Fünf Waggons entgleisten

Schweres Zugsunglück mit 24 Toten in der Türkei

Montag, 09. Juli 2018 | 15:03 Uhr

Bei einem schweren Zugsunglück in der Türkei sind 24 Menschen ums Leben gekommen und dutzende weitere verletzt worden. Der Zug sei am Sonntag im Nordwesten der Türkei entgleist, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Recep Akdag am Montag der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Zunächst waren 318 Verletzte ins Krankenhaus gebracht worden, am Montag wurden 124 noch stationär behandelt.

Der Zug war mit über 360 Passagieren an Bord auf dem Weg von Kapikule in der Grenzregion zu Bulgarien und Griechenland nach Istanbul gewesen. Sechs Waggons seien nahe des Dorfes Sarilar in der Region Tekirdag entgleist, wie der Fernsehsender TRT Haber meldete. Mehr als hundert Krankenwagen wurden demnach zum Unglücksort geschickt. Die Armee unterstützte den Rettungseinsatz mit Hubschraubern.

Insgesamt 318 Verletzte seien ins Krankenhaus gebracht worden, 124 von ihnen würden weiterhin dort behandelt, berichteten türkische Medien mit Verweis auf Gesundheitsminister Ahmet Demircan. Nach Angaben des Verkehrsministeriums war schlechtes Wetter die Ursache für das Unglück. Starke Regenfälle hätten die Schienen unterspült und zur Entgleisung geführt. Noch im April seien die Gleise kontrolliert worden, sagte Verkehrsminister Ahmet Arslan.

Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte eine Untersuchung “dieses tragischen Unfalls” an. Das Unglück warf einen Schatten auf die Vereidigung des am 24. Juni wiedergewählten Präsidenten, für die eine festliche Zeremonie am Montagnachmittag in der Hauptstadt Ankara organisiert wurde.

Es handelte sich um das schlimmste Zugsunglück in der Türkei seit 14 Jahren. Im Juli 2004 waren bei einer Zugentgleisung östlich von Istanbul 41 Menschen gestorben und 80 weitere verletzt worden. Im Jänner 2008 führten defekte Gleise südlich der Großstadt am Bosporus zu einem Unglück mit neun Toten.

Das türkische Schienennetz stammt zum Teil noch aus der Zeit des Osmanischen Reichs Mitte des 19. Jahrhunderts. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk baute es in den 1920er-Jahren weiter aus. Wegen der wirtschaftlichen Lage des Landes verschlechterte sich der Zustand der Gleise danach jedoch zusehends.

In den vergangenen Jahren bemühte sich die Regierung unter Erdogan um eine weitgehende Modernisierung des Streckennetzes. 2014 wurde die erste Hochgeschwindigkeitstraße zwischen Istanbul und Ankara eingeweiht.

Von: APA/dpa

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