Umgestürzte Bäume machten Probleme

Sturm in Österreich weniger schlimm als befürchtet

Montag, 24. September 2018 | 16:41 Uhr

Das Sturmtief “Fabienne”, das in Deutschland große Schäden angerichtet und auch eine Tote gefordert hat, ist in der Nacht deutlich abgeschwächt nach Österreich gekommen. Hierzulande waren die Auswirkungen weniger dramatisch als befürchtet. Meteorologen reduzierten die Sturmwarnung bereits in der Nacht, weil starke Gewitter in Bayern die Front erheblich abgeschwächt hatten.

Die Schäden in Österreich hielten sich in Grenzen. In Maria Enzersdorf in Niederösterreich wurde ein Veranstaltungszelt auf dem Freizeitgelände Südstadt schwer beschädigt, teilte die dortige Freiwillige Feuerwehr mit. Die Sturmschäden in Niederösterreich seien allgemein äußerst gering, teilte Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando am Montag in der Früh mit. Er berichtete von etwa 35 Einsätzen insbesondere wegen umgestürzter Bäume und loser Dachziegel.

Schwer beschädigt wurde auch der Josefsbrunnen im Stift Heiligenkreuz. Ein vom Wind abgebrochener Platanen-Ast fiel auf das barocke Bauwerk und brach dabei den Kopf der Statue des heiligen Josef ab, wie auf der Homepage des Stiftes mitgeteilt wurde. Nach Aufräumarbeiten und einer Sicherheitsüberprüfung der Bäume soll die Skulptur erneuert werden.

Der abgerissene Kopf der von Giovanni Giuliani (1664-1744) stammenden Josef-Statue lag am Montag in dem Brunnen, wie auch Kathpress berichtete. “Gott sei Dank ist bei uns aber nur Sachschaden entstanden. Im Gebet denken wir vor allem an die Frau aus Bayern, die in dieser Nacht gestorben ist und an den vierjährigen Buben, der in Lebensgefahr schwebt”, hieß es auf der Website des Stiftes Heiligenkreuz weiter.

Beschädigt wurde überdies ein Mehrparteienhaus in Baden. Der starke Wind entwurzelte einen Baum, der in Richtung des Gebäudes stürzte und dort unter anderem Balkongeländer demolierte sowie die Hausfassade zerkratzte. Nach Angaben des Bezirkskommandos Baden gab es 22 Sturmeinsätze, die 14 Feuerwehren beschäftigten.

Bei dem Baum-Sturz im Ortsteil Weikersdorf entstand laut Feuerwehr erheblicher Schaden am Haus sowie am geparkten Fahrzeug, das vor allem am Heck getroffen wurde. Die Einsatzkräfte zerteilten den abgerissenen Baumstamm mit Motorsägen und entfernten ihn mit einem Ladekran.

Bereits in der Nacht auf Montag war ein Pkw zwischen Karlstein und Raabs (Bezirk Waidhofen a. d. Thaya) von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Windschutzscheibe und A-Säule des Fahrzeugs wurden beschädigt, der Lenker blieb unverletzt, wie das Bezirksfeuerwehrkommando auf seiner Homepage berichtete.

“Die von den Meteorologen vorhergesagte Sturmkatastrophe ist in Niederösterreich zum Glück ausgeblieben”, resümierte der Sprecher. Aus diesem Grund hätten die Feuerwehren ihre erhöhte Alarmbereitschaft bereits nach Mitternacht wieder aufheben können.

In Oberösterreich löste der Sturm rund 140 Einsätze von 130 Feuerwehren aus. Die 2.100 Helfer beseitigten umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, die Verkehrswege blockierten. Das teilte das Landesfeuerwehrkommando am Montag mit. Darüber hinaus gab es keine Einsätze. Meldungen über Verletzte lagen nicht vor.

Nur geringe Sturmschäden gab es in Vorarlberg. “Die Feuerwehr hat eine Menge loser Gegenstände und auch umgestürzte Bäume weggeräumt”, sagte ein Sprecher der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Vorarlberg zur APA. Es sei aber “nichts Gravierendes” passiert. Insgesamt wurden die Einsatzkräfte 37 Mal zu Hilfe gerufen.

Die burgenländischen Feuerwehren hatten in der Nacht trotz des angekündigten Sturms relativ wenig zu tun. “Wir haben in Summe sechs Einsätze gezählt”, sagte ein Sprecher der Landessicherheitszentrale Burgenland zur APA. In der Früh musste in Mattersburg eine umgestürzte Werbetafel entfernt werden. In den meisten Fällen wurden Straßen von Bäumen blockiert.

In der Steiermark hinterließ “Fabienne” vereinzelte Schäden im Ennstal in der Obersteiermark sowie im Norden der Oststeiermark. In den südlichen Regionen der Steiermark sowie auch in Graz haben die Bewohner bis Montagvormittag kaum bis nichts von den Windböen abbekommen.

Die Berufsfeuerwehr Wien fuhr bis Montagvormittag zu rund 80 Einsätzen zur Beseitigung von Sturmschäden. “Viele Vorfälle werden erst jetzt bemerkt, das heißt es kommen noch laufend Einsätze dazu”, sagte ein Sprecher der APA. In Summe werden die Ausläufer des Sturmtiefs “Fabienne” wohl bis zu 100 zusätzliche Ausfahrten nötig machen.

Große Schäden seien bisher nicht gemeldet worden, sagte der Sprecher. Es gehe vor allem um abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume und lose gewordene Schilder. Aufgrund der Warnungen vor dem Sturm, der dann auch nicht so heftig ausgefallen ist wie befürchtet, wurden viele Vorkehrungen getroffen. Die allermeisten Balkonbesitzer oder Schanigartenbetreiber hatten ihre Pflanzen und Sitzgarnituren ebenso vorsorglich gesichert wie Baufirmen ihre Baustellen.

Im Tiroler Unterland führte “Fabienne” vereinzelt zu umgestürzten Bäumen und Sachschäden. In Kirchdorf (Bezirk Kitzbühel) wurde etwa ein Hausdach zur Hälfte abgetragen, in Rettenschöss (Bezirk Kufstein) stürzte ein umgerissener Baum auf einen Pkw. Der 51-jährige Fahrer musste mit einer Bergeschere befreit werden, er blieb unverletzt.

In den Orten Erpfendorf, Kirchdorf und Kössen im Bezirk Kitzbühel stürzten zwischen 22.30 Uhr bis 23.30 Uhr auch mehrere Bäume auf die Straßen. Verletzt wurde niemand. In Kössen fiel ein Baum zudem auf ein Hausdach.

Bei dem Vorfall in Rettenschöss schlug der Baum mit einem Durchmesser von rund 50 Zentimetern im Bereich der Windschutzscheibe des auf einer Landesstraße fahrenden Autos ein. Am Fahrzeug entstand Totalschaden.

Der erste Herbststurm des Jahres fegte in der Nacht auf Montag mit Windspitzen über 100 km/h über Österreich. Der höchste Wert wurde nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Sonnwendstein (1.500 m Seehöhe) im niederösterreichischen Semmeringgebiet mit 153,7 km/h gemessen. Aber auch die Niederungen bekamen die Ausläufer des Tiefs “Fabienne” zu spüren.

An zweiter Stelle der Sturmspitzen lag der Buchberg (460 m Seehöhe) im Wienerwald mit 137,2 km/h, gefolgt vom Feuerkogel (1.618 m) in Oberösterreich mit 127,1 km/h. Dahinter landeten Reichenau a.d. Rax (488 m) mit 120,6 km/h, die Wiener Jubiläumswarte (450 m) mit 119,9 km/h und der Schöckl (1.443 m) im Grazer Bergland mit 119,2 km/h.

Recht stürmisch fiel die Nacht auch in der niederösterreichischen Bezirkshauptstadt Wiener Neustadt mit 101,5 km/h aus. In Ranshofen bei Braunau (OÖ) brachte es “Fabienne” auf 96,5 km/h. Knapp über 90 km/h lagen die Spitzen laut ZAMG beispielsweise noch in Kremsmünster, Eisenstadt und Gröbming, knapp darunter in der Wiener Innenstadt. Im Lauf des Montags sollte der Wind nachlassen, ab Dienstag steht ruhiges Herbstwetter ins Haus.

Die Auswirkungen des Sturms über Mitteleuropa waren vor allem in Deutschland dramatisch: Eine Frau in Bayern starb, ein kleiner Bub schwebt in Lebensgefahr. In weiten Teilen Süd- und Mitteldeutschlands mussten Straßen gesperrt und von Bäumen befreit werden. Auch der Flughafen Frankfurt – Deutschlands größter Airport – meldete am Sonntagabend Probleme.

Der Sturm machte sich auch in der benachbarten Schweiz bemerkbar. Dort wirbelte “Fabienne” vor allem den Flugverkehr durcheinander, wie die Agentur SDA berichtete. An den Flughäfen Zürich, Basel und Genf gab es am Abend bei fast allen Starts und Landungen deutliche Verspätungen.

Von: apa