Der Schütze hatte keine Komplizen

Schütze von Supermarkt-Überfall 2016 in Wien war Einzeltäter

Mittwoch, 12. April 2017 | 14:35 Uhr

Der Supermarkt-Räuber, der am 2. Juli 2016 eine Billa-Filiale in Wien-Penzing überfallen und dabei einen Polizisten getötet hat, war ein Einzeltäter. Zu diesem Ergebnis ist die Staatsanwaltschaft nach umfangreichen Erhebungen gekommen. Das Verfahren gegen einen 64-jährigen Juristen, der ursprünglich als Komplize verdächtigt wurde und in dieser Sache sechs Wochen in U-Haft saß, wurde eingestellt.

Gegen den Ex-Manager war von der Wiener Anklagebehörde wegen Beteiligung am schweren Raub ermittelt worden. Am Ende fanden sich keine Beweise, dass der Mann von den verbrecherischen Plänen des 49-jährigen Bosniers wusste, den er in seiner Wohnung aufgenommen und zum Tatort chauffiert hatte. Dass gegen ihn in diese Richtung nicht mehr ermittelt wird, hat der 64-Jährige Anfang dieser Woche erfahren, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Mittwoch der APA, nachdem der Jurist den Einstellungsbeschluss erhalten hatte.

Losgelöst von dem Supermarkt-Überfall wird sich der Jurist wegen unerlaubten Waffen- und Sprengmittelbesitzes vor einem Bezirksrichter verantworten müssen. Bei einer Hausdurchsuchung waren verbotene Waffen und Granaten zutage getreten. Der Ex-Manager soll seit längerem Militaria sammeln. Als Spezialkräfte der Polizei wenige Stunden nach dem Billa-Überfall seine Wohnung stürmten, weil er als Helfer des gefährlichen Räubers vermutet wurde, wurde der offenbar “waffennarrische” 64-Jährige mit einer Pistole im Bett angetroffen. Termin für die Verhandlung am Bezirksgericht Innere Stadt gibt es noch keinen.

Der Jurist hatte den späteren Supermarkt-Räuber Anfang 2015 kennengelernt und in seiner Innenstadt-Wohnung aufgenommen. Die beiden Männer dürften sich gut verstanden haben – der 49-Jährige revanchierte sich für die ihm zur Verfügung gestellte Unterkunft, indem er dem Wohnungsbesitzer die Wäsche wusch und die Hemden bügelte. Der 64-Jährige wiederum chauffierte den Bosnier immer wieder zu Baustellen oder an Adressen, wo dieser Pfuscharbeiten verrichtete.

Nach Angaben des 64-Jährigen ging er auch am 2. Juli davon aus, dass der gebürtige Bosnier etwas zum Pfuschen und Geldverdienen gefunden hatte, als dieser ihn bat, ihn in die Hütteldorfer Straße zu fahren. Während sich der Jurist in ein Kaffeehaus setzte und mehrere Bier trank, um den Mitbewohner nach der Arbeit wieder heimzubringen, überfiel dieser in unmittelbarer Nähe kurz nach Kassa-Schluss eine Billa-Filiale.

Der 49-Jährige brachte drei Angestellte in seine Gewalt, die er in einer Büroräumlichkeit fesselte und in Schach hielt. Unbemerkt vom Täter löste eine Geisel allerdings stillen Alarm aus. Als die Polizei eintraf und die Filiale verschlossen vorfand, begaben sich mehrere Beamte zur Hintertür und klopften. Der Räuber machte sofort von seiner Schusswaffe Gebrauch. Ein 23 Jahre alter, erst Wochen zuvor in den Exekutivdienst übernommener Polizist wurde am Kopf getroffen, ein 25-jähriger Polizeischüler an der Hüfte und im Oberschenkelbereich. Eine Beamtin kam zu Sturz und wurde leicht verletzt.

Die WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) spürte schließlich den Räuber auf, der nach den ersten Schüssen aus dem Supermarkt gestürmt war und sich in dem Gebäudekomplex verschanzt hatte. Der Mann eröffnete ein zweites Mal das Feuer, worauf er von der Sondereinheit erschossen wurde. Der junge, aus Kärnten stammende Polizist überlebte seine schweren Kopfverletzungen nicht – er starb wenige Tage später, nachdem er in ein Kärntner Spital verlegt worden war. Der zweite angeschossene Polizist befindet sich nach einem längeren Krankenstand mittlerweile wieder im Dienst, hieß es am Mittwoch auf APA-Anfrage seitens der Wiener Landespolizeidirektion.

Von: apa