Die Feuerwehr hatte zahlreiche Einsätze

Schwere Unwetter in den Bezirken Tulln und St. Pölten

Donnerstag, 03. Mai 2018 | 15:56 Uhr

Schwere Niederschläge haben in der Nacht auf Donnerstag die niederösterreichischen Bezirke Tulln und St. Pölten getroffen. Durch das Unwetter wurden Dutzende Keller überflutet, Straßen und Äcker überschwemmt, Bäume stürzten auf Strom- und Telefonleitungen. Auch in Wien gab es zahlreiche Feuerwehreinsätze, jedoch keine gröberen Unwetterschäden.

Die Feuerwehren in Niederösterreich standen im Großeinsatz, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando Niederösterreich. Der entstandene Schaden war vorerst nicht zu beziffern. Verletzt wurde nach Feuerwehrangaben niemand. Insgesamt mussten in den Abend- bzw. Nachtstunden 45 Feuerwehren mit 550 Einsatzkräften ausrücken. 150 Notfälle waren laut Resperger zu bearbeiten.

Der Starkregen hatte gegen 19.45 Uhr ein- und in den beiden Bezirken bis 23.30 Uhr etwa 100 Keller von Einfamilienhäusern und Wohnhausanlagen unter Wasser gesetzt. Zudem wurden zahlreiche Gemeindestraßen vermurt und mussten von den Feuerwehren geräumt werden. Die Einsätze konzentrierten sich im Bezirk Tulln auf die Stadt Tulln selbst und auf Ortschaften südlich wie Zöfing, Baumgarten, Freundorf, Ollern, Elsbach oder Sieghartskirchen. Straßen und Keller wurden dort bis zu 40 Zentimeter hoch überflutet. Im Bezirk wurden 25 Feuerwehren zu 80 Notfällen alarmiert.

Ähnlich die Situation im Bezirk St. Pölten, wo vor allem die Gemeinde Pressbaum, aber auch die Nachbarortschaften Gablitz und Tullnerbach von den schweren Niederschlägen massiv betroffen waren. In diesem Bereich mussten ebenfalls Dutzende Keller ausgepumpt und vom Sturm gebrochene Bäume beseitigt werden. Im Bezirk St. Pölten wurden die Feuerwehren 75 Mal alarmiert. Einzelne Unwettereinsätze wurden auch aus den Bezirken Mödling und Neunkirchen gemeldet. Auch der Flughafen Wien in Schwechat war betroffen. Die Bodenabfertigung musste aus Sicherheitsgründen für die Dauer von etwa 60 Minuten teilweise eingeschränkt bzw. unterbrochen werden, teilte Sprecher Peter Kleemann mit.

In Wien wurde die Feuerwehr in der Nacht zu etwas mehr als 100 Einsätzen gerufen, berichtete deren Sprecher Gerald Schimpf. Die meisten davon seien aufgrund des Unwetters gewesen. “Es war vor allem der Südwesten betroffen – also Liesing, Favoriten und Penzing.” Die Wiener Berufsfeuerwehr war in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt, insgesamt entstanden aber keine großen Schäden. Ausgerückt waren die Einsatzkräfte vor allem wegen abgebrochener Äste, überspülter Straßen und Wassereintritten in Häuser.

Innerhalb weniger Stunden regnete es fast so viel wie in einem durchschnittlichen gesamten Mai. In Niederösterreich und Wien gabe es laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in den vergangenen fünf Jahren kaum Tage mit so vielen Blitzen. So wurden z. B. bei der Messstation Langenlebarn in Niederösterreich in nur wenigen Stunden 64 Millimeter Regen registriert. In einem durchschnittlichen Mai regnet es hier im gesamten Monat 76 Millimeter.

18.824 Blitze über Österreich (Wolke-Wolke- und Wolke-Erde-Blitze) registrierte das österreichische Blitzortungssystem Aldis, fast alle in der Osthälfte des Landes. 6.212 Mal schlugen dabei Blitze im Boden ein (Wolke-Erde-Blitz). Das Jahr 2018 weist somit mit 9.840 die zweithöchste Zahl an Blitzeinschlägen in Österreich für den Zeitraum von 1. Jänner bis 2. Mai auf. In der Messgeschichte von Aldis seit 1992 gab es in diesem Zeitraum nur im Jahr 2000 mit 14.693 mehr Blitzeinschläge. Im Jahr 2014 waren es knapp weniger als heuer (9.340).

Betrachtet man die Blitzeinschläge (Wolke-Erde-Blitze) für die einzelnen Bundesländer, bestätigt sich, dass es vor allem in Niederösterreich und Wien eine ungewöhnliche Blitznacht war: In Niederösterreich schlug in der vergangenen Nacht 4.528 Mal der Blitz ein. Diese extrem hohe Zahl innerhalb von 24 Stunden wurde in den vergangenen fünf Jahren nur 2014 (5.090 Einschläge an einem Tag) übertroffen. In Wien registrierte Aldis 446 Blitzeinschläge. Das ist mit Abstand der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Die beiden höchsten Tageswerte in den letzten fünf Jahren waren in Wien 125 Blitzeinschläge im Jahr 2017 und 131 Blitzeinschläge im Jahr 2014.

Ein angeblicher Tornado, der sich laut Medienberichten in der Nähe Wiens gebildet habe, wurde auch zufällig von Georg Pistotnik, Meteorologe und Tornado-Experte bei der ZAMG, beobachtet. “Von der Struktur her sah es aus wie ein Tornado, das müsste im Bereich Wilhelminenberg/Hernals gewesen sein. Ungewöhnlich ist allerdings, dass es danach keinerlei Schadensmeldungen gegeben hat. Es könnte sich somit um einen Tornado gehandelt haben, der keinen Bodenkontakt hatte”, erklärte Pistotnik.

Am Donnerstag können sich vor allem in der gesamten Osthälfte Österreichs noch Gewitter bilden, am Freitag besonders im Süden Österreichs. Am Wochenende beruhigt sich die Wetterlage und Gewitter gibt es höchstens ganz vereinzelt.

Von: apa

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