Corona-Herd beim Fleischverarbeiter zieht weite Kreise

Regionaler Lockdown, Reihentests nach Tönnies-Ausbruch

Dienstag, 23. Juni 2020 | 18:42 Uhr

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen zieht Konsequenzen aus dem größten einzelnen Corona-Ausbruch in Deutschland. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet verhängte am Dienstag einen Lockdown über den gesamten Kreis Gütersloh mit rund 370.000 Menschen. Dort hatten sich über 1.500 Mitarbeiter eines Schlachthofs des Fleischverarbeiters Tönnies mit dem Virus infiziert.

“Wir führen wieder eine Kontaktbeschränkung wie im März ein”, sagte Laschet in Düsseldorf. Diese solle bis zum 30. Juni gelten. In dieser Zeit soll verstärkt im Kreis getestet werden, um Klarheit zu erhalten, ob das Virus auf die Bevölkerung abseits des Schlachthofs übergegriffen hat. Ein Reiseverbot verfügte Laschet indes nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet, dass die Menschen sich auch in den nächsten Monaten auf ein Leben mit Einschränkungen einstellen müssen. Man werde das Virus kontinuierlich im Land haben, lokale Ausbrüche werde es wohl weiter geben.

“Wir haben es im Kreis Gütersloh mit dem bisher größten einzelnen Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland zu tun”, sagte Laschet. Der Ausbruch berge “ein enormes Pandemie-Risiko”. 1.553 Mitarbeiter des Tönnies-Schlachthofs seien positiv auf das Virus getestet worden, Zentrum innerhalb des Schlachthofs sei die Fleischzerteilung mit besonders harten Arbeitsbedingungen gewesen. Neue Fälle könne es aber auch im familiären Umfeld der Mitarbeiter geben. Deshalb sei die Zahl der Infizierten wohl höher. Außerhalb des Umfelds des Schlachtbetriebs gebe es nur 24 Infizierte. Der Ausbruch war in der vergangenen Woche bekanntgeworden.

Grillen im öffentlichen Raum werde wieder untersagt, Bars und “gastwirtschaftliche Thekenbetriebe” geschlossen. Ein “Ausreiseverbot” für Bürger des Kreises gebe es aber nicht. Sie könnten ihren Urlaub planen, hieß es.

Rund 7.000 Tönnies-Mitarbeiter befinden sich bereits in Quarantäne, für 50.000 Kinder seien Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, Tests seien beschleunigt worden, sagte Laschet. Jetzt gehe es auch darum, das Einhalten der Quarantäne sicherzustellen: “Zur Not müssen die Behörden auch mit Zwang diese Maßnahmen durchsetzen.” Fragen des Schadenersatzes gegen die Firma Tönnies könnten nach der Krise geprüft werden.

Der massive Corona-Ausbruch trifft auch die Menschen in den westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf hart. Kurz vor Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen (NRW) schränken die Behörden den Alltag von mehr als 640.000 Einwohnern in der Region um die größte deutsche Fleischfabrik erheblich ein.

Auch ein Betrieb der für die Marke Wiesenhof bekannten PHW-Gruppe ist von der Problematik betroffen. Beim Test von 50 Personen aus dem Betrieb im niedersächsischen Wildeshausen habe es bei 23 ein positives Ergebnis gegeben, teilte der Landkreis Oldenburg am Dienstag mit.

Das Unternehmen Geestland Putenspezialitäten (GPS), das den Schlachthof führt, kündigte an, dass nun alle 1.100 Mitarbeiter auf Covid-19 getestet werden sollen. Die Ergebnisse sollten bis Freitag vorliegen. GPS gehört mehrheitlich der PHW-Gruppe.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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15 Kommentare auf "Regionaler Lockdown, Reihentests nach Tönnies-Ausbruch"


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Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Wie man sieht, kann es JEDEN erwischen! auch die, die meinen alles besser gemacht zu haben …. alles im Griff zu haben ……. wäre so etwas in Italien passiert, wären die Grenzen wohl schon zu 

versteherin
versteherin
Grünschnabel
1 Monat 18 Tage
Typisch Tante Mitzi…”auch die, die meinen alles besser gemacht zu haben” usw. Sachlich argumentieren geht bei dir nicht, was hat denn das, was bei Tönnies passiert ist, damit zu tun, dass man etwas besser machen wollte???? Bitte mach endlich eine Therapie gegen deine Deutschenabneigung, denn darum gehts ja mal wieder, ( wie meistens in deinen Kommentaren) auch, wenn du diesmal versuchst, nicht direkt D oder die Deutschen zu nennen. Das, was passiert ist, kann wirklich überall passieren, denn Arbeiter aus dem Osten werden europaweit ausgebeutet. Aber hier in Südtirol haben sie beim Äpfelklauben oder im Gastgewerbe sicher alle beste Bezahlung… Weiterlesen »
meinungs.freiheit
1 Monat 18 Tage

Deutschland riegelt die Umgebung ab, das hat den Vorteil dass die Wirtschaftlichen und Psychischen Schäden im Land geringer bleiben als in Italien.

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage
@versteherin ….  leg dir endlich einen anderen Nick zu! verstehen gehört nicht zu deinen Stärken!  Wenn bei Tönnies 1.500 (oder mehr) Menschen infiziert werden, dann hat das laut meinem Verständnis doch damit zu tun, dass die Sicherheitsmaßnahmen nicht beachtet wurden! oder irre ich mich?? ….Bei uns jedenfalls sind die Corona Maßnahmen in den Betrieben so streng, dass sie teilweise wirklich schwer einzuhalten sind – trotzdem bemüht man sich!  vielleicht haben solche Mitarbeiter in Südtirol auch nicht die beste Bezahlung – ich bin aber sicher, dass sie nicht so menschenunwürdig untergebracht werden! und ja: ich meinte genau Deutschland damit!  und ich… Weiterlesen »
Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage
Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

mitzl,
welches Virus lässt sich wie an einer Grenze zurückweisen?

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Nicht zu fassen eine Firma die über 1000 Fleischverabeiter hat, sie zum Teil behandelt wie Scheine, das ist schon krass. Das muss man sich bildlich einmal vorstellen. Ansonsten in D alles so heikel u.s.w. Ich hoffe alle überstehen die Qarantäne gut und denken über Hygiene und den Sauhaufen nach.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 18 Tage

Ist ja nur Vieh. Beim töten eines Bären bisst ja auch nicht so zimperlich

gogogirl
gogogirl
Grünschnabel
1 Monat 18 Tage

Hoffentlich bleiben de olle draußen, sunst isch italien wieder schuld

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

jo jemand krieg bestimmt die Schuld!  desmol wahrscheinlich die Rumänen 

versteherin
versteherin
Grünschnabel
1 Monat 18 Tage

Ich hoffe, deine Loyalität gegenüber Ausländern ist aufrichtig und nicht nur Mittel zum Zweck in deinen Kommentaren. Das wäre schade!

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Bravo Herr Laschet 🙈, zuerst aus Profilierungssucht als Erster, gegen den Rat der Experten und die Linie der Bundesregierung, alles gelockert und jetzt ???? Es wäre an der Zeit, dass Sie zusammen mit Herrn Laumann abtreten. Lasch und Lau war ihre Politik gegenüber diesem Ausbeut- und Schmuddelbetrieb schon seit Jahren.

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
1 Monat 18 Tage

Hallo nach Südtirol,

eigentlich ein “Glücksfall” für die Forscher.

Man hat einen grossen Personenkreis an Infizierten die daheim in Quarantäne sitzen. Und weil sie eh daheim sitzen können sie ausführlich ausgefragt werden, Kontakte,Bewegungsprofile.
Ihre gesundheitliche Entwicklung beobachten..
Ich würde diese Leute auch sehr gut bezahlen, jedem pro Woche Mitarbeit einige hundert Euro zahlen.

Was wirklich Sorge macht: Jeder darf die Landkreise Gütersloh und Warendorf verlassen wie er mag, da war man nicht konsequent.
Das wird eine gewaltige Fluchtbewegung geben aus dem Landkreis hinaus

Gruss nach Südtirol

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Tratscher
1 Monat 18 Tage

Mal sehen, ob / wie sich der windige Laschet da rauswindet:
Tönnies-Spenden an CDU: Nimmt Fleischkonzern Einfluss auf Politik?
https://www.rnd.de/politik/tonnies-spenden-an-cdu-nimmt-fleischkonzern-einfluss-auf-politik-XNBNJEBFTRFE3CDFRFKYOYTNXM.html

Guennl
Guennl
Tratscher
1 Monat 18 Tage

Mir graust vor unserem Speck. Wer kauft wo seine Hammen ein?

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