Die Eltern geben nicht auf

Seit 14 Jahren vermisst: Suche nach Andrea Liponi geht weiter

Sonntag, 29. Mai 2022 | 10:52 Uhr

Sirmian – Macht es überhaupt Sinn, nach einer Person zu suchen, die seit 14 Jahren als vermisst gilt? Auf alle Fälle, glauben die Eltern von Andrea Liponi. Der junge Mann ist im Juni 2008 im Alter von 22 Jahren verschwunden. Seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr von ihm.

Sein Auto wurde damals in Sirmian oberhalb von Nals entdeckt. Die Eltern hatten mit dem Sohn noch gemeinsam zu Mittag gegessen, er brachte sie anschließend zum Friedhof und verschwand dann für immer.

Die Eltern standen die schwere Zeit gemeinsam durch und helfen seit Jahren mit ihrem Verein Penelope anderen Familien, die ein ähnliches Schicksal erleiden.

Am Samstag wurde die Suche nach Andrea am Gantkofel wieder aufgenommen und sie wird auch am heutigen Sonntag fortgesetzt. Wie Mirella Spadotto Liponi, die Mutter von Andrea und Präsidentin des Vereins Penelope laut einem Bericht des Alto Adige erklärt, setzt die Suchaktion genau dort ein, wo sie letztes Jahr beendet worden war.

Auch Hundestaffeln aus dem Schweizer Kanton Tessin kommen zum Einsatz. Die Spürhunde sind auf das Auffinden von Überbleibseln menschlicher Leichen spezialisiert.

Nach 14 Jahren haben die Eltern kaum mehr Hoffnung, ihren Sohn lebend wieder zu sehen. Dennoch möchten sie Gewissheit darüber, was passiert ist. Sie vermuten, dass Andrea am Berg verunglückt ist.

Immer wieder war der alte Schmerz bei den Eltern aufgebrochen, die lange an der Vorstellung festhielten, ihr Sohn könnte noch leben. Die Mutter half sich mit Einträgen auf Facebook durch die schwere Zeit. Durch das eigene Schicksal versucht das Paar nun, anderen in einer ähnlichen Situation zu helfen.

Auch der Präsident der Vereinigung Penelope aus dem Piemont, der Kriminologe und Psychotherapeut Fabrizio Pace, nimmt heuer an der Suchaktion teil. Ebenfalls Unterstützung kommt von Ernst Winkler, dem Präsidenten vom Bergrettungsdienst im AVS.

Die Südtiroler Vereinigung Penelope hat auch der Schwester von Evi Rauter Hilfe angeboten. Evi Rauter war vor 32 Jahren verschwunden. Erst kürzlich wurde ihr Leichnam in Spanien entdeckt. Nun werden DNA-Tests durchgeführt. Die Vereinigung, die national verzweigt ist, hat der Schwester sowohl psychologische als auch rechtliche Unterstützung angeboten.

In Südtirol seien Suchmannschaften gut vernetzt. Das sei bei vermissten Personen entscheidend, betonen sowohl die Eltern von Andrea als auch Ernst Winkler. Wer nicht sucht, der findet nichts. Trotzdem sei es auch wichtig, überregional Netzwerke zu bilden. „Es ist ein Vorteil mit anderen Realitäten und anderen Visionen in Kontakt zu kommen“, erklärt Winkler.

Gleichzeitig weist er auf noch einen Umstand hin: „Wir sind gut auf unserem Territorium, aber wenn wir dort nichts finden, stoßen wir an unsere Grenzen. Auch deshalb sind Kontakte über das Land hinaus wichtig.“

Natürlich sei auch immer etwas Glück im Spiel, doch man dürfe nicht aufgeben. „Wer vergisst, der löscht. Wir vergessen nicht“, lautet das Motto von Penelope.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

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3 Kommentare auf "Seit 14 Jahren vermisst: Suche nach Andrea Liponi geht weiter"


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Wunder
Wunder
Tratscher
27 Tage 4 h

Eine traurige Geschichte…. Ich kann die Eltern gut verstehen.
Was bleibt ist immer noch fie Hoffnung, dass sich doch alles noch zum Guten wendet…

inni
inni
Universalgelehrter
27 Tage 3 h

Wahrlich rätselhaft … 🤔

Bergspitz
Bergspitz
Neuling
26 Tage 21 h

Ein Unfall oder möchte nicht gefunden werten

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