Unter anderem war ein dreijähriges Mädchen unter den Opfern

Sechs Tote bei Bluttat in Hafenstadt Plymouth

Freitag, 13. August 2021 | 19:55 Uhr

Eine Bluttat mit sechs Toten hat die südenglische Hafenstadt Plymouth in Schock und Trauer versetzt. Wie Polizeichef Shaun Sawyer am Freitag sagte, tötete ein 22-Jähriger zwei Männer und zwei Frauen sowie ein dreijähriges Mädchen, bevor er sich selbst erschoss. Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Es handelt sich um den Vorfall mit den meisten Schussopfern in Großbritannien seit mehr als einem Jahrzehnt. Zum Motiv machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Britische Medien berichteten, der mutmaßliche Täter sei der sogenannten Incel-Szene zuzurechnen. Die Abkürzung stammt vom englischen Begriff “involuntary celibate” und bezeichnet vorwiegend Männer, die unfreiwillig enthaltsam leben und Hass auf Frauen sowie auf sexuell aktive Männer entwickeln. Frauen werfen sie vor, ihnen Nähe und Sex zu verwehren, obwohl dies ihnen zustehe. Mehrmals kam es deshalb in den vergangenen Jahren zu Morden, etwa in Kanada. Manche Kriminalisten ordnen auch den norwegischen Massenmörder und Rechtsextremisten Anders Behring Breivik sowie die Attentäter von Christchurch und Halle der Incel-Bewegung zu.

In sozialen Netzwerken habe Jake D. entsprechende Aussagen getätigt, meldete auch die Nachrichtenagentur PA. Die Opfer scheint er aber fast alle willkürlich gewählt zu haben. Seine Accounts bei Facebook und Youtube wurden nach der Tat entfernt, wie PA berichtete.

Es sind sechs Minuten, die Plymouth, den wichtigsten Stützpunkt der britischen Marine, auf Dauer verändern könnten. Von “einem der dunkelsten Tage seit vielen, vielen Jahren” spricht der Abgeordnete Johnny Mercer. Der Bischof von Plymouth, Mark O’Toole, rief die Menschen zum Gebet für Opfer und Angehörige auf. Es liege ein “tiefes Gefühl von Schock und Trauer” über der Stadt, sagte er. Polizeichef Sawyer sagte: “Die Auswirkungen auf die lokale Gemeinde Keyham, die Stadt Plymouth und viele Gemeinden im ganzen Land, in denen Angehörige der Gestorbenen leben, werden viele Monate und Jahre lang spürbar sein.”

Um kurz nach 18.00 Uhr (Ortszeit, 19.00 Uhr MESZ), so berichtete eine Anrainerin der BBC, habe ein Angreifer die Tür eines Hauses im Stadtteil Keyham eingetreten und angefangen zu schießen. Sawyer bestätigte später, dass Jake D. zunächst in einem Haus in einer Sackgasse eine 51-jährige Frau erschoss. Wie die Polizei später mitteilte, handelte es sich dabei um die Mutter des Schützen.

Draußen feuerte Jake D. weiter. Zunächst nahm er das Mädchen und ihren 43 Jahre alten Vater unter Beschuss – beide starben. Anschließend verletzte der Täter einen 33-jährigen Mann und eine 53-jährige Frau schwer. Dann floh er durch einen Park, wo er einen Mann (59) erschoss und eine 66-Jährige so schwer verletzte, dass sie im Krankenhaus starb. Dann erschoss er sich selbst. Ob Jake D., ein Kranführer, die übrigen Opfer persönlich oder vom Sehen kannte, ist noch unklar.

Die Bluttat sorgt auch deshalb landesweit für Entsetzen, weil Schusswaffengewalt selten ist – nach Angaben der National Crime Agency ist sie so niedrig wie in wenigen Ländern weltweit. Die Waffengesetze sind streng.

Der bisher letzte Amokfall ist gut elf Jahre her: Im Juni 2010 erschoss ein Mann im nordwestenglischen Gebiet Cumbria zunächst seinen Zwillingsbruder und einen Anwalt, Auslöser war offenbar ein Erbstreit. Anschließend tötete er zehn weitere Menschen und verletzte etwa ein Dutzend, bevor er sich selbst erschoss. Der Täter verfügte über einen Waffenschein. Auch Jake D. hatte nach Polizeiangaben mindestens für das Jahr 2020 eine entsprechende Erlaubnis. Die Tatwaffe hatte er legal erworben, wie die Polizei später mitteilte.

Die Menschen im Viertel seien durch die Brutalität des Angriffs “am Boden zerstört”, sagte Plymouths Parlamentsabgeordneter Luke Pollard dem Sender Times Radio. “Keyham ist eine wirklich eng verbundene Gemeinschaft – es ist die Art von Ort, an dem man seinen Nachbarn kennt und aufeinander aufpasst.” Der Fußball-Drittligist Plymouth Argyle sagte eine Pressekonferenz ab und senkte die Fahnen am Stadion auf halbmast. Premierminister Boris Johnson sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Sechs Tote bei Bluttat in Hafenstadt Plymouth"


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Tigre.di.montana
1 Monat 6 Tage

Wozu braucht ein Privatmann eine Schusswaffe?
Die meisten Tötungsdelikte werden von Männern mit legalem Waffenbesitz begangen.

Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 6 Tage

@Tigre.di.montana
Sportschützen und Jäger z.B.sind auch Privatpersonen😉!Einige Berufssparten dürfen privat auch Waffen tragen….

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 5 Tage

@Roby Sind Jäger nicht Beamte?

Kingu
Kingu
Tratscher
1 Monat 5 Tage
Legale Waffen? Also in Österreich sind die meisten Taten mit Messer begangen, der Afrikaner in Deutschland, der ebenfalls gezielt Frauen attackierte, nahm ebenfalls ein Messer. Der angesprochene Kanadier im Text fuhr mit einen Kleinlaster in Leute. Auch der Täter von Wien und Paris beweisen, an einer Waffe kommt man legal oder illegal und in deren Fall illegal. Auch hat in der Schweiz jeder Reservist ein Sturmgewehr und es passiert im Gegensatz zu Amerika nichts. Wäre fast so, als würden entsprechende Taten den Zustand der Bevölkerung spiegeln. Die Frage nach den Gründen vermeiden alle, dann muss man sich wie in andere… Weiterlesen »
Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Neumi
🤣😂😅Seit wann denn???Ein Förster und ein Jagdaufseher sind z.B.Beamte für Wild-und Naturschutz!Aber nicht ein Jäger.Woher hast Du das????🤔

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Roby74 Weil ich mich nicht so damit beschäftigt hab, deshalb frag ich. Also nur der Jagdaufseher ist ein Beamter, danke für die Info.

Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Neumi
Förster sind auch staatliche Beamte!☝🏼

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 3 Tage

@ Roby74 Ja, bei denen war’s mir klar. Dachte nur, bei Jägern usw. geht’s weiter. An “Sportjäger” (oder wie man das auch immer nennen mag) hab ich nicht gedacht.

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