Türkische Polizei riegelte das Gebiet nach Detonation ab

Sechs Tote bei Anschlag auf Einkaufsstraße in Istanbul

Montag, 14. November 2022 | 03:07 Uhr

Bei einem Anschlag im Zentrum der türkischen Metropole Istanbul sind am Sonntag nach offiziellen Angaben mindestens sechs Menschen getötet und 81 weitere verletzt worden. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay sprach von einem “Terroranschlag” auf der belebten Einkaufsstraße Istiklal. Einsatzkräfte hätten die Person, die die Bombe dort deponiert habe, festgenommen, zitierte der staatsnahe Sender TRT Innenminister Süleyman Soylu in der Nacht auf Montag.

Es gebe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, hieß es. Sie steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Soylu kündigte laut TRT Vergeltung an.

Videoaufnahmen zeigten, wie eine Frau etwa 40 Minuten lang auf einer Bank sitze und wenige Minuten vor der Explosion aufstehe, sagte Justizminister Bekir Bozdag.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte kurz zuvor erklärt, es handle sich bei der Explosion um einen “hinterhältigen Anschlag”. Definitiv von Terrorismus zu sprechen, sei vielleicht falsch, schränkte er ein. Aber der Gouverneur der Metropole, Ali Yerlikaya, habe ihm gesagt, es liege ein “Geruch von Terror” in der Luft, so Erdogan weiter. “Die Verantwortlichen werden die Strafe bekommen, die sie verdienen”, fügte er hinzu. Istanbul und andere türkische Städte waren in der Vergangenheit wiederholt von politisch motivierten Anschlägen militanter kurdischer oder islamistischer Gruppen erschüttert worden.

Die Detonation hatte sich laut Yerlikaya um 16.20 Uhr Ortszeit (14.20 Uhr MEZ) zugetragen. Oktay zufolge kamen vier Menschen an Ort und Stelle ums Leben. Unter den Toten seien auch ein Ministeriumsmitarbeiter und seine Tochter, schrieb Familienministerin Derya Yanik am Abend auf Twitter. Während 39 Verletzte bis zum Abend aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, befanden sich 42 Personen noch in Behandlung. Davon waren fünf auf der Intensivstation, zwei von ihnen galten als schwer verletzt, sagte Gesundheitsminister Fahrettin Koca.

Auf nicht verifizierten Aufnahmen, die über die sozialen Medien verbreitet wurden, war ein Feuerball inmitten der belebten Straße zu sehen. Andere ebenfalls zunächst nicht verifizierte Bilder zeigten mit Blut überströmte Menschen, die reglos auf dem Boden lagen. Ein Kellner in einem Restaurant in der Nähe des Anschlagsorts berichtete, er habe einen lauten Knall gehört und Menschen wegrennen sehen.

Rettungskräfte und Polizei waren in großer Zahl am Ort im Einsatz, berichtete der staatliche Sender TRT. Hubschrauber überflogen das Stadtviertel Beyoglu und angrenzende Stadtteile. Die Rundfunkbehörde verhängte eine vorläufige Nachrichtensperre, damit es nicht zu Panik in der Bevölkerung kommt.

Die Straße ist ein touristischer Hotspot im Zentrum des europäischen Teils der türkischen Metropole, die auch sonntags häufig stark besucht wird. Es war unklar, ob auch Österreicher unter den Opfern waren. Wie es aus dem Außenministerium auf APA-Anfrage hieß, lagen diesbezüglich noch keine Informationen vor. Die Erkundigungen durch das Generalkonsulat in Istanbul seien aber noch im Gange.

Umgehend gab es zahlreiche internationale Beileidsbekundungen, auch aus Österreich. Bundespräsident Alexander Van der Bellen war in “Gedanken bei den Familien der Opfer”. “Ich hoffe, dass die Hintergründe schnellstmöglich aufgeklärt werden können”, schrieb Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) am Sonntagabend auf Twitter. Das Außenministerium schrieb von “grauenvollen Nachrichten” aus Istanbul und übermittelte den Verletzten Genesungswünsche. Ihr “tiefes Mitgefühl” den Opfern und deren Familien bekundete auch die Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Parlament, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zeigte sich auch in einem Tweet auf Türkisch “tief betroffen” vom “Gewaltakt” in Istanbul.

Die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Karine Jean-Pierre, verurteilte die “Gewalttat”. “Wir stehen im Kampf gegen Terrorismus Seite an Seite mit unserem NATO-Verbündeten Türkei”, erklärte sie weiter für das Weiße Haus. “Erschüttert” zeigte sich auch der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier. “In diesem Moment des Schocks stehen wir Deutsche an der Seite der Bürgerinnen und Bürger Istanbuls und des türkischen Volkes.”

In der Türkei ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen gekommen – auch im Zentrum Istanbuls. 2016 hatte sich etwa ein Selbstmordattentäter auf der Istiklal in die Luft gesprengt und vier Menschen getötet, 39 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Gruppe selbst bekannte sich damals nicht zu der Tat. Im selben Jahr waren bei einem Selbstmordattentat des IS im historischen Zentrum Istanbuls zwölf Deutsche getötet worden. Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verübt immer wieder Anschläge in der Türkei.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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11 Kommentare auf "Sechs Tote bei Anschlag auf Einkaufsstraße in Istanbul"


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Trina1
Trina1
Kinig
24 Tage 14 h

Traurig traurig wia es zua geat auf der Welt! So viel Leid und Fanatismus!

Doolin
Doolin
Kinig
23 Tage 23 h

…vielleicht braucht das jemand um von der wirtschaftlichen Misere abzulenken…

Faktenchecker
23 Tage 22 h

Schau mal in den Spiegel.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
23 Tage 13 h

Heute in den Nachrichten wurde mit Live Aufnahmen die Festnahme einer Verdächtigen gezeigt. Diese gab dann vor laufender Kamera, im Hintergrund türkische Flagge und Staatswappen, die Tat gestanden. Das nenne ich schnelle🙈 und erfolgreiche🙈 Polizeiarbeit. Bin gespannt, wie lange es bis zu einem Prozess dauert, sofern es überhaupt Einen gibt….

Faktenchecker
22 Tage 23 h

Sekunden nach der Explosion haben die das Schauspiel gestertet. Erdogans Inszenierung als Vorbereitung auf die Wahlen. Und Du fällst prompt auf den Popolisten herein.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
22 Tage 23 h

@Faktenchecker..kannst Du die 🙈🙈 noch immer nicht Deuten ? Leg Dich wieder hin und schau n-tv…..

Faktenchecker
22 Tage 21 h

@Rudolfo ach NG Du bist so durchsichtig. Klicks für die Beiträge der Landesregierung.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
22 Tage 21 h

@Faktenchecker..und Du so 🙈🙈. Du checkst GAR NICHTS !!

Faktenchecker
21 Tage 18 h

@Rudolfo

Abwarten. Kommt Zeit kommt Konsequenz. Lieben Gruß in die CH an NG

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
21 Tage 17 h

@Faktenchecker…Rudolfo🤣 ist nicht in der 🇨🇭 …

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
21 Tage 15 h

@Faktenchecker…weil ich, im Gegensatz zu Dir, einige der Bergbauern kenne, die weder fette Audi noch Ferienwohnungen haben und auf unterstützende Beiträge des Landes dringend angewiesen sind. Wieviel glaubst Du, müsste das Land Südtirol Steuergelder ausgeben, wenn es die Steillagen, die von den Bauern mühsam bewirtschaftet werden, in eigener Regie, zum Lawinenschutz, abmähen lassen würde….

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