Der Tatort in Mistelbach

Schuss auf 19-Jährigen: Täter war Schüler in Mistelbach

Donnerstag, 10. Mai 2018 | 21:37 Uhr

Jener 18-Jährige, der am Mittwoch vor einem Schulzentrum in Mistelbach einen 19-Jährigen mit einer Schrotflinte angeschossen haben soll, besuchte für wenige Monate eine der Schulen. Das teilte die Polizei am Donnerstagabend mit. Der mutmaßliche Schütze trug einen dunklen Mantel, bestätigte die Exekutive einen “Kurier”-Onlinebericht. Das Kleidungsstück ließ er in der Nähe des Tatorts zurück.

Der 18-Jährige soll sich zuletzt mit Schießereien an Schulen beschäftigt haben, berichtete die Tageszeitung. Jene beiden Jugendlichen, die 1999 in der Columbine Highschool in den USA zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen hatten, trugen schwarze Trenchcoats. Auch ein 18-Jähriger, der 2006 an einer Schule im deutschen Emsdetten 37 Menschen verletzte, war mit einem dunklen Mantel bekleidet.

“Ich war auf dem Weg zum Bus, da habe ich einen Knall gehört. Ich habe sofort geblutet”, wurde das in Mistelbach angeschossene Opfer vom “Kurier” zitiert. “Anfangs dachte ich, es hat der Blitz eingeschlagen. Dann habe ich die Kugel in der Wange gespürt”, sagte der Schüler, der von mehreren Schrotkugeln getroffen wurde, laut dem Bericht. Der 19-Jährige habe um Hilfe gerufen und sei zurück zum Eingang gerannt, wo ihm zwei Kollegen zu Hilfe kamen sowie Rettung und Polizei alarmierten. Der Verletzte wurde ins Spital gebracht.

Die Ermittler zeigten ihm dem Bericht zufolge auch ein Bild des Verdächtigen, er habe ihn aber nicht erkannt: “Ich habe niemanden gesehen”, so der 19-Jährige, der meinte: “Ich war einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.” Derzeit befinde er sich auf dem Weg der Besserung: “Mir geht es jetzt ganz gut.”

Der mutmaßliche Schütze wurde am Donnerstag stundenlang befragt. Der festgenommene 18-Jährige sei geständig, teilte Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner mit. “Ob noch weiterreichende Tathandlungen geplant waren und auch die Hintergründe der Tat sind Gegenstand weiterer Ermittlungen. Derzeit bestehen keine Hinweise auf weitere Mittäter”, teilte die Landespolizeidirektion Niederösterreich mit. Ein rassistischer bzw. extremistischer Hintergrund könne nach derzeitigem Ermittlungsstand ausgeschlossen werden.

In Zusammenhang mit der Schussabgabe berichtete der “Kurier” am Donnerstagabend online, dass der 18-Jährige die Tat angekündigt haben dürfte. Laut der Mutter habe ihr Sohn in einem Brief geschrieben, dass er sich an zwei Burschen rächen wollte “für das, was sie ihm angetan haben”.

Ihr Sohn habe sich der Familie gegenüber niemals seltsam verhalten, erklärte die Mutter des 18-Jährigen, der für wenige Monate die HAK in Mistelbach besuchte, dem Bericht zufolge. Er habe damals selbst die Schule verlassen wollen, von Problemen mit Mitschülern habe er nicht gesprochen. “Er war bis jetzt immer ein ganz normaler Jugendlicher, zwar immer sehr ruhig, aber psychisch stabil meiner Meinung nach”, hieß es demnach in einer Stellungnahme der Frau. Es breche ihr das Herz und sie mache sich schreckliche Vorwürfe, nichts gemerkt zu haben.

Am Tag der Tat hatte der Grundwehrdiener laut Medienberichten dienstfrei. Er sei seit Februar beim Bundesheer gewesen und habe als unauffällig gegolten. Der Beschuldigte aus dem Bezirk Mistelbach hatte laut Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich die Schrotflinte samt Munition Tage zuvor in einem Waffengeschäft gekauft, die Waffe der Kategorie D war auf ihn registriert. Es handle sich um eine Baikal-Flinte, bestätigte Schwaigerlehner einen “Heute”-Onlinebericht.

Zum Tathergang teilte die Polizei mit, der 18-Jährige sei am Mittwoch gegen 13.45 Uhr vor einem Schulzentrum in Mistelbach auf den um ein Jahr Älteren zugegangen und habe “ohne Vorwarnung” einen Schuss abgegeben. Danach sei er geflüchtet und habe die Schrotflinte und Teile seiner Bekleidung in der Nähe des Tatortes zurückgelassen. Die Waffe wurde von der Polizei sichergestellt. Der Schüler aus dem Bezirk Gänserndorf wurde ins Spital gebracht. Er wurde mehrmals von Schrotkugeln getroffen, auch im Gesicht, konnte aber von der Polizei befragt werden. Das Opfer habe “keine gravierenden Verletzungen” erlitten, teilte die Exekutive mit.

Eine Alarmfahndung nach dem Verdächtigen blieb erfolglos. Der 18-Jährige stellte sich am Mittwoch gegen 20.45 Uhr bei einer Polizeiinspektion in Wien-Floridsdorf. Bei der Festnahme standen Kräfte des Landeskriminalamtes Niederösterreich, des Einsatzkommandos Cobra und der Landespolizeidirektion Wien im Einsatz. Der 18-Jährige wurde laut Schwaigerlehner noch in der Nacht das erste Mal einvernommen. Am Donnerstag wurde er erneut befragt und sollte im Laufe des Tages in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert werden. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Gaspistole gefunden.

Gegen den Grundwehrdiener wird wegen Verdachts des Mordversuchs ermittelt. Einvernommen wurden auch Zeugen aus dem Bereich der Schule. Durchleuchtet werden sollen zudem Telefon- und Internetdaten des 18-Jährigen. Er soll auf Facebook Bilder von sich mit Waffen und im Bundesheer-Gewand gepostet haben. Die Ermittlungen seien noch im Laufen, “die Auswertung von Beweismitteln ist noch nicht abgeschlossen”, sagte Schwaigerlehner.

Von: apa

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