Bei dem Unglück kamen 157 Menschen ums Leben

Startverbot für Boeing 737 Max 8 in mehreren Ländern

Montag, 11. März 2019 | 16:54 Uhr

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 mit 157 Todesopfern – darunter drei Ärzte aus Österreich – laufen die Ermittlungen zur Unglücksursache auf Hochtouren. Bei der Fehlersuche richtete sich der Blick der Ermittler am Montag auch auf den neuen Flugzeugtyp, der in den vergangenen sechs Monaten nun bereits zwei schwere Abstürze verzeichnete. Mehrere Länder verboten Starts der Maschinen.

Die Ethiopian-Airlines-Maschine war Sonntagfrüh kurz nach dem Start von Addis Abeba Richtung Nairobi abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Der Pilot hatte nach Angaben der Fluggesellschaft Probleme gemeldet und angekündigt, umzudrehen. Kurze Zeit später zerschellte die Maschine.

Es ist bereits das zweite Unglück innerhalb eines halben Jahres mit diesem Flugzeugtyp. Die Ethiopian Airlines, China und Indonesien ließen ihre 737-Max-8-Maschinen vorerst am Boden. Ethiopian Airlines verfügt über sechs weitere Boeing 737 Max 8 und hatte insgesamt 30 der Maschinen geordert. Die Unglücksmaschine war Mitte November geliefert worden.

Die chinesische Luftfahrtbehörde ordnete ein Startverbot für alle Boeing 737 Max 8 in der Volksrepublik an. Auch Indonesien wollte die Maschinen zunächst überprüfen lassen. Die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways teilte mit, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden. Die Laudamotion-Mutter Ryainair hat 135 Stück bestellt, allerdings bis Ende Jänner noch keine bekommen. Österreichische Fluglinien haben den Flugzeugtyp nicht im Einsatz.

Andere Fluggesellschaften wie Norwegian und die US-Fluggesellschaft United erklärten hingegen, die Maschinen seien sicher und blieben weiterhin in Betrieb. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die EU-Agentur für Flugsicherheit stehe mit den Behörden in Kontakt und verfolge die Ermittlungen genau. Auf Grundlage der Informationen werde man das Risiko beurteilen und möglicherweise auch weitere Schritte einleiten.

Der Hersteller Boeing sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. Am Montag erklärte Boeing zudem, es gebe nach bisherigem Kenntnisstand keine Grundlage für neue Anweisungen an die Betreiber des Flugzeugtyps.

Erst im Oktober war eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air vor der indonesischen Küste abgestürzt, ebenfalls kurz nach dem Start. Alle 189 Menschen an Bord starben. Luftfahrtexperten kritisierten damals, Boeing habe die Fluggesellschaften und Piloten nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert. Allerdings hätte die Lion-Air-Maschine laut einem vorläufigen Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden wegen gravierender technischer Mängel nicht starten dürfen. Die Maschine hatte demnach Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern und den AOA-Sensoren, die Daten zum Auftrieb eines Flugzeugs liefern.

Für den deutschen Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt könnte die neue Software der Boeing 737 Max 8 an beiden bisherigen Abstürzen schuld gewesen sein. Bei den Unglücken seien Ähnlichkeiten aufgefallen, “die ins Auge stechen”. In den neuen Flugzeugtyp wurde eine zusätzliche Software eingebaut, die dafür sorgt, dass die Flugzeugnase nicht zu hoch genommen wird. Diese dürfte sich eingeschaltet haben, obwohl der Flieger im Steigflug war, sagte Großbongardt im Ö1-Mittagsjournal.

Die Boeing-Aktien gaben am Montag kurz nach Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street deutlich nach. Am Nachmittag europäischer Zeit notierten sie bei 373,23 Dollar (rund 332 Euro) – ein Minus von 11,7 Prozent.

Von: APA/ag./dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Startverbot für Boeing 737 Max 8 in mehreren Ländern"


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Tabernakel
14 Tage 21 h

Und nun Trump? Noch Vertrauen in Make America great again?

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boeing-trump-force-one-1.4059659

typisch
typisch
Kinig
14 Tage 19 h

Deine trump fake news panikmache sollte sich als respekt der opfer im grenzen halten

Tabernakel
14 Tage 17 h

@typisch

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Tui-prueft-Startverbot-fuer-Boeing-737-Max-8-article20899728.html

Das wird ein Sargnagel für den Flieger.

Hätten die doch besser Airbus bevorzugt.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
13 Tage 19 h

@Tabernakel

Erinnert sich jemand an den Air France Airbus der damals über dem Atlantik abgestürzt ist ?
Eine tragische Verkettung von technischem und menschlichem Versagen

Tabernakel
14 Tage 19 h

Bei allem Respekt.

Aber es ist typisch: N-TV schreibt heute morgen:

Boeing-Papier bereits vorbörslich auf Sinkflug

Boeing Boeing 343,00

Die Abstürze von Maschinen des Typs Boeing 737 Max 6 in Äthiopien und
Indonesien setzen der Aktie des US-Flugzeugbauers zu. Das Boeing-Papier verlor bereits vorbörslich fast neun Prozent.
Ein Grund ist, dass chinesische Airlines Maschinen gleichen Typs vorerst nicht mehr einsetzen.

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