2.200 Osttiroler Haushalte noch ohne Strom

Schneechaos: Straßensperren und Stromversorgungsprobleme in Tirol

Montag, 07. Dezember 2020 | 16:55 Uhr

Die starken Schneefälle in Teilen Tirols haben vor allem in Osttirol und dem Ötztal zahlreiche Verkehrsbehinderungen und Stromversorgungsprobleme nach sich gezogen. Viele Bundes- und Landesstraßen waren geschlossen, auch die Brennerbahnlinie konnte bis zum Nachmittag nicht befahren werden. Zudem waren Montagnachmittag noch 2.200 Osttiroler Haushalte ohne Strom, hieß es seitens der Tinetz.

“Durch die aktuelle Wettersituation und die prognostizierten Schneefälle am Dienstag kommt es immer wieder zu neuen Störungen im Netz und wir müssen auch in den nächsten Tagen weiter damit rechnen”, sagte Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder in einer Aussendung. Während in Osttirol noch vor allem im Villgraten- und Lesachtal Stromprobleme vorherrschen, konnten diese im Ötztal Sonntagabend weitgehend behoben werden. “Wir können aber noch keine Entwarnung geben”, hieß es von der Tinetz. 150 Haushalte waren im Ötztal noch ohne Strom. Umgeknickte Bäume in den Leitungen seien oftmals dafür verantwortlich.

Am Nachmittag wurde die Brennerstrecke in Österreich wieder für den Zug-Nahverkehr bis zum Brenner freigegeben – auf Südtiroler Seite werde die Streckensperre jedoch bis Dienstag andauern. Ein Schienenersatzverkehr zwischen Bozen und Innsbruck wurde eingerichtet, Fernverkehrszüge wenden allerdings in Innsbruck. Zudem konnte die Drautalstrecke von Lienz bis Innichen nicht bedient werden. Solange es die Wettersituation zulasse, werde es aber einen Schienenersatzverkehr geben, hieß es von den ÖBB. Es wurde dennoch dazu geraten, sich vor dem Reiseantritt über die aktuelle Lage zu informieren.

Auf den Straßen war die B108 zwischen Huben und Matrei in Osttirol sowie die Felbertauernstraße zwischen Matrei und Mittersill nicht befahrbar. Auch die B100 war aufgrund eines Erdrutsches zwischen Lienz und Leisach gesperrt und die B111 von Obertilliach bis Maria Luggau sowie weitere Landesstraßen in Osttirol. Im Ötztal war die B186 zwischen Zwieselstein und Hochgurgl bzw. zwischen Neudorf und Sölden zu. Auch in Nordtirol waren weitere Landesstraßen wegen Erdrutschen – wie etwa in Urgen im Oberland – oder wegen Lawinengefahr gesperrt.

Die Brennerautobahn wurde in den frühen Morgenstunden wieder für den Verkehr freigegeben. Die Brennerstraße (B182) musste dagegen wegen Hangrutschungen zwischen dem Gasthof Stefansbrücke und der Abzweigung Schönberg für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen bis voraussichtlich Weihnachten gesperrt werden, hieß es vom Land. Der Abschnitt zwischen Schönberg und Matreiwald soll ab 17.00 Uhr für den Verkehr freigegeben werden.

Indes waren am Montag vier Hubschrauber in Osttirol auf Erkundungsflügen für Lawinenkommissionen, Gemeinde-Einsatzleitungen, die Landesgeologie und die Tinetz im Einsatz. In Nordtirol führte ein Bundesheerhubschrauber Erkundungsflüge für die Lawinenkommissionen und den Lawinenwarndienst durch. “Der Landeshubschrauber ist für Krankentransporte von Dialysepatientinnen und -patienten ins Bezirkskrankenhaus Lienz, Erkundungsflüge für Lawinenkommissionen und Leitungsbefliegungen für die Tinetz unterwegs. Zwei private Hubschrauber sind ebenfalls für Lawinenkommissionen und die Tinetz im Einsatz. Ein Bundesheerhubschrauber wird noch von Klagenfurt nach Lienz verlegt”, erklärte die Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) war am Montag war am Montag nach Osttirol geflogen, um sich ein Bild der Lage zu machen.

In Osttirol wurde am Montag die Lawinenwarnstufe “4”, also große Gefahr, ausgerufen. Am Sonntag galt noch die höchste Lawinenwarnstufe “5”. An steilen Grashängen waren jederzeit Nass- und Gleitschneelawinen zu erwarten, vereinzelt auch sehr große, hieß es im Lawinenreport. Dasselbe galt für Nordtirol, wobei hier verbreitet Lawinenwarnstufe “3” ausgegeben wurde. In Hopfgarten im Defereggental beschädigte eine Lawine am Sonntag drei Häuser schwer, wobei Schnee und Schlamm in Keller eindrang. Es wurde niemand verletzt.

Am Montag stellte sich nach dem schneereichen Wochenende eine leichte Wetterberuhigung ein, die jedoch nur von kurzer Dauer sein wird. “Am Dienstag und am Mittwoch bringt das nächste Italien-Tief in Oberkärnten und in Osttirol wieder verbreitet Schneefall bis in die Täler. Dabei kommen nochmals um die 50 Zentimeter Neuschnee dazu, vereinzelt auch um die 100, zum Beispiel im Lesachtal”, sagte Gerhard Hohenwarter von der ZAMG Klagenfurt. Ab Donnerstag sieht es derzeit nach einer nachhaltigen Beruhigung des Wetters aus. “Gegen das Wochenende dürfte zwar über Italien nochmals ein Tiefdruckgebiet entstehen, es liegt nach aktuellem Stand der Prognose aber zu weit südlich, um sich auf Österreich auszuwirken.”

Von: apa

Bezirk: Bozen

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