Es drohe eine Notstandssituation einzutreten

Salzburger Landeskliniken bereiten Triage vor

Dienstag, 16. November 2021 | 19:22 Uhr

Aufgrund der drohenden Überlastung bereiten sich die Salzburger Landeskliniken bereits auf eine mögliche Triage vor. Dafür wurde ein Triagierungsteam nominiert. Von der Geschäftsführung der Salzburger Landeskliniken (SALK) gab es einen dramatischen Hilferuf an das Land Salzburg. Dieses will nun die dritte Impfdosis vorziehen, um die Spitäler zu entlasten, kündigte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) an.

In den Kliniken können die Behandlungen weiterer Patienten nach geltenden medizinischen Standards und Sorgfaltsmaßstäben bald nicht mehr garantiert werden. Es drohe eine Notstandssituation einzutreten, in der intensivmedizinische Triagierungen vorgenommen werden müssen. Die SALK haben inzwischen ein sechsköpfiges Triagierungsteam nominiert, das aus fünf Medizinern verschiedener Fachbereiche – darunter ein Internist, ein Intensivmediziner und ein Palliativarzt – und einer Juristin besteht, sagte SALK-Sprecher Wolfgang Fürweger am Dienstagvormittag zur APA. Dieses Team müsse dann entscheiden, welche Patienten noch intensivmedizinisch behandelt werden können.

Aufgrund der derzeitigen Lage sei zu befürchten, dass die gesetzliche Verpflichtung, “Patienten nur nach den Grundsätzen und anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft ärztlich zu behandeln, trotz aller gesetzten Maßnahmen nicht mehr durchgängig und vollinhaltlich erfüllt werden kann”, schreibt SALK-Geschäftsführer Paul Sungler in einer der APA vorliegenden “Überlastungsanzeige”. Im Non-Covid-Bereich des Uniklinikums würden bereits 272 Betten fehlen. “Im Intensivbereich befinden wir uns in der letzten vorgesehenen Stufe des Intensiv-Stufenplans. Eine weitere Eskalation darüber hinaus sei aus heutiger Sicht nicht leistbar”, heißt es zudem in einem Papier.

Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) hatte zunächst gegenüber den “Salzburger Nachrichten” betont, dass die Überlastungsanzeige formaljuristisch wichtig und richtig sei, weil es dabei auch um elementare Haftungsfragen der Ärzte und der Krankenanstalten gehe, wenn keine Patienten mehr aufgenommen oder entsprechend den medizinischen Erfordernissen behandelt werden können.

Haslauer kündigte via Aussendung an, die Spitäler sehr rasch zu entlasten und die Auffrischungsimpfung in Salzburg schon vier Monate nach der zweiten Dosis realisieren zu wollen. Darüber hinaus will das Land die zuletzt ohnehin stark hoch gefahrenen Impfkapazitäten noch einmal aufstocken.

Als Sofortmaßnahmen in den SALK soll dort nun eine Covid-Transferstation für stationäre Covid-Patienten aufgebaut werden, die zwar noch Corona-positiv sind, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht nach Hause können und betreut werden müssen. Entlastung erwartet sich die Politik auch von einer Reha-Anstalt, die Patienten aufnimmt, die keine stationäre Betreuung in den Spitälern brauchen, aber ebenfalls nicht zu Hause versorgt werden können. In Abstimmung mit der Ärztekammer soll die Behandlung von Covid-Patienten auch dezentral durchgeführt werden.

Wie dramatisch die Lage ist, schilderte den “SN” auch ein Spitalsarzt. “Es herrscht jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit, wessen Patient zuerst operiert werden könne. Der mit dem Tumor oder der mit dem kaputten Herz.” Für Betroffenheit sorgte am Dienstag auch ein Bericht auf “ORF Salzburg”, wonach die jüngste Patientin mit einer Covid-Erkrankung auf einer Intensivstation ein vierjähriges Mädchen ist. Das Kind leide nach einer Corona-Infektion an der Multiorgan-Entzündung PIMS, einer Covid-Folgewirkung. Gleichzeitig muss auch ein Fünfjähriger mit Covid-19 auf der Kinderintensivstation behandelt werden.

Neben dem Hilferuf der SALK an die Politik appellierte Klinik-Sprecher Fürweger heute auch an die Bevölkerung, die vorgeschriebenen Corona-Bestimmungen einzuhalten. “Es macht unsere Leute grantig, wenn etwa ein Arzt nach einem 12-Stunden-Dienst auf dem Heimweg noch im Supermarkt ein Frühstück besorgt und dort auf Menschen ohne Maske trifft. Am Anfang haben die Menschen geklatscht, aber so etwas ist jetzt wie eine Verhöhnung.”

Am Nachmittag hat sich dann auch der grüne Koalitionspartner der ÖVP für einen möglichst schnellen harten Lockdown eingesetzt. “Wir brauchen Kontaktbeschränkungen”, sagte LHStv. Heinrich Schellhorn in einer Videopressekonferenz. Der Bund müsse für Salzburg und Oberösterreich schnell weitere Maßnahmen setzen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Schellhorn schlug heute vor, Gastronomie und Veranstaltungen für zwei Wochen zu schließen und die Maskenpflicht auf größere Versammlungen im öffentlichen Raum auszudehnen. Dazu solle in der Oberstufe wieder Home Schooling gelten und möglichst viel Arbeit auf Home Office umgestellt werden. “Es zeigt sich ganz klar, dass die bisherigen Maßnahmen nicht für eine Trendwende beim Infektionsgeschehen ausreichen.” Mit Haslauer sei er hier aber nicht einer Meinung, sagte Schellhorn. “Der Landeshauptmann ist noch nicht so weit. Aber ich glaube, dass ein Lockdown unvermeidbar ist.”

Von: apa

Kommentare

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31 Kommentare auf "Salzburger Landeskliniken bereiten Triage vor"


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Sun
Sun
Superredner
16 Tage 14 h

Triage aufgrund vieler Impfverweigerer, unsere Ellenbogengesellschaft erreicht wohl einen neuen Höhepunkt.

cane-sulla-cinghia
16 Tage 12 h

jojo gebs lai olm in di ungeimpftn di schuld😂 aendern tuat sich nix drun… de wos bis jetzt net geimpft sein werdn sich a nimmer impfen…

Faktenchecker
16 Tage 9 h

Früher oder später erwischt es Alle.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

@cane-sulla-cinghia
…dann müssen wir halt Triage auch in Kauf nehmen…der Impfstatus wird dabei eine Rolle spielen…
😆

machiaweli
machiaweli
Grünschnabel
16 Tage 8 h

Die pfleger im Krankenhaus freuen sich auf ungeimpfte. Da sind sie extra nett

Krotile
Krotile
Universalgelehrter
16 Tage 14 h

Und alles nur, weil sich die Menschen nicht impfen lassen!   ich würde mir wünschen, dass es hauptsächlich nicht geimpfte trifft!  aber die würden höchstens noch vor dem KH protestieren! 🙈🙈🙈

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 12 h

Naja, nicht “nur”. Wäre die Impfung zu 100% wirksam, könnte man das so sagen, aber ein Restrisiko besteht immer.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

…bei Triage wird Impfstatus berücksichtigt…
😄

falschauer
16 Tage 10 h

das kann doch nicht wahr sein op werden bereits verschoben, ärzte und pfleger sind im dauerstress und das weil nahezu 40% der bevölkerung nicht geimpft sind, also hier hat erstens die politik total versagt und überhaupt nicht bzw viel zu spät reagiert, diese fehler können sie nun auch nicht mit 2g ausbaden und zweitens scheint sich die bevölkerung offensichtlich auf einem anderen planeten zu erwägen, auf welchem es corona nicht gibt, denn sonst hätten sie sich anders verhalten

Storch24
Storch24
Kinig
16 Tage 9 h

Natürlich kann man immer wieder der Politik die Schuld geben. In einem Punkt sicher, hätte impfpflicht für alle eingeführt

falschauer
16 Tage 6 h

@Storch24

zu deiner info ist diese situation in S und OÖ nicht ein zufall, genau dort sind nämlich impfkritische parteien im vormarsch und bei denen kann sich das volk nun bedanken, dies als ergänzung zu den politischen fehlentscheidungen

Storch24
Storch24
Kinig
16 Tage 9 h

Und dann wir entschieden zwischen einem 60 jährige (sehr fit) und einem 45 jährigen Kettenraucher. Wahrscheinlich zugunsten des 45😳😳jährigen

Sun
Sun
Superredner
16 Tage 8 h

@storch , dem 75ährigen Geimpfte wird gegenüber dem 45jährigen ungeimpften leider nicht den Vortritt gegeben, eigentlich eine eine Schande.

Offline1
Offline1
Superredner
16 Tage 6 h

@Sun und @Storch24…seid froh, dass ihr hier munter spekulieren könnt und nicht die Entscheidung vor Ort treffen müsst….

Storch24
Storch24
Kinig
16 Tage 6 h

Sun, ich habe von einem 60 jährigen geschrieben…..

Storch24
Storch24
Kinig
16 Tage 6 h

Offline, stimmt, wie recht sie haben. Niemand zu beneiden

Sun
Sun
Superredner
16 Tage 5 h

@offline, ja bin ich froh, ändert aber leider nichts an der Tatsache.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
16 Tage 7 h

Schade, dass Ärzte bei einer Triage nur den Gesundheits bzw. die Überlebenschance eines Menschen beurteilen. Müssen! Ansonsten würde ich bei der Beurteilung vorher auch ne Impfbestätigung fordern und miteinfliessen lassen!

Offline1
Offline1
Superredner
16 Tage 6 h

@N. G….meine Antwort an @sun und @Storch24 gilt auch für Dich…

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
16 Tage 4 h

👍👍alle Ungeimpften verschicken, dann wären die KH ja fast Covid-Free….

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

@Offline1 Mein Kommentar hat mit deinem nichts zu tun. Wenn alle geimpft wären, wäre in den Kliniken nur halb so viel los.
Ichb habe nie bestritten und es ist Fakt, das zu viel gespart wurde. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun.
Und nach der Pandemie brauchts zwar auch mehr Leute aber nicht alle die es jetzt bräuchte!

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

@Offline1 Nochmal zu mitlesen! Wenn die Salzburger Ärztin vor sich nen ungeimpften und einen geimpften Patienten liegen hat und sich dann bei der Triage für den Impfgegner entscheiden muss, dann wird ihre Arbeit ins Lächerliche gezogen, denn der eine hätte was tun können und der andere hat wenigstens was unternommen. Die selbe Ärztin hätte ihm vorher aber zur Impfung geraten. Das ist vollkommen absurd! Drausen warten dann nich 10 auf ihre Entscheidung, 9 Ungeimpfte und ein Geimpfter.
Absolut Lächerlich und ich an ihrer Stelle würde hin schmeißen.. Rutsch mir doch den Buckel runter ..!

Unioner
Unioner
Grünschnabel
16 Tage 8 h

Egoismus hat noch nie etwas gebracht. Ich erlebe täglich im Krankenhaus die Respektlosigkeit und fehlende Wertschätzung. Jeden kann eine Erkrankung umhauen und wir sollten alle zusammenhalten und gemeinsam kämpfen.

machiaweli
machiaweli
Grünschnabel
16 Tage 8 h

Die Schwurbler glauben keinem der im kh in erster Linie arbeitet…. Die sind ja alle bezahlt…. Nein unterbezahlt… Je nachdem wies braucht

snip
snip
Superredner
16 Tage 11 h

Es ist wurscht wen es trifft, die Triage ist immer übergreifend über alle Krankheiten. Deswegen ist es jetzt relevant für alle ob jemand nicht geimpft ist oder riskant Motorrad fährt.
Wir sind zum Schluss immer eine Gesellschaft die zusammen lebt.

Dagobert
Dagobert
Kinig
16 Tage 7 h

snip

Mochschtr schun Sorgn??

snip
snip
Superredner
14 Tage 12 h

Ja sicher. Leider vor allem um die Kinder in insrer Gegend miassen sie wenn sie Krankenhauspflichtig sein bis zu 200km verlegt werden.
Und Salzburg tut mir echt load

Offline1
Offline1
Superredner
16 Tage 8 h

Ärzte und Pflegekräfte arbeiten seit beinahe zwei Jahren weit über der Belastungsgrenze. Und dann sollen sie auch noch die Verantwortung übernehmen zu entscheiden, wer weiterbehandelt wird und wer nicht. Das ist ein Skandal und zeigt sowohl das vollkommene Versagen als auch die Folgen der Sparpolitik in der Gesundheitspolirik bzw. die Geldgier der privatwirtschaftlichen Krankenhausbetreiber.

Sumsi
Sumsi
Tratscher
16 Tage 6 h

Ungeimpfte sollten sich dann bitte hinten anstellen!

brum.nit
brum.nit
Grünschnabel
16 Tage 10 h

Traurige gschicht!

wellen
wellen
Universalgelehrter
15 Tage 16 h

Hilfe! Trige bedeutet Zusamnenbruch des Gesundheitssystems. Danke Ungeimpfte

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