Auf über 3.000 Metern Höhe erfroren

Drama in den Schweizer Alpen: Drei Bozner kommen ums Leben

Dienstag, 01. Mai 2018 | 14:14 Uhr

Bozen – In der Südtiroler Landeshauptstadt herrscht Schock und Trauer, nachdem eine traurige Nachricht die Runde gemacht hat. Unter den Todesopfern in den Schweizer Alpen befinden sich auch drei Südtiroler: die Bozner Lehrerin Elisabetta Paolucci sowie das Ehepaar aus Bozen Marcello Alberti (53) und Gabriella Bernardi (53).

Wie am Montagabend berichtet, war die Gruppe in der Region Pigne d’Arolla unterwegs, als eine Schlechtwetterfront aufzog. Weil sie eine Skihütte auf über 3.000 Metern Höhe nicht mehr erreichen konnten, mussten die Tourengeher die Nacht auf Sonntag bei eisiger Kälte im Freien verbringen, was vier Alpinisten nicht überlebten, darunter die drei Bozner.

Sie waren bekannte Gesichter in der lokalen Alpinistenwelt und gehörten dem Alpenverein CAI in Bozen an.

Elisabetta Paolucci arbeitete als Lehrerin. Marcello Alberti war hingegen ein bekannter Wirtschaftsberater, der in dem von seinem Vater gegründeten Büro arbeitete. Gabriella Bernardi war hingegen für den Bereich Human Resources in der Firma Thun zuständig.

alto adige

Bis Montagabend gab es noch keine Nachricht über den Verbleib von Tommaso Piccioli, einem Freund der drei Bozner, der ebenfalls mit der 14-köpfigen Gruppe am Berg war. Der Architekt hat aber glücklicherweise überlebt. Stefano Miserotti, der Direktor der Alpinschule des CAI in Bozen hat mit ihm telefoniert. Piccioli kann die Geschehnisse noch nicht fassen und spricht von einem Überlebenskampf am Berg, gegen Kälte, Sturm und Dunkelheit.

 

Indes ist die Zahl der in der Schweiz gestorbenen Tourengeher auf sechs angestiegen. Ein weiterer Skiwanderer erlag laut Polizei am Montagabend im Spital seinen Verletzungen, am Dienstagvormittag starb dann auch eine 52-jährige Bulgarin. Zusammen mit zwei tödlich verunglückten Bergsteigern kamen damit in der Region insgesamt acht Menschen wegen des Wettereinbruchs ums Leben.

Die 14 Sportler waren am Sonntag zu einer Tour in der Region Pigne d’Arolla auf mehr als 3.000 Metern Höhe aufgebrochen. Ein Unwetter überraschte sie, und sie schafften es nicht mehr zu einer Berghütte. Sie verbrachten die Nacht bei rund minus zehn Grad am Berg.

Die alarmierten Bergretter fanden die Gruppe am Montag früh und brachten sie mit Hubschraubern in Krankenhäuser. Ein Teilnehmer war schon tödlich gestürzt, vier weitere starben wegen der erlittenen Unterkühlung im Krankenhaus. Nach dem Tod des jetzt sechsten Opfers wurden in verschiedenen Kliniken am Dienstag noch drei Teilnehmer behandelt.

Bei den verunglückten Bergsteigern handelte es sich um zwei Schweizer im Alter von 21 und 22 Jahren. Sie waren nach Angaben der Polizei im Gebiet zwischen den Kantonen Wallis und Bern von dem Unwetter überrascht worden. Am Sonntagabend wurden sie als vermisst gemeldet. Ihre Leichen wurden am Montag früh gefunden.

Seit Anfang des Jahres haben sich im Zusammenhang mit Unwettern und Lawinen zahlreiche tödliche Unglücke in den Schweizer Alpen ereignet. Seit dem 7. April fehlt von dem deutschen Unternehmer Karl-Erivan Haub jede Spur. Der Tengelmann-Chef kehrte von einer Skitour an der schweizerisch-italienischen Grenze nicht zurück.

 

WAS BISHER BERICHTET WURDE 

Bei zwei schweren Unglücken in den Schweizer Alpen sind sechs Menschen ums Leben gekommen. In der Region Pigne d’Arolla erfroren vier Skitourengeher, die die Nacht im Freien verbracht hatten. Fünf weitere schwebten am Montag noch in Lebensgefahr, wie die Polizei im Kanton Wallis am Nachmittag berichtete. Am Mönch im Kanton Bern wurden am Montag zwei seit Sonntag vermisste Bergsteiger tot geborgen.

Die vier im Kanton Wallis erfrorenen Alpinisten gehörten zu einer Gruppe von 14 Skitourenfahrern, die eine Nacht bei eisiger Kälte unter freiem Himmel verbringen mussten. Unter den Tourengehern waren nach Polizeiangaben Deutsche, Italiener und Franzosen. Nähere Angaben machte die Polizei nicht. Die Opfer müssten noch identifiziert und Angehörige benachrichtigt werden.

Die gesamte Gruppe war in der Region Pigne d’Arolla unterwegs. Sie sei in eine Schlechtwetterfront geraten und habe die Skihütte Cabane des Vignettes auf 3.157 Metern Höhe am Sonntagabend nicht mehr erreichen können, so die Polizei. Die Tourengänger hätten die Nacht auf einer Höhe von 3.270 Metern im Freien verbracht.

Die 14 Menschen seien in zwei Gruppen unterwegs gewesen. Mindestens neun waren mit einem Bergführer von der Hütte Cabane des Dix auf 2.928 Metern losgegangen. Ein Hüttenwart schlug Montag früh Alarm. Die Bergrettung rückte sofort mit sieben Hubschraubern aus.

Als die Helfer bei den stark unterkühlten Tourengängern ankamen, war bereits einer tot, wie es am Montagabend hieß. Er sei an den Folgen eines Sturzes gestorben. Die Geretteten wurden in Krankenhäuser gebracht. Dort seien drei weitere Menschen an den Folgen der Unterkühlung gestorben. Die Staatsanwaltschaft leitete nach Angaben der Polizei eine Untersuchung ein.

Auch am Mönch kamen zwei Bergsportler ums Leben. Zwei Bergsteiger, die bereits am Sonntagabend als vermisst gemeldet worden waren, wurden am Montag leblos geborgen. Dies teilte die Berner Kantonspolizei mit.

Bei den Opfern handelt es sich laut Polizeiangaben um einen 21-jährigen Mann aus dem Kanton Bern und um einen 22-jährigen Mann aus dem Kanton Basel-Landschaft. Sie wurden am Sonntagabend gegen 20.20 Uhr als vermisst gemeldet.

Daraufhin wurde umgehend eine Suchaktion gestartet. Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse gestaltete sich die Suche nach den Vermissten schwierig und war nur bedingt möglich, wie die Polizei schreibt. Schließlich konnten die Vermissten am Montag in der Früh+ nur noch leblos aufgefunden werden.

Von: APA/dpa/ag.

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "Drama in den Schweizer Alpen: Drei Bozner kommen ums Leben"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
mandela
mandela
Superredner
20 Tage 19 h

wenn man das Schicksal herausfordert und dann noch pech hat, passieren leider die schlimmsten sachen. viel kraft den hinterbliebenen.

brunner
brunner
Superredner
21 Tage 7 h

Mein Beileid!

ando
ando
Universalgelehrter
20 Tage 17 h

Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
Joh. Wolfgang v. Goethe

R.i.p

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
20 Tage 19 h

einfach nur traurig😶R I P

Tottele
Tottele
Tratscher
20 Tage 19 h

Ruhet in Frieden.
Mein Beileid den Angehörigen .

thomas
thomas
Universalgelehrter
20 Tage 20 h

so schlimm. Eigentlich unverständlich. Nur traurig

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
21 Tage 5 h

unfassbar, einfach nur tragisch, traurig RIP

Staenkerer
20 Tage 14 h

de nochricht geat tief unter de haut!
berge sein gewaltige gegner mit magischer anziehungskraft,
das wetter im gebirge isch unberechenbar und konn urplötzlich umschlogn,
oft schlogs schicksal zu trotz oller bor- und weitsicht!
ruhet sanft es bergfex,
mögen liebevolle menschen den euren kroft und holt gebn, im tiefn finstern tal der trauer!

cooler Typ
cooler Typ
Tratscher
20 Tage 15 h

Komisch dass es olm die “Erfahrenen” trift?

einer wie ihr
20 Tage 13 h

Mein Beileid den Hinterbliebenen

Tabernakel
20 Tage 11 h

Und das tragischer Weise 400 m von der nächsten Hütte entfernt…

Knut
Knut
Grünschnabel
20 Tage 8 h

Extrem trauriger Schicksalsschlag für die Hinterbliebenen! Doch die Betroffenen wussten auf was sie sich einlassen!

honakoanonung
honakoanonung
Tratscher
20 Tage 7 h

ich als Erfahrener wäre nicht aufgestiegen. Wahrscheinlich lebe ich deswegen noch. Oder nur Glück?

Tabernakel
20 Tage 11 h
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