur scheitern. Angesichts der anhaltenden Abholzung des Regenwaldes sei die Unterzeichnung des Abkommens derzeit kein gutes Signal, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt. In Frankreich, Irland und Österreich wird der Vertrag ohnehin kritisch gesehen.

Auch in anderen Ländern im Amazonasbecken herrscht Alarmstimmung: In Kolumbien würden bewaffnete Gruppen die Wildhüter aus den Schutzgebieten vertreiben, berichtete die Umweltschutzorganisation WWF. “Illegaler Holzhandel, Bergbau und Landraub sind attraktive Möglichkeiten für diese kriminellen Organisationen, sich zu finanzieren”, sagte die Kolumbienexpertin beim WWF, Julia Gorricho. “Darunter leiden wird nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen vor Ort, insbesondere Indigene.” Die Entwaldung in Kolumbien stieg in den ersten vier Monaten des Jahres um rund ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum in 2019.

Von: APA/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Regenwälder im Amazonasgebiet stehen in Flammen"


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Missx
Missx
Kinig
26 Tage 5 h

Und Schuld ist die endlose Gier nach Fleisch

Mezcalito
Mezcalito
Tratscher
26 Tage 35 Min

nein, die Gier nach Geld

der echte Aaron
der echte Aaron
Superredner
25 Tage 23 h

@Missx
Die Gier nach Soja…..

Missx
Missx
Kinig
25 Tage 21 h

@Mezcalito
Die Gier nach dem Geld, das aus Massentierhaltung stammt.
Momentan fressen die Nutztiere der Welt Lebensmittel, das den Kalorienbedarf von 12 Milliarden Menschen decken würde.
Es braucht Platz um diese Futtermittel zu produzieren. Dafür muss der Amazonas weichen.

Missx
Missx
Kinig
25 Tage 21 h

@der echte Aaron
Das Soja, das an unsere Masttiere verfüttert wird.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
25 Tage 20 h

@Missx….das ist doch für dich als Vegetarierin die Gelegenheit, wieder einmal die große Keule gegen die “unnützen” Fleischfresser zu schwingen. Würdest du den Tieren nicht so viel “Grünfutter” und “Körner” wegessen, könnte man bestimmt den einen oder anderen Hektar ungerodet lassen. Übrigens, in den “ehemaligen” Regenwäldern Brasiliens werden hauptsächlich Palmenplantagen zur Gewinnung von Palmöl und Palmfett angepflanzt.

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
25 Tage 20 h

@Missx
super Missx, ja, da könnt ihr Minus drücken wie viel ihr wollt, jeder von euch Fleischfresser (hauptsächlich aus den grossen Supermarktketten) ist mitverantwortlich für den Tod der Regenwälder!
Höchstens 2 mal die Woche Fleisch und vom Biobauer oder Einheimischen Kleinbauer, das reicht vollkommen!

Missx
Missx
Kinig
25 Tage 20 h

@Jiminy
Zurück zum Sonntagsbraten. Aber Billigfleisch a la deutsches Tönnies ist angesagt!

Missx
Missx
Kinig
25 Tage 19 h

@Jiminy
So trau ich mich das gar nicht zu sagen, aber ja Jimini, so ist es.
Ganz schön empfindlich die Fleischesser, sobald man auf die Missstände aufmerksam macht, aber hart genug um Tiere abzumurksen und den Amazonas anzuschüren.

nok
nok
Superredner
25 Tage 17 h

Und wo werden Sojabohnen angebaut?

Spiegel
Spiegel
Superredner
25 Tage 10 h

Absolut richtig dazu ist vegetarisch ungesund!

Ninni
Ninni
Universalgelehrter
26 Tage 1 h

Das ist einfach nur Arg 😥

pinko_pallino
pinko_pallino
Grünschnabel
25 Tage 23 h

Hanf ist die Zukunft. Es kann Holz ersetzten, wächst schnell und überall. Papier aus hanf hält länger. Hanffasern sind strapazierfähiger. Ist ein sehr gutes isoliermittel usw…

Missx
Missx
Kinig
25 Tage 21 h

Zuerst wird abgeholzt, das was an Pflanzen übrig bleibt wird verbrannt um Ackerflächen zu schaffen
Das Holz selbst ist nicht schuld, das alles angezündet wird. Die Bäume würden ja nachwachsen, aber es werden Soja und Palmölpflanzen gepflanzt

berthu
berthu
Universalgelehrter
24 Tage 17 h

Wenn bei uns ein Bauer sein Erdäpfelkraut anzündet, setzt es Anzeigen und Strafen, Heizkamine sollen gefiltert sein, Verbrennermotoren sollten weg, aber dort dürfen die “investoren” ihr Geld einsetzen die Lunge der Welt zu zerstören, abgesehen von der Luftverschmutzung. Und woher kommt das Geld? Von vielen Leuten die an den Klimakonferenzen teilnehmen…Europa steckt Klimaziele-Trump, Rußland, China u.a. lachen darüber. Aber jeden Tag den Großteil der Nachrichten über Corona füllen, selten mal das wirklich tragische der Umweltfrefel. Die Namen dieser Täter wären interessanter, als Namen von einzelnen Coronainfizierten oder Nicht-Geimpften.

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