Gruppe von Menschenhändlern wurde dingfest gemacht

Sieben mutmaßliche Menschenhändler in Wien festgenommen

Donnerstag, 06. April 2017 | 12:30 Uhr

Die Wiener Polizei hat eine Gruppe von Menschenhändlern dingfest gemacht, die Kinder, Jugendliche und junge Frauen als Taschendiebinnen ausgebeutet hat. Sieben Personen wurden festgenommen und befinden sich in U-Haft. Das gaben die Ermittler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Darüber hinaus haben die zuständigen Beamten der Arge Taschendiebstahl in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BK) die Identität von 27 unmittelbaren Täterinnen geklärt, von denen zwei in Haft sind. Die anderen befinden sich nicht mehr in Österreich. Ihnen wurden 650 in Wien begangene Taschendiebstähle mit einem Gesamtschaden von 295.000 Euro zugeordnet. Bei zwei Hausdurchsuchungen, die parallel zu den Festnahmen der Drahtzieher bereits Anfang Jänner erfolgten, wurden 12.000 Euro sichergestellt.

Die aus kroatischen und bosnischen Staatsbürgern bestehende Gruppierung agierte international. Die Mädchen wurden jeweils für mehrere Wochen zur Begehung von Diebstählen in eine europäische Großstadt gebracht. Zwischen den unmittelbaren Täterinnen und den Hinterleuten bestanden teilweise Verwandtschaftsverhältnisse. Zum Teil haben Eltern ihre Töchter an die Menschenhändler praktisch verkauft. “Es gab eine Art ‘Pacht’ – Eltern bekamen Geld dafür, dass sie ihre Kinder den Hintermännern für eine gewisse Zeit überließen. Uns ist allerdings kein einziger Fall einer Rückkehr bekannt”, sagte Gerald Tatzgern vom BK.

Teilweise handelte es sich um Kinder, die nach ihrer Geburt gar nicht registriert wurden. Viele der Mädchen hatten offenbar mehrere Identitäten und verwendeten international unterschiedliche Namen und Geburtsdaten. Entsprechend aufwendig war die Arbeit der Polizei, die in enger Zusammenarbeit mit Behörden in Bosnien, Kroatien, Deutschland und den Niederlanden erfolgte. Zusätzliches Problem: Die Täterinnen sehen sich nach Angaben der Ermittler in der Regel nicht als Opfer von Menschenhandel und sind darauf gedrillt, nur ja nicht mit der Polizei zu kooperieren.

Die jüngste ausgeforschte Taschendiebin war nach Angaben von Ermittler Bernhard Pogotz erst neun Jahre alt. Verübt wurden die Diebstähle in öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. an Haltestellen und im Bereich von Sehenswürdigkeiten, also an Orten mit dichtem Gedränge. Bevorzugte Opfer waren Touristen.

Das erbeutete Geld wurde in der Regel gebunkert, damit die Kinder und Jugendlichen im Fall eines Aufgriffs keine größeren Beträge bei sich hatten. “Sie haben das Geld zum Beispiel in einem Plastiksackerl in einem Park vergraben. Wir haben aber auch Geldverstecke in U-Bahn-Stationen gefunden”, sagte Pogotz. War genug beisammen, wurde das Geld per Kurier oder Money-Transfer an die Hintermänner geliefert. Während die Mädchen ihrer Tätigkeit nachgingen, hielten sich die Hintermänner – die ebenfalls häufig ihren Aufenthaltsort wechselten – nach den Erkenntnisse der Ermittler vorzugsweise beim Shopping oder im Kaffeehaus auf. Einer der in Wien festgenommenen Beschuldigten fuhr einen Ferrari.

Die Mädchen selbst haben nach Angaben von Pogotz nicht unbedingt einen Bezug zu Bargeld, wie er anhand eines Beispiels darstellte. So erstand eines von ihnen nach einem erfolgreichen Beutezug eine Handtasche und Schuhe um 1.000 Euro. Als sie wenig später keine Verwendung mehr dafür hatte, warf sie die Einkäufe kurzerhand weg. Die Arge Taschendiebstahl wurde innerhalb des Landeskriminalamts Wien im Jahr 2009 als Reaktion auf eine steigende Zahl derartiger Delikte gegründet, wie Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl erläuterte. Das große Problem waren bereits damals Banden, die Kinder und Jugendliche als unmittelbare Täterinnen einsetzten.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz